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Elektrotechnik | Elektrosicherheit | Schutzmaßnahmen | Messen und Prüfen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage

Unterschiedliche Auslösezeiten bei RCDs

09.06.2026

Wie sind die Normen, Vorgaben und Toleranzen der Auslösezeit von RCDs geregelt?

Frage:
Ich habe bei 2-poligen RCDs (30 mA) unterschiedlicher Hersteller unterschiedliche Auslösezeiten gemessen. Wie kann das sein?

Antwort:
Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) sind elektromechanische Bauteile. Jeder Hersteller hat eine etwas andere Konstruktion, die dann zu etwas anderen Auslösezeiten führt – viel mehr kann man kaum dazu sagen, ohne in die Funktionsweise von RCDs ganz genau einzusteigen.

Doch die gemessenen Zeiten sind keineswegs ein Qualitätsmerkmal: Die Produktnorm für Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen DIN EN 61008-1 (VDE 0664-10) [1] lässt bei 1 × Bemessungsdifferenzstrom sogar bis zu 300 ms in der Auslösezeit zu.

Bei vielen Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen ist es sogar gewollt, dass sie nicht ganz so schnell auslösen: diese nennen sich dann „kurzzeitverzögert“ und neigen nicht zu Fehlauslösungen bei stark induktiven oder stark kapazitiven Lasten. Bei unverzögerten und sehr schnellen RCDs kann sonst das Einschalten einer Deckenflächenheizung mit mehreren Elementen schnell zum ungewollten Ansprechen des RCDs führen.

Einen guten Überblick über die Grundlagen zu den verschiedenen RCD-Typen und Auslösezeiten gibt der Teil 3 und 4 der Serie „Fehlerstromschutzschalter“ [2], [3].

Messung und Vergleich der Auslösezeit. Auch mit verschiedenen Prüfgeräten lassen sich stark abweichende Auslösezeiten erzeugen. So kann die Kombination von Eaton RCD und Fluke Prüfgerät gerne mal zu angezeigten Auslösezeiten von 0 ms führen, was natürlich nicht wirklich so ist.

Die unterschiedlichen Verfahren bei der Messung und die herstellerspezifischen Unterschiede bei den RCDs machen einen Vergleich oder eine Bewertung im unteren Millisekundenbereich sehr schwierig. Eindeutig identifizieren als „zu langsam“ lässt sich ein RCD erst, wenn die Grenzwerte nach Produktnorm nicht eingehalten werden können. Prüfer mit sehr viel Erfahrung können da schon etwas mehr differenzieren und deuten einen RCD Typ A vom Hersteller XY bei 96 ms als defekt, während der RCD Typ B von Hersteller Z bei 180 ms noch als bestens bewertet wird.

Autor: M. Lochthofen

Literatur

[1] DIN EN 61008-1 (VDE 0664-10):2018-03 Fehlerstrom-/Differenzstrom-Schutzschalter ohne eingebauten Überstromschutz (RCCBs) für Hausinstallationen und für ähnliche Anwendungen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen.

[2] Grothe, J.; Daniels, F.: Fehlerstromschutzschalter – Teil 3: Prüfgeräte, RCD-Typen und Messwerte; Lernen und Können, Elektropraktiker, Berlin 75 (2021) 3, S. 8-9.

[3] Grothe, J.; Daniels, F.: Fehlerstromschutzschalter – Teil 4: Ablauf der Prüfung von RCDs in der Praxis; Lernen und Können, Elektropraktiker, Berlin 75 (2021) 4, S. 10-11.

Dieser Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.