Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Energieeffizienz von Kabel- und Leitungsanlagen – Teil 4: Weitere Helfer
Bislang lasen sich Anweisungen, Normen, TAB sowie andere Bestimmungen und Anleitungen so, als stünde dort als Auswahl-Kriterium: „Wie heiß muss meine Leitung mindestens werden?“ Fortan jedoch sollte eine Leitung nicht mehr als „am besten ausgenutzt“ gelten, wenn sie ihre höchstzulässige Temperatur auch wirklich erreicht.
Durch die Erhöhung des Querschnitts lässt sich über die geringeren Verluste Energie und damit richtiges Geld sparen. Das soll nachfolgend detailliert und nachvollziehbar als Anregung für die Praxis dargelegt werden.
Aus den vorherigen Darstellungen ergab sich bereits, dass der Spannungsfall ein sehr willkommener Helfer zur Umsetzung der Energiespar-Maßnahme „Aufwertung von Leiterquerschnitten“ ist. Der Zusammenhang soll nachfolgend noch näher betrachtet werden, ebenso wie mehrere mögliche weitere „Helfer“.
Helfer 2: Der Spannungsfall
Da er bestimmte Werte nicht überschreiten darf oder sollte, muss die Leitung bei Überschreitung einer bestimmten Länge im gleichen Maß dicker ausgewählt werden wie sie länger wird. Der Spannungsfall ist (bei im Bausektor üblichen Querschnitten) nahezu rein ohmscher Natur [7], und damit steht ein Spannungsfall von z. B. 3 % – bei entsprechendem Strom – auch für einen Energieverlust von 3 %.
Wird (bei in der Industrie vorkommenden Querschnitten) dieser ohmsche Spannungsfall durch induktiv-kapazitive „Tricks“ wettgemacht (siehe dazu den Teil 3 dieser Beitragsreihe in ep 11-2016, Kapitel „Schlüsse“), so sind damit nicht etwa die Verluste weg! Sie treten lediglich nicht mehr mit ihrer Nebenwirkung „Spannungsfall“ in Erscheinung. Sowohl bei der Auslegung von Anlagen als auch in der Normung der Energie-Effizienz in Gebäuden sollte aber stets ein möglichst geringer Spannungsfall angestrebt werden.
Also: Allzu streng erscheinende Grenzwerte nicht bemängeln, sondern einfach umsetzen!
Helfer 3: Die Abschaltbedingungen
Ebenso verhält es sich mit den Abschaltbedingungen, die erfordern können, dass ein größerer Leiterquerschnitt eingesetzt werden muss, damit der Kurzschlussstrom groß genug wird, um zuverlässig eine Auslösung des Kurzschlussschutzes zu bewirken.
Also: Nicht einfach das Schutzgerät eine Stufe „schlapper“ wählen, sondern durch einen größeren Leiterquerschnitt die Leistungsfähigkeit der Anlage sicherstellen und gleichzeitig Verluste reduzieren!
Helfer 4: Die Selektivität
Ein ganz ähnlicher Helfer ist die Selektivität: Wenn zum Schutz vor Stromschlag, gegen Überlast und bei Kurzschluss ein Schutzorgan auslöst, so soll nur dieses Schutzorgan auslösen und kein vorgeordnetes, denn es soll bei einem Fehler nicht mehr „dunkel“ werden als zum Abwenden der Gefahr erforderlich ist. Als Faustregel gilt, dass sich die Bemessungs-Auslöseströme zweier hintereinander angeordneter Schutzorgane um mindestens zwei Stufen unterscheiden sollen.
Tatsächlich ist es um einiges komplizierter und damit ein Thema für sich. Es kann jedoch auch hier vorkommen, dass „nur“ deswegen eine dickere Leitung gewählt werden muss, weil das Schutzorgan aus Gründen der Selektivität eine Nummer größer gewählt werden muss.



