Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Leiterquerschnitte im Installationsverteiler
Welcher Leitungsquerschnitt ist den Normen entsprechend bei der Verdrahtung der Hauptstrombahnen bei einem Installationsverteiler für die Bedienung durch Laien einzusetzen?
Frage:
Wir vertreten bei einem aktuellen Projekt unterschiedliche Auffassungen darüber, in welchem Querschnitt die Verdrahtung der Hauptstrombahnen bei einem Installationsverteiler für die Bedienung durch Laien erfolgen sollte. Im Querschnitt ausgelegt für die Vorsicherung 80 A oder in 6 mm²? Bei einem Sicherungsabgang D0 2 generell ausgelegt für die 63 A (bei einer Absicherung von 35 A dann geringer?)? In der Aufbauzeichnung vom Januar 2015 gibt es einen Bezug auf die DIN EN 60439-3.
Antwort:
Vorweg: „Installationsverteiler für die Bedienung durch Laien (DBO)“ (DBO; Distribution boards intended to be operated by ordinary persons) durften bis 22.03. 2015 noch nach DIN EN 60439-3 (VDE 0660-504):2002-05 [1] hergestellt werden, daher ist formal der vorhandene Normenbezug auf der Aufbauzeichnung noch richtig und zulässig.
Seit 23. 03. 2015 müssen solche Verteiler aber nach DIN EN 61439-3 (VDE 0660-600-3) [2] unter Berücksichtigung von DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1):2012-06 [3] (jetzt neu DIN EN IEC 61439-1 (VDE 0660-600-1):2021-10) [4]; für die Anwendung dieser Norm besteht eine Übergangsfrist bis 2024-05-21, sodass eventuelle Änderungen nicht berücksichtigt wurden) hergestellt werden. Normativ hat sich in der Ausgabe von 2012 einiges geändert, insbesondere bezüglich der Bauartnachweise, nicht jedoch bezüglich der Fragestellung des Lesers.
Wenn ich aber die Anfrage des Lesers richtig verstanden habe, geht es hier um die Querschnittsreduzierung auf 6 mm2 Cu, bei einer Vorsicherung von 80 A und den damit notwendigen Schutz bei Kurzschluss. Der Schutz bei Überlast braucht nicht betrachtet zu werden, da dieser sicher durch die einzeln nachgeschalteten FI/LS mit 25/16 A erfüllt werden kann.
Soweit ich aus den mir zugesandten Unterlagen erkennen kann, handelt es sich bei diesem Verteiler noch um eine „TSK“ (typgeprüfte Schaltgerätekombination). (Hinweis: Formal durfte 2015 keine TSK mehr hergestellt werden, da die Übergansfrist für die DIN EN 60439-1 (VDE 0660-500):2005-01 [5] und damit für die Herstellung einer TSK zum 23. 09. 2014 abgelaufen war.) Bei einer TSK galt für die Bemessung der Querschnitte die Grundnorm DIN EN 60439-1 (VDE 0660-500):2005-01 [5], wo im Abschnitt 7.8.2 folgendes festgelegt war: „Die Querschnittswahl für Leiter innerhalb der Schaltgerätekombination unterliegt der Verantwortung des Herstellers.“ In der Folgenorm DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1):2012-06 [3] war diesbezüglich folgendes angeführt: „Wenn der Nachweis der Erwärmung auf Grundlage von Prüfungen (siehe 10.10.2) erfolgt, liegt die Auswahl der Leiter und ihrer Querschnitte innerhalb der Schaltgerätekombination in der Verantwortung des ursprünglichen Herstellers.
Autor: W. Hörmann
Quellen
[1] DIN EN 60439-3 (VDE 0660-504):2002-05 (zurückgezogen) Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen Besondere Anforderungen an Niederspannung-Schaltgerätekombinationen, zu deren Bedienung Laien Zutritt haben Installationsverteiler.
[2] DIN EN 61439-3 (VDE 0660-600-3):2013-02 Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen Teil 3: Installationsverteiler für die Bedienung durch Laien (DBO).
[3] DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1):2012-06 (zurückgezogen) Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen Teil 1: Allgemeine Festlegungen.
[4] DIN EN IEC 61439-1 (VDE 0660-600-1):2021-10 Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen Teil 1: Allgemeine Festlegungen.
[5] DIN EN 60439-1 (VDE 0660-500):2005-01 (zurückgezogen) Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen Teil 1: Typgeprüfte und partiell typgeprüfte Kombinationen.
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