Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Energieeffizienz von Kabel- und Leitungsanlagen – Teil 4: Weitere Helfer
Bislang lasen sich Anweisungen, Normen, TAB sowie andere Bestimmungen und Anleitungen so, als stünde dort als Auswahl-Kriterium: „Wie heiß muss meine Leitung mindestens werden?“ Fortan jedoch sollte eine Leitung nicht mehr als „am besten ausgenutzt“ gelten, wenn sie ihre höchstzulässige Temperatur auch wirklich erreicht.
Daher wird die Leitung in den meisten Fällen dicker gewählt werden als nötig, doch ist dies mit Sicherheit kein Schaden für die Sicherheit – und für die Energie-Effizienz erst recht nicht! Schon ist man der Auslegung auf niedrigste Lebensdauerkosten (statt höchster Leitertemperatur) wieder ein kleines Stück näher gerückt.
Also: Auch übertrieben erscheinende Forderungen nach Auslegung mit Angstfaktoren nicht bemängeln, sondern einfach umsetzen!
Helfer 7: E-Mobilität und andere Dauerlasten
Noch immer findet man in Normen der Reihe VDE 0100 Aussagen wie: „Die Bedingung … stellt mitunter nicht den vollständigen Schutz der Kabel und Leitungen bei Überlast sicher, insbesondere dann nicht, wenn Überlastströme längere Zeit auftreten können, die kleiner sind als der große Prüfstrom I2 (thermischer Auslösestrom) der Überstrom-Schutzeinrichtung. Deshalb sind Stromkreise so zu gestalten, dass kleine Überlastungen von langer Dauer nicht regelmäßig auftreten können.“ [16]
Es sind Sätze wie dieser, die nun viele Installationsfachkräfte und Normer umtreiben. Bislang kam es schlichtweg nicht vor, dass eine Installationsleitung in einer Wohnung über Stunden oder gar Tage ihrer vollen Belastbarkeit ausgesetzt wird.
Hintergrund ist, dass z. B. ein Leitungsschutzschalter B 16 A frühestens bei 17,6 A auslöst, spätestens bei 23,2 A – und auch das nicht notwendigerweise früher als nach einer Stunde.
Doch was ist nun, wenn man an einem solchen Anschluss ein Elektroauto auflädt? Deswegen hat man spezielle Ladestecker entwickelt statt auf bekannte Schuko- und CEE-Steckverbindungen zurück zu greifen. Ob CEE-Stecker sich tatsächlich nicht für Dauerlast eignen, sei dahingestellt; das Problem mit den Leitungen ist damit ohnehin noch nicht gelöst.
Wie auch immer – Sätze wie oben sollten in keiner Norm stehen müssen. Abhilfe ist längst überfällig – und könnte so einfach sein. Man müsste sich in diesem Punkt nur in anderen Ländern umsehen (die ansonsten stets neidisch auf unsere hohen Standards blicken) und
- entweder mit 16 A abgesicherte Endstromkreise – auch einphasige – generell mit 2,5 mm² Leiterquerschnitt ausführen
- oder mit 1,5 mm² ausgeführte Stromkreise generell mit 13 A absichern. Gerne darf es dann zum Ausgleich einer mehr sein.
Schon wären wir einer verlustarmen Installation wieder etwas näher.
Dass der Automat B 16 A der weitaus billigste ist (Bild 12), ist ein hiergegen gern gebrachter Einwand, der sich aber durch Wiederholung nicht verbessert.
Es handelt sich einmal mehr um eine Verwechslung von Ursache und Wirkung: Eben deswegen kann der Automat B 16 A so günstig angeboten werden (Bild 13), weil er in sehr großen Stückzahlen hergestellt und verkauft wird. Technische Gründe lassen sich hierfür nicht finden.
Verschiebt sich das Schwergewicht zu einem anderen Bemessungsstrom, folgen die Preise auf den Fuß. Dabei sind die Preise eine Sache des Handels. Die Hersteller denken und agieren global, und in anderen Ländern sind andere Größen die Marktführer. Für die Hersteller gleichen sich die Stückzahlen mehr oder weniger aus.



