Elektromobilität: Ladesäuleninfrastruktur
Kampf um die Ladesäulen – Teil 1: Die Schlacht beginnt
Nach der Genehmigung der deutschen Ladesäulenförderung durch die EU wird der Markt aufgeteilt. Mächtige Allianzen stehen bereit, um sich die lukrativsten Standorte zu sichern – finanziert vom Steuerzahler.
Stromerzeuger teilen Märkte auf
Vor allem die Stromerzeuger sind am Ausbau der Ladestationen interessiert und wollen sich selbst daran beteiligen. Vattenfall besitzt aktuell 110 Ladepunkte in Deutschland. Das Unternehmen will zusätzlich 400 bis 800 öffentliche Ladestationen bauen, teilte der Konzern dem Handelsblatt mit.
Das Unternehmen Energie-Baden-Württemberg AG (EnBW) weitet seine Partnerschaft mit dem Tankstellenbetreiber Tank & Rast aus. Mehr als 100 Standorte von Tank & Rast sind bereits mit Stromtankstellen ausgestattet. Die Unternehmen planen, gemeinsam bis Ende 2017 an möglichst allen 400 Autobahnraststätten moderne Schnellladesäulen mit je zwei Ladepunkten zu errichten.
Die grüne RWE-Tochter innogy will ebenfalls Fördergelder beantragen. Und auch der Stromanbieter E.ON ist beim Geschäft mit der Elektromobilität dabei. Er plant die Zahl seiner Ladesäulen von 100 auf 350 Stück zu erhöhen.
Zur Preisgestaltung an den Ladesäulen durch die jeweiligen Betreiber ist bislang nichts bekannt – mit Ausnahme von E.ON. Der Stromkonzern wird eine Ladeflatrate für Privatkunden anbieten. Ab Frühjahr 2017 können privat genutzte E-Autos an bis zu 2.500 öffentlichen Ladestationen ihre Batterien aufladen. Zur Refinanzierung der Investitionskosten soll ein Monitor an den Ladesäulen dienen, auf dem Werbung gezeigt wird.
Neue Geldquelle für Autohersteller
Um den Kaufanreiz für Elektroautos zu erhöhen, planen sogar Hersteller einen Zusammenschluss, die eigentlich in Konkurrenz zueinander stehen: Daimler, BMW, VW und Ford wollen in Kooperation tausende Schnellladestationen in ganz Europa errichten.
Der Volkswagen-Konzern ging noch einen Schritt weiter. Er beteiligte sich im Dezember 2016 an Hubject. Die eRoaming-Plattform vernetzt Ladestationsbetreiber und Fahrstromanbieter in Echtzeit. An ihr sind zurzeit 43.546 Ladepunkte auf drei Kontinenten angeschlossen. Experten teilen die Ansicht, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur ein wichtiger Beitrag zur Akzeptanz der Elektromobilität ist.
Damit die Besitzer von E-Autos die Schnellladesäulen nutzen können, müssten die Fahrzeuge standardmäßig mit dem Combined Charging System (CCS) ausgerüstet werden. Derzeit bieten die meisten Hersteller CCS jedoch nur als aufpreispflichtige Sonderausstattung an. Lediglich im Hyundai Ioniq ist das System serienmäßig installiert.
Tesla gilt als Vorbild in Sachen E-Tankstellen-Infrastruktur. Der amerikanische E-Auto-Pionier betreibt weltweit mehr als 700 Ladestationen mit fast 5.000 Ladeplätzen. Seinen Kunden schenkte Tesla bis zum 15. Januar 2017 den Ladestrom, seither dürfen Neukunden bei Tesla noch 400 kWh pro Jahr kostenlos laden.

