Zum Hauptinhalt springen 
Betriebsführung | Betriebsorganisation

„Eu sou electricista!“

Wie geht man mit ausländischen Qualifikationsnachweisen um?
ep6/2020, 3 Seiten

Endlich liegt wieder eine Bewerbung auf dem Tisch. Der Fachkräftemangel ist längst auch im Elektrohandwerk angekommen und so muss jeder Kandidat wirklich durchleuchtet werden, ob er nicht doch interessant wäre. Doch der Lebenslauf ist umfangreich, es sind viele kopierte Dokumente beigelegt, alles aus dem Ausland: portugiesischer Staatsbürger, brasilianische Zeugnisse, Diplom aus Argentinien, Übersetzungen, Gleichwertigkeitsnachweise … Und im Bewerbungsgespräch sagt der Kandidat: „Ich bin Elektriker!“ Stimmt das auch wirklich?


Seiten

Die Globalisierung des Arbeitsmarktes ist in vollem Gang, auch im Handwerk. Doch es bleibt ein riesengroßes Problem: die Arbeitnehmer können zwar freizügig in Europa arbeiten, aber eine einheitliche Bewertung der Qualifizierung und der Berufsabschlüsse gibt es noch nicht. Hinzu kommt auch die Sprachbarriere: auch wenn ein Online-Übersetzer das portugiesische „Diploma em engenharia elétrica“ richtig übersetzt – was bedeutet so ein Diplom, was ist es wert?

Qualifikationsbausteine

Mitarbeiter im Berufsfeld der Elektrotechnik tragen eine hohe Verantwortung. Andere Menschen ohne elektrotechnisches Fachwissen müssen auf die Aussagen vom Elektriker vertrauen können. Vom Arbeitgeber des Mitarbeiters wird erwartet, dass er die Delegation von Pflichten sorgfältig durchführt – der Mitarbeiter soll die ihm übertragenen Aufgaben auch fachkundig erfüllen können. Ist die Auswahl des Mitarbeiters mangelhaft, kann man dem Arbeitgeber ein Auswahlverschulden vorwerfen und ihn haftbar machen. Nicht ohne Grund ist das Elektrohandwerk auch ein Gefahrenhandwerk – man muss sehr genau hinsehen, wer darin tätig sein darf.

Der Gesetzgeber hat Mindestanforderungen formuliert, die elektrotechnisch tätige Personen erfüllen müssen – vor allem, wenn es um den Nachweis der elektrischen Sicherheit geht, also das Prüfen. Wichtigster Baustein ist die TRBS 12031 „Zur Prüfung befähigte Personen“, die Anforderungen an Personen festlegt, die den Nachweis der elektrischen Sicherheit bei Geräten, Anlagen und Maschinen nach BetrSichV2 § 2(6) erbringen können. Die Berufsausbildung ist dabei einer von drei Bausteinen: Neben der Berufsausbildung müssen auch Berufserfahrung und eine zeitnahe berufliche Tätigkeit nachgewiesen werden. Die Bewertung der Bausteine Berufserfahrung und der zeitnahen beruflichen Tätigkeit kann nicht mit standardisierten Dokumenten belegt werden – dass muss jede/r Vorgesetze selbst erkennen. Somit wird deutlich, dass die Dokumente eines Bewerbers im Grunde nur 1/3 seiner Eignung abbilden können – nicht mehr!

„Der Elektriker“

Es gibt nicht „den“ Elektriker. Es gibt selbst in Deutschland keine „White List“ von Berufen, die pauschal als Elektrofachkräfte gelten – diese Einordnung muss immer der Unternehmer vornehmen. Anders kann es auch nicht gehen, denn die Stellenprofile sind zu unterschiedlich. Die nachgewiesene Berufsausbildung kann also immer nur der Basis-Baustein sein, um darauf eine weitergehende Qualifizierung und Spezialisierung aufzusetzen. Der Unternehmer muss also bewerten wie gut der Bewerber zum Stellenprofil passt und ob er die Definition der VDE 1000-103 für Elektrofachkräfte ausreichend erfüllt:

Abschnitt 3.2


Seiten

Bilder


Tabelle 1 NVQ-Level-System (Quelle: HUSS-MEDIEN GmbH)


Ausz

Autoren
  • M. Lochthofen
  • H. Hardt
Downloads
Sie haben eine Fachfrage?