
Elektromobilität: Dienstwagen in Nordrhein-Westfalen [Update]
Umweltministerin in NRW sortiert Tesla aus – sie fährt Mercedes-Benz
Der frühere Umweltminister von NRW, Johannes Remmel (B90/Grüne), fuhr dienstlich einen Tesla. Nach der Landtagswahl im Mai 2017 übergab er sein Ministerium an Christina Schulze Föcking (CDU). Sie fährt lieber einen Benz. Der Tesla muss trotzdem abbezahlt werden.
Johannes Remmel wollte Vorbild sein in puncto Klimaschutz und umweltbewusstem Handeln. Der frühere Umweltminister von Nordrhein-Westfalen wechselte beim Dienstwagen vom Verbrennungsmotor zum E-Auto (ep berichtete). Weil es bei der Reichweite von Elektroautos keine deutsche Alternative gab, entschied er sich für einen Tesla S 90D – Listenpreis ca. 114.000 Euro.
Ein halbes Jahr später wählten die Bürger in NRW einen neuen Landtag. Die rot-grüne Landesregierung wurde durch eine CDU/FDP-Koalition ersetzt. Johannes Remmel musste sein Büro räumen.
300 Kilometer elektrisch sind nicht genug
An seiner Stelle übernahm Christina Schulze Föcking das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz. Die CDU-Frau sortierte den wenige Monate alten Tesla S 90D aus.
Nachdem ihre Behörde Testfahrten mit dem E-Auto absolviert hatte, entschied sich die Ministerin, den Tesla nicht als Dienstwagen zu übernehmen. Der Leasing-Vertrag läuft trotzdem weiter – insgesamt 60 Monate.
Als Grund erklärte ein Sprecher, dass sich die Batterieleistung „für Fahrten über mehrere hundert Kilometer als noch nicht ausreichend herausgestellt“ hat. Der Tesla Model S sei daher „als Dienstlimousine nicht ausreichend geeignet“. Er habe die Fahrtenplanung „maßgeblich erschwert“, hieß es weiter.
„Die maximale Reichweite lag in den Langstreckentests, je nach Fahrweise und Streckenprofil, bei unter 300 Kilometern. Diese Reichweite konnte nur ausgeschöpft werden, wenn im Anschluss sichergestellt war, dass die Batterien geladen werden können“, so der Sprecher von Schulze Föcking. Es sei bei Fahrten über Land besonders schwierig, eine Ladestation ausfindig zu machen.
Laut Hersteller verfügt der Tesla S 90D über eine Reichweite von 550 Kilometern. Der Energieverbrauch liegt bei 189 Wh/km. Damit kam Johannes Remmel offenbar zurecht – im Gegensatz zu seiner Nachfolgerin. Sie bevorzugt ein Auto von Mercedes-Benz – Listenpreis ca. 120.000 Euro.
Der von ihr bestellte Mercedes-Benz S 500 e ist ein Plug-in Hybrid (PHEV). Das Fahrzeug besitzt sowohl einen elektrischen Antrieb als auch einen Benzinmotor. Während der Fahrt wird der Akku per Generator aufgeladen. Das kann durch den Benzinmotor oder durch Bremsrückgewinnung geschehen. Zusätzlich kann der Akku an der Steckdose vorgeladen werden.
12 Kilometer elektrisch tun‘s auch
Ein PHEV, der für den Akku in der Regel die Lithium-Ionen-Technik nutzt, soll dem Hybridantrieb (HEV), der keinen Stecker an Bord hat, in Bezug auf die Reichweite im Vorteil sein. Der Tesla S 90D hingegen ist ein reines Elektroauto (BEV). Er verfügt nur über eine Batterie als Energiequelle.
Der teilelektrische Plug-in-Hybrid-Antrieb des Benz kombiniert Verbrennungsmotor, E-Maschine und extern aufladbare Batterie. Damit kann sich Ministerin Schulze Föcking rein elektrisch chauffieren lassen – nach Angaben des Herstellers bis zu 33 Kilometer.
Der Sechszylinder der Umweltministerin leistet 333 PS, sein Elektromotor 116 PS. Laut Praxistest von focus.de bewältigte der Mercedes-Benz S 500 e nach einer Stunde Ladezeit eine Strecke von exakt zwölf Kilometern rein elektrisch. Danach sprang der Benziner an. Verbrauch: ca. 8 bis 15 Liter, je nach Fahrweise und Testinstitut.
