40. Todestag von Wernher von Braun
Raketen für Hitler und Kennedy
„Dieselben Naturkräfte, die uns ermöglichen, zu den Sternen zu fliegen, versetzen uns auch in die Lage, unseren Stern zu vernichten.“ Wernher von Braun
Seit Juni 1943 existierten in Peenemünde ein KZ-Außenlager sowie ein zweites Konzentrationslager, ein Kriegsgefangenenlager in Karlshagen und die Lager Trassenheide. Zu den 1.400 Häftlingen kamen mehr als 3.000 Ostarbeiter aus Polen und der Sowjetunion. Laut Protokoll vom 25. August 1943 wird von Braun in einer Besprechung wie folgt zitiert: „Die Belegschaft für […] Mittelteile- und Heckfabrikation könnte aus dem Häftlingslager F1 gestellt werden.“
In der Fertigungshalle 1 (F 1) der Heeresversuchsanstalt Peenemünde, in der die V2 produziert wurde, waren 500 Häftlinge im Keller eingepfercht und wurden zur Zwangsarbeit verpflichtet. Arthur Rudolph, später Direktor des NASA-Entwicklungsprogramms der Rakete Saturn V, erwähnte in einem Bericht die äußerst schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter.
Beim Bombardement der Briten in der Nacht vom 17. zum 18. August 1943 auf die HVA gehörte die Tötung der Wissenschaftler zum Hauptziel der Angriffe. Wernher von Braun versteckte sich in einem Bunker und überlebte den Angriff.
Um die weitere Entwicklung vor Bombardierungen zu schützen und die Produktion möglichst geheim zu halten, wurde sie unter Tage in die Stollenanlage Kohnstein und die Werksanlagen der Mittelwerks GmbH im Harz verlegt. Hier entstand ein neues KZ-Außenlager (Dora-Mittelbau) des KZ Buchenwald unter dem Tarnnamen „Arbeitslager Dora“. Rund um Bleicherode und Kohnstein wurde zu dieser Zeit ein Netz von etwa 40 Außenlagern errichtet.
Insgesamt kamen – nach offizieller Zählung der SS-Akte – 12.000 Zwangsarbeiter bei der Errichtung der Lager und der Raketenproduktion ums Leben. Beim einzigen Prozess der Alliierten 1947, in dem Verbrechen des KZ Dora-Mittelbau verhandelt wurden, war von Braun jedoch nicht angeklagt. Er stand zu dieser Zeit bereits – wie sein Bruder Magnus, der gegen die Lagerleitung im Prozess aussagte – in den Diensten der US-Amerikaner.
Von Braun gab im Prozess 1947 zu Protokoll, er hätte nichts von den Bedingungen gewusst. 1969 sagte er jedoch in einem Interview, er sei selbst im Mittelwerk gewesen: „Als die Sprengarbeiten für den Ausbau bereits begonnen hatten, die Produktion aber noch nicht angelaufen war […] damals waren einige Häftlinge in diesen Stollen untergebracht. Ich bin mit der besichtigenden Besuchergruppe durch diese temporären Unterkünfte gegangen.“ Weiter gab er zu, dass die „Hungergestalten“ in einem „erbarmungswürdigen Zustand“ gewesen seien und die Eindrücke „schwer auf der Seele jedes anständigen Mannes lasten“ würden.
Ein Brief von Brauns 1944 an Albin Sawatzki belegt zudem seinen Besuch im KZ Buchenwald, wo er selbst Häftlinge für die Raketenproduktion aussuchte.
Terrorwaffe für den Luftkrieg
Am 12. November 1937 beantragte von Braun die Mitgliedschaft in der NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai 1937 aufgenommen. 1940 wurde er Mitglied der SS und stieg bis zum Sturmbannführer auf. Diese Mitgliedschaft blieb Zeit seines Lebens nahezu geheim und wurde erst nach seinem Tod der Öffentlichkeit bekannt.
Die V2 besaß zur damaligen Zeit eine unübertroffene Reichweite. Die Rakete konnte eine Tonne Sprengstoff transportieren. Ihre Zielgenauigkeit war allerdings so gering, dass sich die Rakete nur als Terrorwaffe gegen die Zivilbevölkerung eignete. Von Braun muss das bei der Entwicklung gewusst haben, was später ebenfalls zu massiver Kritik an seiner Person führte. Die V2 forderte insgesamt 8.000 zivile Todesopfer bei einem Einsatz von ca. 3.000 Raketen.
Für die Entwicklung der sogenannten Wunderwaffe wurde Wernher von Braun von Adolf Hitler auf der Wolfsschanze mit einer Professur geehrt. „Nach meinem Gespräch mit Hitler sah ich zufällig, dass Speer mit ihm – gleichsam hinter vorgehaltener Hand – etwas besprach. Wenige Augenblicke danach schritt Hitler auf mich zu, reichte mir die Hand und sagte: ‚Professor, ich möchte Ihnen zu Ihrem Erfolg gratulieren.‘“, so von Braun.
1944 versuchte Heinrich Himmler, die V2 in seinen Einflussbereich zu übernehmen. Von Braun lehnte dies ab und wurde daraufhin von der Gestapo verhaftet. Verrat und Wehrkraftzersetzung lauteten die Vorwürfe, die mit dem Tod bestraft werden konnten. Dem persönlichen Einsatz Albert Speers und Walter Dornbergers bei Hitler hatte es von Braun zu verdanken, dass er wieder frei kam.

