Zum 290. Todestag von Sir Isaac Newton
Der Alchemist, der die Welt veränderte
„In der Wissenschaft gleichen wir alle nur den Kindern, die am Rande des Wissens hier und da einen Kiesel aufheben, während sich der weite Ozean des Unbekannten vor unseren Augen erstreckt.“ (Sir Isaac Newton)
1687 vereinte er die Forschungen von Galileo Galilei mit denen Johannes Keplers und Descartes. Beschleunigung, die Bewegung der Planeten und das Trägheitsproblem wurden zur dynamischen Theorie der Gravitation. Newton formulierte die drei Grundgesetze der Bewegung. Damit begann die Entwicklung der klassischen Mechanik, die auf Newtons Forschungsergebnissen beruht.
Er wurde international anerkannt. Junge Wissenschaftler, die seine unorthodoxen naturwissenschaftlichen Ansichten teilten, scharten sich um ihn.
Kein Menschenfreund
Im selben Jahr nahm Newton eine wesentliche Rolle in der Protestbewegung ein, die verhindern wollte, dass König James II. die Universität Cambridge in eine katholische Einrichtung umwandelt.
1696 wurde Newton zum Wardein (Wächter bzw. Hüter) der englischen Münzprägeanstalt Royale Mint in London ernannt, zu dessen Master man ihn 1699 erhob. Er nahm diese Aufgabe ernst und ging hart gegen Falschmünzer vor. 1701 beendete er seine Professur in Cambridge und veröffentlichte im gleichen Jahr anonym ein Gesetz zur Abkühlung fester Körper an der Luft.
Sein Engagement galt ab sofort der Politik, wofür er 1705 von Königin Anne zum Ritter geschlagen wurde. Newton lebte seit 1696 in einem herrschaftlichen Haus in London, das ein kleines Observatorium beherbergte. Dort studierte er alte Geschichte, Theologie und Mystik.
Bis zu seinem Tod am 31. März 1727 in Kensington blieb Newton ein wohlhabender Mann – und ein schwieriger Charakter. Über sich selbst sagte Newton, er könne die Bewegungen der Himmelskörper berechnen, nicht aber die Verrücktheit der Menschen.
Besessen von der schwarzen Kunst
Wer heute von Isaac Newton spricht, meint den großen Physiker. Doch Newton war nicht nur ein nüchtern denkender Wissenschaftler. Sein größeres Interesse galt der Alchemie.
Newton widmete sich sein Leben lang der schwarzen Kunst. Unermüdlich führte er Experimente durch und protokollierte sie in einer Geheimschrift. Bis heute sind diese Manuskripte nur zum Teil entziffert. Fest steht, dass Newton den Stein der Weisen suchte, um mit seiner Hilfe unedle Metalle in Gold zu verwandeln, alle Krankheiten zu heilen und Menschen unsterblich zu machen.
Weil Newton vom Wirken astraler und magnetischer Kräfte in der Natur überzeugt war, schlussfolgerte er daraus die Existenz einer unsichtbaren Kraft, die auch den Apfel auf den Boden zieht – die Gravitationskraft. Dass Newtons fester Glaube an okkulte Kräfte in seiner Konsequenz die klassische Mechanik begründete, gehört zu den größten Paradoxien der Wissenschaft.
Der Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes nannte Newton den letzten großen Magier der Renaissance. Dass er mit seiner Besessenheit für Alchemie und Esoterik eine Außenseiterrolle einnahm, war Newton bewusst. Ende des 17. Jahrhunderts wurden Alchemisten nicht mehr ernst genommen, sie galten als obskure Gestalten einer versunkenen Epoche. Deshalb ging Newton seiner alchemistischen Leidenschaft meist nachts nach, in abgelegenen Kellerlaboren und weitgehend unbemerkt von seinen Kollegen am Trinity College in Cambridge.

