
Energieeffizienzkampagne
Teure bunte Bilder
Sigmar Gabriel wollte die Deutschen für mehr Energieeffizienz begeistern. Er startete eine Großkampagne – und scheiterte kläglich.
"Machen Sie Ihr Zuhause energieeffizient und dämmen Sie Ihre Wände: Wir fördern das!"

Zum Vergrößern hier klicken (Bild: BMWi)
Zentrale Aussage: Eine nette Dame, die offenbar nicht von Hartz IV lebt, sitzt im Sessel vor ihrer Gemäldesammlung und blickt skeptisch zum Besucher. Bezug zur Energieeffizienz: Null.
Wärmedämmung, Teil 2: Wie mit Motiv 6 möchte die Kampagne auch hier den Betrachter ermutigen, seine Außenwände zu dämmen: "Effizient ist, hinter den Wänden zu sparen. Nicht davor."
Hinter der Gemäldewand bedeutet außen. Das wird durch die Wortwahl "Nicht davor" besonders betont. Damit schließt der Wirtschaftsminister die Innendämmung aus. Denn die gibt es auch. Warum er die Innendämmung nicht in seine Kampagne aufnimmt, weiß nur er allein.
Einen Zusammenhang zwischen Wärmedämmung und Energieeffizienz stellt dieses Bild nicht dar. Auch deshalb, weil man sich hier die Dämmung denken muss. Zu sehen sind nur eine Wand und viele Gemälde – von Dämmung keine Spur.
Das Foto ist ein Allerweltsmotiv, das in jeder Gemäldegalerie aufgenommen sein könnte. Der Zustand der Wand hinter der Tapete spielt keine Rolle. Und die Suggestion, dass die Wärmedämmung zu einer gewaltigen Energieeinsparung führt, die den goldgerahmtem Luxus erst ermöglicht, funktioniert nicht mal als übliche Zuspitzung in der Werbung.
Anzeige verpufft.
Werbung zwischen Nepp und Trash
Die Anzeigenmotive werden auch im Internet gestreut. Gabriels Ministerium beauftragte den Online-Werbevermarkter Ligatus. Die Tochtergesellschaft von Gruner + Jahr ist dafür bekannt, das Netz mit Billigwerbung zu fluten – Anzeigen, die arglosen Menschen den allergrößte Nepp schmackhaft machen sollen. Digitale Kaffeefahrten, auf denen der Striezi keine Heizdecken mehr verkauft, sondern todsichere Tipps zum reich, schlank und schön werden.
Dieses Umfeld fand das Bundeswirtschaftsministerium so seriös, dass man sich entschloss, genau hier für mehr Energieeffizienz zu werben:
