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Energietechnik: Messfehler bei Smart Metern
Falscher Messwert – genau nach Vorschrift

Smart Meter produzieren teilweise enorme Messfehler. Das ergab eine Untersuchung niederländischer Forscher. Obwohl die Messfehler mehr als 500 Prozent betragen können, muss kein Hersteller handeln – die Geräte entsprechen den Vorschriften.

Smart Meter (Symbolbild)

586 Prozent mehr auf der Rechnung

Forscher der Universität Twente und der Amsterdam University of Applied Sciences untersuchten in einer Studie neun Smart Meter. Die Stromzähler wurden zwischen 2004 und 2014 produziert.

Alle getesten Smart Meter hielten die gesetzlichen Vorschriften ein. Dennoch stellten die Forscher erhebliche Fehler bei den Messergebnissen fest:

"Deviations of +475%, +566%, +569%, +581%, +582% and -31% and -32% were registered, with again the positive deviation for Rogowski coil current sensors and negative deviations for the Hall sensors."

Den Testergebnissen zufolge wurden die höchsten Abweichungen bei Smart Metern mit Rogowski-Spulen festgestellt. Hier lagen die Messwerte zwischen 475 und 586 Prozent über dem tatsächlich verbrauchten Strom.

Smart Meter mit Hall-Sensoren tendierten dagegen zur Unterschreitung der realen Verbrauchswerte. Sie zeigten bis zu 32 Prozent weniger Strom an, als verbraucht wurde.

Ferraris-Zähler zur Kontrolle?

Die falschen Messwerte resultieren u. a. aus stark nichtlinearen Lasten wie dimmbaren LED- und Energiesparlampen. Auf die Netzeinflüsse durch elektronische Vorschaltgeräte und Schaltnetzteile sind die getesteten Smart Meter offenbar nicht vorbereitet.

Obwohl die Messfehler durch die Forscher dokumentiert wurden, stehen die Hersteller der Smart Meter nicht in der Pflicht zur Nachbesserung. Alle Geräte entsprechen den Vorschriften.

Das Risiko der überhöhten Stromkosten trägt der Endverbraucher. Nach dem Einbau des Smart Meters muss er die Messfehler hinnehmen, solange der Hersteller die Regelkonformität seines Produkts nachweisen kann.

Ein nachgeschalteter Ferraris-Zähler zur Kontrolle des Smart Meters wird kaum möglich sein – Ziel der Bundesregierung ist die Abschaffung der Ferraris-Zähler, nicht der Aufbau einer Parallelstruktur zweier Messtechnologien zur Verbrauchserfassung.

Problem seit Jahren bekannt

Schon im Jahr 2010 wies Fachautor Jörg Kirchhof im ep-Sonderheft Photovoltaik auf diese Problematik hin ("Beeinflussung von elektronischen Haushaltszählern (EHZ) durch Wechselrichter").

Ähnlich wie Smart Meter erfüllen Photovoltaik-Wechselrichter und elektronische Elektrizitätszähler die für das jeweilige Gerät gültigen EMV-Normen.

Dennoch wurde auch hier beobachtet, dass bei gemeinsamem Betrieb bestimmter PV-Wechselrichter in Verbindung mit einigen elektronischen Elektrizitätszählern teilweise beträchtliche Diskrepanzen zwischen dem Zählerergebnis und den Messwerten des PV-Anlagen-Monitorings auftreten.


Der Fachartikel "Beeinflussung von elektronischen Haushaltszählern (EHZ) durch Wechselrichter" ist für epPlus-Abonnenten frei lesbar (hier klicken).

Für Nichtabonnenten steht ein kostenfreies epPlus-Probeabo zur Verfügung: Hier klicken, Option "mit epPlus-Gastzugang" wählen und vier Wochen lang epPlus testen – mit Zugang zu allen Fachartikeln im ep-Online-Archiv.

Unsere Schwesterzeitschrift IVV hat zum Thema ebenfalls einen Fachartikel veröffentlicht: Niederländische Haushalte sind alarmiert: Smart Meter doch nicht so schlau?

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