Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Messung des Schutzleiterwiderstands
Im Rahmen der Prüfung des Schutzleiters kommt immer wieder einmal die Frage auf, warum Messgeräte während der Prüfung mit einem Messstrom von mindestens 200 mA arbeiten müssen. Dieser Fachbeitrag taucht ein in die letzten 50 Jahre Elektrotechnik und versucht Antworten zu finden.
Jedes Prüfverfahren muss entsprechend ihren Anforderungen genau beschrieben werden. Interessanterweise gab es sogar schon weit vor der Normung in West-Deutschland die 200-mA-Messmethode. Prüfgeräte aus der Mitte der 70er-Jahre arbeiteten schon danach. Bei der Schutzleiterwiderstandsmessung gilt grundsätzlich eine Eigenabweichung des Prüfgerätes unter Laborbedingungen von 15 % als akzeptabel, unter den Betriebsbedingungen draußen im Einsatz dürfen es bis zu 30 % sein. Das hört sich zunächst viel an, berücksichtigt jedoch auch, dass sich der Leiterwiderstand im zulässigen Temperaturbereich von 0 bis 35 °C um bald 15 % ändert.
Fazit
Warum die Normung ausgerechnet DC 200 mA fordert, lässt sich anhand der dem Autor dieses Fachbeitrags zugänglichen Quellen leider nicht mehr sicher rekonstruieren. Trotz intensiver Recherche und der Unterstützung des VDE konnte die Frage nicht abschließend geklärt werden. Viele der damaligen Akteure im VDE-Gremium sind nicht mehr aktiv oder gar längst verstorben. Glücklicherweise waren die Akteure in der DDR viel schreibfreudiger, sodass zumindest die dortige Sichtweise gut dokumentiert ist.
Einen Hinweis aus DKE-Kreisen gab es dann aber doch noch: Die 200 mA stammen wohl ursprünglich aus der internationalen Normung zur Anlagenprüfung. Die an der Erarbeitung der Norm Beteiligten seien sich damals einig gewesen, dass die 200 mA ein stabiles Messergebnis gewährleisten.
Der Autor dieses Fachbeitrags ist persönlich aber zu dem Schluss gekommen, dass die Festlegung auf 200 mA recht willkürlich ist und damals vermutlich darauf beruhte, dass ein oder mehrere Hersteller bereits Prüfgeräte mit diesem Prüfstrom bauten.
Autor: M. Lochthofen
Literatur:
[1] Lochthofen, M.: Messung des Schutzleiterwiderstands, Leseranfragen; Elektropraktiker 74 (2020) 7; S. 521.
[2] DIN VDE 0701:1971-09 (zurückgezogen) Bestimmungen für die Instandsetzung, Änderung und Prüfung gebrauchter elektrischer Verbrauchsmittel (Geräte).
[3] DIN VDE 0404-2 (VDE 0404-2):1988-07 (zurückgezogen) Messen, Steuern, Regeln - Geräte zur sicherheitstechnischen Prüfung von elektrischen Betriebsmitteln – Geräte bei wiederkehrenden Prüfungen.
[4] DIN VDE 0100-610 (VDE 0100-610):1994-04 (zurückgezogen) Errichten von Starkstromanlagen mit Nennspannungen bis 1000 V – Prüfungen; Erstprüfungen.
[5] ARBO 900 Arbeitsschutz- und Brandschutzordnung 900 „Elektrische Anlagen“ von 20.07.1961 GBl der DDR, Sonderdruck 339, VEB Deutscher Zentralverlag, Berlin.
[6] Hering, E.: Forderungen an Prüfgeräte für über Steckverbindung angeschlossene elektrische Betriebsmittel; Der Elektro-Praktiker 21 (1967) 2, S.46-52.
[7] Hering, E.: Prüfgeräte für Betriebsmittel mit Steckverbinder; Der Elektro-Praktiker 25 (1971) 12, S. 387-392.

