20. Todestag von Manfred von Ardenne
Hochbegabter Visionär der Funk- und Fernsehtechnik
„Aus der Vergangenheit zu lernen genügt nicht. Das Gelernte muss Grundlage werden für das eigene Mitgestalten der besseren Zukunft.“ Manfred von Ardenne (1970)
Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde im geheimen Schlussprotokoll von Jalta (Februar 1945) festgelegt, dass zu den Reparationen auch die Verwendung deutscher Arbeitskräfte gehörte. Im Protokoll der Potsdamer Konferenz (August 1945) wurden die Arbeitsreparationen nicht erwähnt. Sowjetische Offiziere und Wissenschaftler suchten dennoch gezielt nach deutschen Spezialisten.
Manfred von Ardenne siedelte mit seinem Laboratorium nach Sinop (Sowjetunion) ans Schwarze Meer über. Ein dreistöckiges Sanatorium mit 100 Zimmern wurde für ihn umgebaut. In der näheren Umgebung stellte man für den Nobelpreisträger Gustav Hertz (Onkel Heinrich Hertz entdeckte die elektromagnetischen Wellen) ein weiteres Gebäude bereit, der hier ebenfalls eine neue Wirkungsstätte finden sollte.
Nachdem die USA die Atombomben über Hiroshima und Nagasaki abwarfen, wurden deutsche Wissenschaftler, darunter Manfred von Ardenne und Gustav Hertz, zwangsverpflichtet, an der Entwicklung einer russischen Atombombe mitzuwirken. Die Sowjetunion wollte möglichst rasch zur Supermacht USA aufschließen.
Das von ihm entwickelte Verfahren der elektromagnetischen Trennung von Uranisotopen kam bei der Produktion der ersten einsatzfähigen sowjetischen Atombomben jedoch nicht zum Einsatz, da es zu kompliziert war. Seine Vorbereitungen zur industriellen Trennung von Lithiumisotopen nutze die Sowjetunion zur Entwicklung der Wasserstoffbombe, womit sie die USA im nuklearen Wettrüsten überholte. Im Dezember 1953 erhielt er dafür den Stalinpreis.
Fast zehn Jahre lebten und arbeiteten Ardenne und Hertz in der UdSSR. Für Entwicklung und Bau eines Elektronenmikroskops erhielt er bereits im März 1947 eine Prämie in Höhe von 50.000 Rubel. Ardenne sagte 1956 in einem Interview mit der Tageszeitung Neues Deutschland: „Das Verbot der Atomwaffen würde die Atomenergie aus einem Fluch fast sprunghaft in einen Segen für die Menschheit verwandeln.“
Der rote Baron vom Weißen Hirsch
1955 entschied sich Manfred von Ardenne für ein Leben im sozialistischen Teil Deutschlands. Er siedelte nach Dresden über. Im Stadtteil Weißer Hirsch erwarb er ein großes Gelände und errichtete dort das private „Forschungsinstitut Manfred von Ardenne“.
Ardenne ließ sich von Walter Ulbricht, der ihn nur einen Tag nach seiner Ankunft in Dresden persönlich willkommen hieß, und der DDR-Regierung auf vielfältige Weise unterstützen. Neben einem russischen Pkw für sich selbst handelte er zahlreiche Vorteile für das Institut aus.
Die DDR-Regierung schmückte sich wiederum mit dem berühmten Erfinder. Das Institut entwickelte sich zu einem der renommiertesten und effektivsten wissenschaftlich-technischen Forschungslabore der DDR.
In den 1960er Jahren wandte sich Ardenne der Medizin zu und widmete sich der Krebsbehandlung. In Nobelpreisträger Otto Warburg vom Westberliner Max-Planck-Institut fand er einen einflussreichen Fürsprecher. Er entwickelte die umstrittene Krebs-Mehrschritt-Therapie (sKMT), bei der ihm jedoch der durchschlagende Erfolg versagt blieb.
Führende Krebsforscher warnten vor Ardennes Therapie, weshalb ihm die Eröffnung einer eigenen Krebsklinik versagt blieb. Diesen Wunsch konnte er sich erst nach der Wende erfüllen.
Die wissenschaftliche Kontroverse wurde auch den Medien der DDR ausgetragen. Dennoch stand er weiterhin in der Gunst der DDR-Regierung. Der rote Baron, wie er genannt wurde, gehörte weiterhin zu den wissenschaftlichen Beratern des Regierungschefs Walter Ulbricht.
Erst unter Erich Honecker, der 1971 auf Ulbricht folgte, sank allmählich Ardennes Stern. Gesundheitlich angeschlagen entwickelte er die bis heute weltweit in der Naturheilkunde verbreitete Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie (SMT).
Ardenne konnte sein Institut bis 1989 vor der Verstaatlichung bewahren. Lange Zeit gehörte er der DDR-Volkskammer an und war politisch aktiv. Er stand der DDR zwar nicht völlig unkritisch gegenüber, war ihr gegenüber aber grundsätzlich positiv eingestellt.

