Energiewende: Berlin auf dem Weg zur CO2-neutralen Stadt
Auslaufmodell – Der Abschied von der Braunkohle
Das Berliner Heizkraftwerk Klingenberg versorgte rund 300.000 Haushalte mit Strom und Wärme durch Braunkohleverbrennung. Nach rund 32 Jahren ist nun Schluss. Als erste deutsche Stadt verbannt Berlin die Braunkohle aus ihrer Energieerzeugung.
Der Ausstieg aus dem „schmutzigsten und klimaschädlichsten“ Energieträger, wie ihn die Berliner Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos) bezeichnet, macht sich im Tagebau Welzow-Süd, der den Konzern bislang belieferte, kaum bemerkbar. Etwa 2,2 Prozent der Rohkohlelieferung entfielen auf die Hauptstadt. Konkrete Auswirkungen auf die Arbeitsplätze im Brandenburger Tagebau gibt es bislang nicht.
Schleichender Abschied
In der Lausitz bereitet man sich langfristig auf das Ende des Braunkohleabbaus vor. Bereits beim Verkauf der Vattenfall-Tagebaue und -Kraftwerke an EPH/Leag war die Skepsis groß, ob sich das Geschäftsmodell Braunkohle für den Käufer rechnen würde.
Inzwischen sind die Pläne der Investoren deutlich abgespeckter. Die noch von Vattenfall vorangetriebenen Erweiterungen einzelner Tagebaue wurde zurückgefahren. Für die Bewohner der Region rund um die Abbaugebiete bedeutet dies eine Erleichterung. Drei Dörfer müssen nicht wie ursprünglich geplant umgesiedelt werden.
Im März 2017 stellte die Leag den Beschäftigten ihr Konzept vor. Die rund 8.000 Arbeitsplätze im Revier bleiben vorerst erhalten. Das Unternehmen verspricht Planungssicherheit für die kommenden 30 Jahre – und macht die Bundesregierung für den Erhalt der Jobs verantwortlich. Sollte der Anteil von Braunkohlestrom am Energiemix weiter sinken, müsse man die Situation neu überdenken.
Der Belegschaft ist jedoch klar, dass der Abbau von Braunkohle endlich ist. Nicht zuletzt die Vorgaben von Europäischer Union und Bundesregierung zur Energiewende verlangen einen Strukturwandel.
Chancen für die Lausitz
Eine Studie des Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung (Berlin) zeigt, wohin sich die Region mit dem Ende des Braunkohleabbaus entwickeln könnte. Es geht vor allem um den Erhalt der Arbeitsplätze. Das Institut hat errechnet, dass trotz altersbedingtem Ausscheidens aus dem Arbeitsmarkt und anhaltender Abwanderung langfristig etwa 3.900 Arbeitsplätze in der Region verbleiben müssen.
Jahrzehntelang hat man auf einen Industriezweig gesetzt. Großbetriebe bestimmten das Geschehen. Professor Bernd Hischl vom Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung empfiehlt deshalb einen ökonomischen Aufbruch der bisherigen Struktur in viele kleine Unternehmen der Energiegewinnung und -verteilung.
In Photovoltaikanlagen und Windkrafträdern sieht er die Zukunft. Die Investition in die Erforschung von Speichertechnologie wäre eine weitere Chance, den Menschen in der Region eine berufliche Perspektive zu bieten.
Brandenburg setzt auf Chemie
So bleibt die Lausitz auch in Zukunft Energieproduzent, passt sich jedoch den Anforderungen der Energiewende an. Die Stromnetze in den neuen Bundesländern werden bereits für alternative Energiegewinnung und deren Einspeisung ins System ausgebaut. Bestehende Netze können schon jetzt zur Energieverteilung aus Sonne und Wind genutzt werden.

