Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Zu Power-Splitter für Herdanschluss
Kann für einen Herdanschluss ein Power-Splitter verwendet werden?
Frage:
Laut Leseranfrage „Stecksystem für den Anschluss mehrerer Küchen-Betriebsmittel“ in ep 04/15 [1], auf Seite 283/284, könne der Power-Splitter nicht eingesetzt werden, da nach DIN 18015-1 ein Stromkreis für ein Herd mindestens für 20 A ausgelegt sein müsse und die Schuko-Kupplung nur für 16 A geeignet sei. Es heißt doch in der DIN 18015-1, dass die maximale Strombelastbarkeit der Herdzuleitung (also die vom Verteiler zur Herdanschlussdose) 20 A betragen muss, sodass man nach meiner Auffassung doch guten Gewissens eine 16-A-Absicherung dieser Zuleitung einsetzen kann und somit auch die Schuko-Kupplung mit im Schutzkonzept hat, oder sehe ich das falsch?
Antwort:
Vorweg. In der damaligen Antwort [1] habe ich mich darauf bezogen, dass so etwas nicht normgerecht ist, da es in den Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100) hierzu keine Aussagen gibt. Die Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100) enthalten fast ausschließlich Festlegungen für die fest errichtete elektrische Anlage. Somit müssen auch Steckdosen fest errichtet sein. Flexible Leitungsenden mit Kupplungen gehören demnach nicht zum Anwendungsbereich.
Zur konkreten Frage. Grundsätzlich gilt, dass die Schutzeinrichtung für einen Stromkreis nach dem „schwächsten“ Glied in der Kette bemessen werden muss. Das schwächste Glied in der Power-Spliter-Konfiguration dürfte die Schutzkontakt-Kupplung sein. Somit darf der Nennstrom der Schutzeinrichtung maximal 16 A betragen, so wie von den meisten Herstellern angegeben.
In der damaligen Antwort hatte ich, mit Verweis auf eine mögliche Vereinbarung der DIN 18015-1 [2], darauf hingewiesen, dass für einen Herd ein Stromkreis von 20 A gefordert wird. Wenn also die DIN vereinbart wurde oder wird, ist es nicht möglich, einfach diesen Stromkreis mit 16 A zu schützen. Eine Absicherung wie vom Anfragenden vorgeschlagen, würde einen Verstoß gegen die eventuell vereinbarte DIN 18015-1 [2] bedeuten. Daher meine negative Aussage.
Hinweis. Manche Hersteller werben unsachlich mit der DIN 18015, da mit einem Splitter, die geforderte Versorgung mit 20 A, nicht erreicht werden kann.
Sofern die DIN 18015 nicht vereinbart ist, darf ein Stromkreis für einen Herdanschluss über einen solchen Splitter mit 16 A geschützt werden. Der Kunde muss sich dann aber bewusst sein, dass er in Summe nur Geräte mit maximal 11 kW anschließen kann.
Aus meiner Sicht sehe ich auch immer noch das Problem der fehlenden Produktnorm. Die von einem Hersteller vorgegeben DIN EN IEC 61535 (VDE 0606-200) [3] befasst sich zwar mit solchen Einrichtungen, jedoch gibt es nach dieser Norm keinen flexiblen Abgang mit einer „losen“ Kupplung, siehe hierzu auch das Bild D.1 aus der DIN EN IEC 61535 (VDE 0606-200) [3], sondern nur fest errichtete Steckdosen, die über einen sogenannten „Verteilerblock“ versorgt werden.
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass bei einer Neuinstallation eine verantwortungsbewusste Elektrofachkraft auf solche Einrichtungen verzichten wird. Für vorhandene elektrische Anlagen, bei denen die Küche erneuert wird, kann diese Einrichtung hilfreich sein, aber nur dann, wenn statt der Kupplungen fest errichtete Steckdosen vorgesehen werden. Es muss aber auf alle Fälle auch der Spannungsfall, aufgrund der größeren Leitungslängen (zusätzlich bis zu 5 m) berücksichtigt werden.
Autor: W. Hörmann
Literatur
[1] Hörmann, W.: Leseranfragen Stecksystem für den Anschluss mehrerer Küchen-Betriebsmittel; Elektropraktiker, Berlin 69 (2015) 4, S. 283284.
[2] DIN 18015-1:2020-05 Elektrische Anlagen in Wohngebäuden Teil 1: Planungsgrundlagen.
[3] DIN EN IEC 61535 (VDE 0606-200):2020-08 Installationssteckverbinder für dauernde Verbindung in festen Installationen.
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