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Leseranfrage
Ader-Kennzeichnung in Schaltschränken

Einige Elektrofachkräfte kennen das Problem: Welche Ader ist mit welcher Farbe im Schaltschrank gekennzeichnet? Gibt es normative Vorgaben?

(Foto: Cachaca/stock.adobe.com)

Frage: Bezüglich der Kennzeichnung von Adern für die Verdrahtung in Schaltschränken gibt es in unserem Unternehmen unterschiedliche Auffassungen. Bei internationalen Projekten war uns die Kennzeichnung bisher immer vorgeschrieben. Gerade bei größeren Projekten ist der Aufwand erheblich, jeder Ader eine Zielbezeichnung zu geben. Welche normativen Festlegungen gibt es für das Inland?

Antwort: Vorweg. Eine Festlegung, bezüglich einer speziellen Kennzeichnung der Leiter (außer der Kennzeichnung für Schutzleiter und ggf. Neutralleiter) für die interne Verdrahtung in Schaltschränken gibt es nur in DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) [1].

Im Abschnitt 13.2 gibt es hierzu folgende Festlegungen: „Jeder Leiter muss an jedem Anschluss in Übereinstimmung mit der Technischen Dokumentation (siehe Abschnitt 17) identifizierbar sein. Es wird empfohlen (z. B. um die Wartung zu erleichtern), dass Leiter durch Ziffern, Alphanumerik, Farbe (entweder durchgängig oder mit einem oder mehreren Streifen) oder einer Kombination von Farbe und Ziffern oder Alphanumerik identifizierbar sind. Wenn Ziffern benutzt werden, müssen diese arabisch, Buchstaben lateinisch sein (entweder Groß- oder Kleinbuchstaben).“

Eine Forderung, die so allgemein ist, dass man häufig den dahinter verborgenen Aufwand übersieht, insbesondere, da über Art und Umfang der Identifizierung eine Festlegung in der Norm nicht enthalten ist. Aus diesem Grunde kommt es daher diesbezüglich immer wieder zu Diskussionen.

Art und Umfang der Identifizierung (siehe hierzu die weiter unten angeführten Varianten) sollten daher zwischen Hersteller und Betreiber gemeinsam mit Hilfe der Frage 10 („Muss eine bestimmte Methode für die Leiteridentifizierung angewendet werden [...]“) des Fragebogens im Anhang B von DIN EN 60204-1 (VDE 0113 Teil 1) [1] vereinbart werden.

Ohne eine solche Vereinbarung kann der Betreiber (ggf. im Nachhinein), sofern der Hersteller, ohne Rücksprache beim Betreiber, auf jegliche Identifizierung verzichtet hat, die „aufwendigste“ Möglichkeit, z. B. die Methode 2), siehe unten, fordern.

Auf der anderen Seite ist es nicht immer möglich, eine solche Vereinbarung zwischen Hersteller und Betreiber festzulegen. Hier wäre es sinnvoll, bereits im Angebotsstadium z. B. wie folgt darauf hinzuweisen: „Im Angebot ist eine Identifizierung nach Abschnitt 13.2.1 nicht enthalten. Falls jedoch eine bestimmte Methode der Identifizierung gewünscht wird, ergibt sich hieraus ein Mehrpreis.“

Methoden. Folgende praxisnahe Methoden der Leiteridentifizierung – abgeleitet aus den Anforderungen in der Norm – stehen aus meiner Sicht zur Verfügung:


1. Eine Methode ist die Identifizierung durch farbige Leiter oder durch Leiter mit Farbkombinationen aus zwei oder mehr Farben. Das heißt, es muss für jeden Leiter eine andere Farbe bzw. Farbkombination verwendet werden. Wegen der geringen Anzahl möglicher Farben, wird sich in der Praxis immer eine Zwei- oder Mehrfarbkombination ergeben. Bei dieser Variante ist auch in den Schaltungsunterlagen eine entsprechende Angabe erforderlich, siehe Bild 1 (rechts) und Bild 2 (links).

 

 

2. Die Identifizierung durch nummerierte Adern ist eine relativ unkomplizierte Methode, bei der aber auch in den Schaltungsunterlagen zusätzliche Angaben notwendig sind, siehe Bild 3.

 

 

 

3. Identifizierung durch Aufbringen der Anschlussbezeichnung der betreffenden Betriebsmittelanschlüsse (die am Betriebsmittel aufgebracht sind) auf den Leitern, siehe Bild 4.

 

 

 

4. Identifizierung durch Aufbringen der Anschlussbezeichnung der betreffenden

Betriebsmittelabschlüsse, zusätzlich durch Hinzufügen des jeweiligen notwendigen

Referenzkennzeichens für die Betriebsmittel, siehe Bild 5.

 

 

5. Identifizieren durch übersichtliche Anordnung/Verdrahtung der Leiter, sodass

eine „Verfolgung“ der einzelnen Leiter möglich ist. Dies setzt auch einen „verdrahtungsgerechten“ Stromlaufplan voraus, siehe Bild 6. Diese Variante dürfte nur bei sehr einfachen Steuerungen anwendbar sein.

Die Methoden 1 und 2 dürften die aufwendigsten und damit die teuersten sein. Die Methode nach Bild 4 dürfte in der Praxis die gebräuchlichste sein.

Die im Bild 1 gezeigten Farben Grün und Gelb und die Zweifarbenkombinationen Rot-Gelb und Rot-Grün könnten zu Verwechslungen mit der Zweifarbenkombination Grün-Gelb führen. Andere Farbkombinationen oder die Markierung durch farbige Ringe schließen eine Verwechslung aus, siehe Bild 2.

Aus den Bildern 1 und 2 ist zu erkennen, dass eine Identifizierung durch Farben eine sehr aufwendige Methode darstellt. Insbesondere bei sehr umfangreichen Steuerungen wird es schwerfallen, geeignete Farben/Farbkombinationen zu realisieren.

Die beschriebene Leiteridentifizierung ist nicht nur innerhalb von Schaltschränken gefordert, sondern muss auch an den „Vor-Ort“ angeordneten Betriebsmitteln/Zwischenklemmenkästen berücksichtigt werden, was aber durch das Verwenden entsprechender Kabel/Leitungen und entsprechender Dokumentation in den Schaltungsunterlagen erfüllbar ist.

Zusätzlich zu dieser Leiteridentifizierung kann auch noch eine farbliche Unterscheidung bei den Steuerstromkreisen notwendig werden. Im Abschnitt 13.2.4 ist folgendes festgelegt: „Wo für die Identifizierung von Leitern eine Farbcodierung benutzt wird, wird empfohlen, dass sie farblich wie folgt codiert sind:

  • Schwarz: Hauptstromkreise für Wechsel- und Gleichstrom;
  • Rot: Steuerstromkreise für Wechselstrom;
  • Blau: Steuerstromkreise für Gleichstrom;
  • Orange: Ausgenommene Stromkreise nach 5.3.5.“

Hierbei handelt es sich um eine Empfehlung, sodass auch andere Farben vereinbart werden können.

Fazit. Immer möglichst klare Vereinbarungen treffen, um Mehrkosten zu vermeiden.

Autor: W. Hörmann

Literatur:
[1] DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):2007-06 Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstung von Maschinen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen.

Dieser Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

Bild 1-6: W. Hörmann/ep

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