Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Witterungsabhängigkeit der Stromversorgung und Folgen: Tarifstruktur, EEG-Umlage, Netzentgelte und Perspektiven (4)
Im ep-Dossier „Technik der Energiewende“ [1] wurde anhand aktueller Zahlen dargelegt, was es damit auf sich hat, wie die Aussichten sind, wo die Hoffnungen und Grenzen liegen und wie weit die „Wende“ bereits vollzogen ist.
Einst förderlich, jetzt hinderlich: EEG-Umlage
Die zurzeit bestehende Tarifstruktur gibt also nicht die wirklichen Verhältnisse wieder. Die zu zahlenden Preise sehen in Deutschland für einen Haushaltskunden (mit einem langjährig gemittelten Verbrauch von 2 911 kWh/a) ungefähr so aus:
- 3 ct/kWh Netznutzungsgebühr/Bereitstellungspreis (Grundpreis/Leistungspreis, wenn man diesen auf die abgenommene Energie umlegt),
- 21 ct/kWh Arbeitspreis (Energie) nach Tarif ohne Mehrwertsteuer.
Wenn der Betreiber eines Großkraftwerks seinen Strom für etwa 3 ct/kWh in das Netz einspeist [41], sehen dessen Kosten zur Versorgung eines Haushaltskunden (mit einem Verbrauch von etwa 2 911 kWh/a) – bzw. einer Million davon – etwa so aus:
- 21 ct/kWh Netzkosten/Bereitstellungskosten,
- 3 ct/kWh Energiekosten („Grenzkosten“, denn der Erlös aus dem Verkauf liegt nicht höher).
Dazu kommt nunmehr, dass mittlerweile schon 1/3 der elektrischen Energie aus erneuerbaren Quellen stammt und somit hierfür kein kostenpflichtiger Stoff verbraucht wird. Nur zu 2/3 wird noch Kohle, Öl oder Gas verbraucht. Damit sieht die Kostenrechnung insgesamt eher so aus:
- 22 ct/kWh Netznutzung/Bereitstellungskosten,
- 2 ct/kWh Energiekosten.
Denkbare Alternativen? Essig!
Gebraucht würde ein völlig anderes Tarifsystem, dem Umstand Rechnung tragend, dass die erneuerbaren Quellen „eigentlich“ nichts kosten; es sind „nur“ die Anlagen zur Erzeugung und Verteilung der Energie zu finanzieren. Logische Folge wäre das, was sich im Mobilfunk „Flatrate“, in älteren Branchen nach wie vor „Pauschaltarif“ nennt.
Konventionelle Energie kostet, wie ausgeführt, etwa 3 ct/kWh; regenerative kostet im Prinzip nichts. Zu einem Drittel ist die „kostenlose“ regenerative Energie mittlerweile an der Erzeugung beteiligt; damit müsste der Arbeitspreis auf durchschnittlich 2 ct/kWh fallen. Stattdessen steigt er weiter und weiter, weil die Netzkosten, die Windräder und die Solaranlagen darin untergebracht wurden. Das ist im Prinzip falsch; diese müssten dem Leistungspreis zugeschlagen werden.
Dies jedoch würde jegliche Motivation für den sparsamen Umgang mit Energie zerstören, während Sparsamkeit und rationeller Einsatz trotz dieser Umstände eine wichtige Stütze der Energiewende bleiben.

