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Zentralgerät für Kontrollierte Wohnungslüftung im Keller (Foto: Viessmann)
Klimatisierung | Technische Gebäudeausrüstung | Lüftungstechnik

Frische Luft trotz dichter Hülle

Kontrollierte Wohnungslüftung zum Schutz von Gesundheit und Gebäude

09.08.2018

Neben energiesparenden Heizungstechniken wie Wärmepumpen- und Solaranlagen kann auch die Kontrollierte Wohnungslüftung für das Elektrohandwerk zu einem lohnenden Geschäft werden. Wichtig ist unter anderem, die zugehörigen Normen und Richtlinien zu kennen.

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Die Intensivlüftung (IL) ist eine zeitweilig notwendige Lüftung mit erhöhtem Lüftvolumenstrom zum Abbau von Lastspitzen (Lastbetrieb). Sie wird in der Regel durch die Fensterlüftung unterstützt.

Lüftungskonzepte lassen sich mit meist kostenlosen Softwareprogrammen von Lüftungs- und auch Fensterbauern leicht und schnell erstellen. Ihr Nachteil ist, dass sie nur auf die Produkte des Unternehmens abgestellt sind. Für einige Fälle, etwa für öffentliche Ausschreibungen, kann es vorteilhafter sein, sich Lüftungskonzepte herstellerunabhängig formulieren zu lassen, zum Beispiel vom Testzentrum für Wohnungslüftungsgeräte (TZWL).

Lüftungstechnische Maßnahmen auswählen

Wenn nun die Bewertung des Lüftungskonzepts ergibt, dass die natürliche Luftzufuhr durch Infiltration nicht genügt, um den Feuchteschutz zu garantieren, muss der verantwortliche Planer eine geeignete lüftungstechnische Maßnahme (LtM) entwerfen. Das kann eine sogenannte freie Lüftung oder eine ventilatorgestützte Lüftung sein (Bild 3). Die Lösungen, die die beiden Systeme bieten, müssen so ausgelegt und installiert werden, dass die angestrebte Lüftungsstufe erreicht wird.

Freie Lüftung. Bei der freien Lüftung ist planerisch zwischen Querlüftung und Schachtlüftung zu unterschieden. Unter einer Querlüftung wird die Durchlüftung einer Wohnung verstanden, bei der den Wohn- und Schlafräumen (den Zulufträumen) Außenluft zugeführt und anschließend der Küche, dem Bad und dem Gäste-WC (den Ablufträumen) wieder entnommen und abgeführt wird. Die Lüftung zum Feuchteschutz (FL) ist für die gesamte Nutzungseinheit und für jeden einzelnen Raum sicherzustellen, und zwar allein über die Undichtheit der Gebäudehülle (Infiltration) und falls notwendig über Außenluftdurchlässe (ALD) beziehungsweise Lüftungsschächte, also ohne manuelles Öffnen der Fenster. Bei einer Querlüftung, die allein dem Feuchteschutz dienen soll, sind die notwendigen Einrichtungen so zu dimensionieren, dass sie den Festlegungen der Lüftungsstufe „Lüftung zum Feuchteschutz (FL)“ nachkommen; bei Quer- und Schachtlüftungssystemen ist die freie Lüftung so auszulegen, dass sie der Intensivitätsstufe „Reduzierte Lüftung (RL)“ entspricht, empfohlen wird die Auslegung als „Nennlüftung“. Bei allen Lüftungssystemen ist davon auszugehen, dass Nutzer durch manuelles Öffnen von Fenstern den Außenluftvolumenstrom unterschiedlich stark ergänzen können.

Ventilatorgestützte Lüftung. Bei den ventilatorgestützten Lüftungen ist zwischen Abluft- und Zuluftanlagen sowie Kombinationen aus beiden Typen zu unterscheiden. Abluftanlagen werden zunehmend mit einer Wärmepumpe ausgestattet. Die Kombination hat sowohl auf der Zuluft- als auch auf der Abluftseite einen Ventilator und lässt sich vorteilhaft mit einem Wärmeübertrager ausrüsten.

Ein ventilatorgestütztes Lüftungssystem ohne Unterstützung durch den Nutzer muss mindestens die zweithöchste Lüftungsstufe, die Nennlüftung (NL), gewährleisten können, und zwar für die gesamte Nutzungseinheit. Die Nennlüftung (NL) schließt die Lüftung zum Feuchteschutz (FL) und die Reduzierte Lüftung (RL) ein, eine Auslegung ausschließlich für eine dieser beiden Vorstufen ist nicht zulässig. Bei der Intensivlüftung darf man von einer Nutzerunterstützung durch zeitweiliges manuelles Öffnen von Fenstern ausgehen. Die Zuordnung der Lüftungsstufen zu den -systemen ist aus Bild 4 zu ersehen.

Fachleute uneinig und Bauherren skeptisch

Die Wohnung lüften und gleichzeitig Energie sparen – das ist ein schwieriger Spagat und ein besonders heikles Thema. Zum einen gehen immer noch die Meinungen darüber auseinander, wie groß die mengenmäßige Bedeutung der Lüftung für den gesamten Heizenergiebedarf eines Hauses tatsächlich ist; zum anderen lassen sich Wärmeverluste, die beim Lüften der Wohnung zwangsläufig entstehen, nicht beliebig verringern, da ein hygienisch und bauphysikalisch notwendiges Minimum an Lüftung unbedingt einzuhalten ist. Viele Bauherren sind misstrauisch gegenüber Anlagen für die Wohnungslüftung. Auslöser dieser Skepsis könnten beispielsweise Berichte sein, denen zufolge vor allem schlüsselfertig übergebene Wohngebäude mit teuren Lüftungssystemen ausgestattet waren, ohne dass zuvor ein Lüftungskonzept verfasst und auf die Bedürfnisse des Nutzers zugeschnitten worden wäre. Lüftungssysteme können regelrecht zu einer nervlichen Belastung werden, wenn sie Lärm verursachen.

Ursachen sind häufig eine unprofessionelle und fehlerhafte Installation oder auch der Betrieb in Kombination mit einer Wärmepumpe, die mangelhaft schallgeschützt ist. Auch eine undurchschaubare Regelungstechnik kann den Kunden vergraulen oder ihn dazu veranlassen, das Produkt oder den Installateur zu wechseln. Denn was nützt es ihm, wenn er die Technik übers Smartphone bedienen kann, aber für jede kleine Störung einen teuren Experten einschalten muss.

Zu einem vierten Ärgernis können häufig durchzuführende und komplizierte Wartungsarbeiten werden (Bild 5). Viele Nutzer wollen dafür ihre Zeit nicht opfern. Die Folge ist in vielen Fällen, dass sie Wartungstermine ungenutzt verstreichen lassen und manches Gerät seine Effizienz verliert sowie vorzeitig Schaden nimmt. Was Nutzer hingegen sehr wohl wünschen, ist eine anwenderfreundliche robuste Haustechnik – ein wichtiger Hinweis für Hersteller, Verkäufer und Installateure.

Autor: W. Wilming

Literatur:
[1] DIHK (Hrsg.), DHKT: Leitfaden Abgrenzung Handwerk/Industrie und Handel/Dienstleistung. Berlin, Juni 2013.
[2] TZWL-eBulletin 14, 1. Edition 2016.
[3] VfW: Lüftung verstehen – Komfort erleben. Merkblatt August 2015.
[4] Tuschinski, M.: EnEV-online Dossier zur Kontrollierten Wohnungslüftung. Lüftungsanlagen: Fluch oder Segen? Ausgabe 2017.
[5] FGK: Marktführer Wohnungslüftung. Bestell-Nr. 58, 03/2015.
[6] Beuth Verlag GmbH, Berlin (die genannten Normen sind zu bestellen unter www.beuth.de).
[7] VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V., Düsseldorf (die genannte Norm ist zu bestellen unter www.vdi.de).
[8] LIMOT GmbH & Co. KG Lüftungstechnik: Raumlufttechnik – Lüftung.


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