Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Witterungsabhängigkeit der Stromversorgung und Folgen: Tarifstruktur, EEG-Umlage, Netzentgelte und Perspektiven (4)
Im ep-Dossier „Technik der Energiewende“ [1] wurde anhand aktueller Zahlen dargelegt, was es damit auf sich hat, wie die Aussichten sind, wo die Hoffnungen und Grenzen liegen und wie weit die „Wende“ bereits vollzogen ist.
Nun bleiben aber aktuelle Zahlen niemals dauerhaft aktuell. Nachfolgend wird daher die Entwicklung fortgeschrieben. Bei dieser Gelegenheit werden noch einige Zusammenhänge genauer erläutert, die zu betrachten sind, wenn die Stromerzeugung von Klima und Wetter abhängig wird. Damit endet die Beitragsreihe.
Idealerweise müsste sich die Energiewende durch den Verkauf des Stroms finanzieren. Tatsächlich werden die zusätzlichen Kosten durch die EEG-Umlage gedeckt. Wie das Wort „Umlage“ schon sagt, finanziert sich diese wiederum durch eine Abgabe auf den konventionell erzeugten Strom.
Diese Umlage, die uns bis 32 % Anteil regenerativer Energien voran gebracht hat, kehrt ziemlich genau von diesem Punkt an ihre Wirkung in die einer Bremse oder Drossel um. Rechnete man den Wert des „überschüssigen“ Stroms gleich null (und noch nicht einmal negativ, wie er an der Börse eigentlich gehandelt wird), so würde er zu Zeiten, wenn er nicht überschüssig ist, sondern (direkt) genutzt werden kann, ohne Umlage noch teurer als er jetzt schon ist.
Die Tarifstruktur passt nach wie vor nicht
Wenn Prof. Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, in einem Gespräch äußert [40], Strom werde bald fast nichts mehr kosten, sobald die Energiewende erst einmal vollzogen sei, dann ist das so, wie sie es meint, barer Unsinn. Wörtlich genommen ist es aber fast noch untertrieben:
Die elektrische Energie kostet auch heute schon fast nichts (gerade mal 1/7 dessen, was ein Haushaltskunde dafür bezahlt, und 6/7 sind für die Leistung; siehe nachfolgendes Beispiel zum Haushaltskunden). „Nur“ die Anlagen sowohl zu ihrer Erzeugung als auch zu ihrer Übertragung und Verteilung kosten ein Vermögen. Mit regenerativer Erzeugung verursachen alle drei Bereiche noch deutlich höhere Kosten als zuvor. Bislang müssen noch die regenerativen Einspeisungen in das bestehende Netz integriert werden. 32 % haben wir schon; bis 40 % sieht die ETG kein unlösbares Problem – erhöhten Aufwand zwar, und der kostet Geld, aber es ist machbar.
Unabhängig macht uns die Wende auch nicht
Diese Zahl ist zwar auch wieder mit Vorsicht zu genießen, denn von den 32 % in Deutschland erzeugter regenerativer Energie ist ein Teil ins Ausland gegangen und – zu anderen Zeiten – wieder importiert worden (siehe die Stromhandelsbilanzen in Bild).
Dabei muss davon ausgegangen werden, dass der „Re-Import“ aus konventioneller Erzeugung einschließlich Kernkraft stammte, denn der Export ins Ausland funktioniert überhaupt nur, wenn es dort kein dem deutschen ähnliches EEG und keine entsprechend hohe installierte Solar- und Windkraftleistung gibt.
Gibt es diese dort in ähnlichem Umfang wie im Inland, so ist zu berücksichtigen, dass in diesem Nachbarland das Wetter ähnlich ist wie bei uns. Überflüsse und Mangelsituationen werden also nahezu zeitgleich und in ähnlichem Ausmaß, allemal aber mit dem gleichen Vorzeichen, entstehen. Mit diesem Land wird kaum ein Austausch funktionieren. Nur mit Ländern mit im Wesentlichen konventioneller Erzeugung kann ein nennenswerter Leistungsausgleich erfolgen.
Somit ist das häufig vorgebrachte Argument, die vermeintlich rein dezentrale, regionale regenerative Stromerzeugung im Inland mache uns weniger abhängig vom Ausland, ebenfalls nicht richtig, sondern vielmehr werden die Übertragungsnetze – wie die Verteilnetze – nun doppelt statt einfach benutzt:
Erstere sind das eine Mal bei „Dunkelflaute“ als Notversorgung und das andere Mal zum Export der Überschüsse gefordert und erforderlich.

