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150. Todestag von Michael Faraday

Vom Luftballon zu physikalischen Gesetzen

23.08.2017

„Ich weiß nicht, für was das einmal gut sein wird. Aber ich weiß, dass Sie Steuern darauf nehmen werden.“ – Ein Zitat von Faraday, das noch heute Gültigkeit besitzt.

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Buchbinderlehrling mit besonderen Interessen

Am 22. September 1791 wurde Michael Faraday in bescheidenen Verhältnissen als Sohn eines Hufschmieds in Newington bei London geboren. Er arbeitete früh als Zeitungsausträger beim Buchhändler und Buchbinder Ribeau. Der erkannte in dem 13-Jährigen  einen zuverlässigen Mitarbeiter und bot ihm eine Lehrstelle als Buchbinder an.

Ribeau erlaubte dem jungen Faraday, nach Feierabend in den Büchern seiner Buchhandlung zu stöbern. Zwei Werke hatten es dem Jungen besonders angetan: „The Improvement of the Mind“ von Isaac Watts, was vermutlich den Grundstock für Faradays penible Denk- und Arbeitsweise legte. Das andere Buch beinhaltete die "Conversations on Chemistry" einer Miss Marcet, in dem sich zwei junge Frauen über chemische Phänomene unterhalten. 

Ein Kunde der Buchhandlung schenkte Faraday Eintrittskarten für öffentliche Vorträge des Chemieprofessors Humphry Davy. Inspiriert durch die Referate schloss er sich der City Philosophical Society an, einer Gruppe junger Leute, die sich naturwissenschaftliche Vorträge anhörten oder selbst veranstalteten und diskutierten. In dieser Zeit eignete sich Faraday sein Wissen autodidaktisch an und schrieb es in selbst angelegten Heften nieder. Er ordnete sein Wissen neu und änderte die Darstellung des Gelernten.

Bildungsreise während der Napoleonischen Kriege

Von 1792 bis 1815 führte Napoleon Bonaparte die Koalitionskriege in Europa. Der französische Kaiser verlieh Davy in Abwesenheit eine Goldmedaille für dessen Erkenntnisse und Beiträge zur Elektrochemie. Humphry Davy stellte 1813 Faraday in seinem Labor als Gehilfen an, wo er durch seine ungewöhnlichen Leistungen schnell zum Assistenten des anerkannten Chemikers aufstieg.

Davy und Faraday planten zur Zeit der Napoleonischen Kriege eine zwei- bis dreijährige Reise durch Kontinentaleuropa, die sie bis nach Konstantinopel führen sollte. Der Austausch mit damals führenden Chemikern, Physikern und Geologen sollte dabei im Mittelpunkt stehen. Davy erhielt von der französischen Regierung die Erlaubnis für die Fahrt, denn er sollte in Paris die Goldmedaille persönlich entgegen nehmen. Ihre Forschungsreise dauerte von 1813 bis 1815.

Ohne Studium zum Direktor und Professor

Im Jahr 1815 bekam Faraday eine Anstellung bei der Royal Institution of Great Britain und war dort für die mineralogische Sammlung sowie die Wartung der Versuchsapparate verantwortlich. Vertraglich ließ er sich zusichern, dass er nach Feierabend die Laborgeräte des Instituts nutzen durfte. So konnte er sich in seiner Freizeit seiner eigentlichen Berufung widmen: der Wissenschaft.

Mit 30 Jahren ernannte man ihn zum „Superintendent of the House“, was ihm den Bezug einer Dienstwohnung im Institut ermöglichte. Nur vier Jahre später, 1825, wurde er Direktor der Royal Institution, obwohl er nie an einer Universität studiert hatte. Seine zahlreichen theoretischen und praktischen Erfolge verhalfen ihm zum Aufstieg.

In dieser Zeit entwickelte Faraday im Rahmen seiner Experimente den ersten Gummiluftballon. Aus Rohgummi schnitt er zwei runde Flächen aus, legte sie aufeinander und drückte die Ränder zusammen. Innen bestäubte er den Ballon mit Mehl, damit die Flächen nicht aneinander klebten. Laut seinem Bericht im Quarterly Journal of Science 1824 dehnte sich der Ballon sehr stark aus, wurde transparent und entschwebte zur Decke.

1833 wurde er zum ersten Fullerian Professor of Chemistry, eine der wenigen Ehrungen, die Faraday in seinem Leben annahm, ernannt. Von 1830 bis 1851 lehrte er Generationen von Offizieren Chemie an der Royal Military Academy.


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Autor
Name: Antje Schubert