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Strompreise
Eon-Innogy-Deal – Deutscher Energiemarkt vor Wende

Energieriese Eon will die grüne RWE-Tochter Innogy übernehmen. Damit verschwindet ein Player vom Markt. 5.000 Arbeitsplätze sind gefährdet. Droht dem Verbraucher der Strompreisschock?

Stromkosten

(Bild: K.-U. Häßler/stock.adobe.com)

Die Essener Konzerne RWE und Eon haben vergangenes Wochenende eine grundsätzliche Einigung um die börsennotierte RWE-Tochtergesellschaft Innogy erzielt und wollen sich mit der Fusion komplett neu aufstellen. Zukünftig teilen sich die Unternehmen die Erzeugung und den Vertrieb auf, statt zu konkurrieren.

Zerschlagung des noch jungen Unternehmens

Die Innogy SE wurde am 01. April 2016 gegründet und betreibt Verteilnetze, vertreibt Energie und erzeugt Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Das Unternehmen plant, baut und vertreibt Windkraftanlagen (On- und Offshore), Wasserkraftwerke und Photovoltaikanlagen und setzt damit voll und ganz – im Gegensatz zum Mutterkonzern – auf „grünen Strom“.

Eon soll den gesamten RWE-Anteil von 77 Prozent an Innogy übernehmen. Neben einer Zahlung von RWE in Höhe von 1,5 Milliarden Euro an Eon, beinhaltet die Transaktion einen „weitreichenden Tausch von Geschäftsaktivitäten und Beteiligungen“. RWE wird im Gegenzug mit 16,7 Prozent am eigenen Unternehmen beteiligt.

5.000 Arbeitsplätze könnten wegfallen

Die Neuaufteilung des Marktes durch die vor allem in den alten Bundesländern agierenden Unternehmen sieht vor, dass Eon das lukrative Netzgeschäft von Innogy übernimmt. Die erneuerbaren Energien hingegen sollen unter einem Dach bei RWE gebündelt werden. Innogy wäre damit vom Markt, ein Konkurrent verschwunden.

Die Übernahme durch Eon wird wahrscheinlich 5.000 Menschen die Arbeitsplätze kosten. Eon und RWE teilten am Montag mit, dass es sich um weniger als 7 Prozent der mehr als 70.000 Stellen bei der wachsenden Eon handle. Eon rechne gleichzeitig damit, in den kommenden Jahren Zehntausende neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Gewerkschaften und Politik im Einklang

Aus der Politik auch von den Gewerkschaften erhalten beide Konzerne Rückendeckung. Den Umbau des Energiemarktes und die erheblichen Folgen sieht man offenbar gelassen entgegen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die bei RWE einflussreichen Kommunen Nordrhein-Westfalens können der Fusion Positives abgewinnen. Merkel vertraue den Konzernen, dass sie die beste Möglichkeit für die Energiewende schaffen würden.

Verdi und IG BCE sehen in der Neuordnung der beiden Energiekonzerne „Perspektiven für Wachstum und Arbeitsplätze“. Sie erwarten, dass es bei der Neuordnung keine betriebsbedingten Kündigungen gibt und bestehende Tarifverträge erhalten bleiben.

Strompreise für Verbraucher

Genau geprüft werden sollten laut Chef des Verbraucherzentralen-Verbands (VZBV), Klaus Müller, die Konsequenzen für die Endverbraucher. Die Preise dürfen nicht noch weiter ansteigen, erklären die Verbraucherschützer. Da Innogy ein teurer Grundversorger sei, gehe man von sinkenden Strompreisen aus. Die Kartellbehörden müssten hier jedoch genauer hinschauen, denn Eon beliefert 20 Millionen Kunden.

Die Kommunen in NRW sind mit etwa 20 Prozent Anteilen wichtige Aktionäre bei RWE. Sie stehen hinter der Aufteilung der Konzerne in die verschiedenen Aufgaben und bewerten den neuen Weg strategisch und aus finanzieller Sicht positiv. Eon werde damit ein indirekter Partner der Kommunen.

Ökostrom-Marktführer Lichtblick hat hingegen eine konträre Sichtweise auf die Ereignisse und reagiert besorgt. Der neue Mega-Konzern wird eine große Marktmacht erhalten, was dauerhaft zu höheren Strompreisen für die Verbraucher führen könnte. Durch die Fusion sei der Wettbewerb gefährdet. Ob es so kommt, weiß man jedoch nicht.

Claudia Kemfert, Energieökonomin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) äußerte gegenüber dem Handelsblatt: „Die Befürchtung teile ich nicht unmittelbar, da die Konzentration von potenzieller Marktmacht in erster Linie durch Eon und den Zukauf der Netze entstehen kann“. „Dieser Bereich ist aber reguliert und somit können überhöhte Strompreise durch kluge Regulierung verhindert werden, was aber leider unabhängig von der Marktstruktur derzeit nur unzureichend stattfindet“, so Kemfert weiter.

Letztlich müssen die Kartellbehörden dem Deal zustimmen. Das wird möglicherweise nur unter Auflagen zum Schutz der Verbraucher geschehen.

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