20. Todestag von Manfred von Ardenne
Hochbegabter Visionär der Funk- und Fernsehtechnik
„Aus der Vergangenheit zu lernen genügt nicht. Das Gelernte muss Grundlage werden für das eigene Mitgestalten der besseren Zukunft.“ Manfred von Ardenne (1970)
1930 machten Ardenne und sein Mitarbeiter Emil Lorenz eine bahnbrechende Entdeckung. Er erkannte, dass alle notwendigen Komponenten in seinem Lichterfelder Forschungsinstitut vorhanden waren, um die weltweit erste vollelektronische Fernsehübertragung zu realisieren.
Den Tag schilderte er später so: „In fieberhafter Eile entnahmen wir dem Fertigungslager zwei Elektronenstrahlröhren, stellten zwei Einrichtungen zur Erzeugung der Ablenkungsspannungen aus Bestandteilen des Niederfrequenzlabors zusammen, brachten einen der Breitbandverstärker in Betriebsbereitschaft und entlehnten dem optischen Labor eine Linse hoher Lichtstärke und eine Photozelle geringer Trägheit.
Noch am gleichen Abend, am 14. Dezember 1930, hatten Emil Lorenz und ich ein entscheidendes Erlebnis. Ich hielt eine Schere vor dem Schirm meines Leuchtfleckabtasters und sah tatsächlich, wie ihre Konturen am anderen Ende des Zimmers auf dem Leuchtschirm der Empfängerröhre erschienen. Wir wiederholten den Versuch mit einem Diapositiv und erzielten einen noch eindrucksvolleren Erfolg.”
1931 präsentierte Manfred von Ardenne seine Erfindung auf der Funkausstellung in Berlin. Damit schaffte er es auf das Titelblatt der New York Times.
Existenzsicherung in der Zeit des Nationalsozialismus
Zur Finanzierung seines Lichterfelder Forschungsinstituts brauchte der Autodidakt Ardenne Aufträge von Staat und Industrie. So entwickelte er neben der ersten vollelektronischen Fernsehübertragung ein Spezialgerät für Lungendiagnostik, den ersten Breitbandverstärker und das erste Rasterelektronenmikroskop.
Auf der Funkausstellung 1933 stellte Reichspostminister Wilhelm Ohnesorge, ein Freund seines Vaters, Manfred von Ardenne dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler vor. Der Vertrag mit dem Reichspostministerium sollte ihm die Existenz seines Laboratoriums während des Nationalsozialismus sichern.
In dieser Zeit wandte sich Ardenne der experimentellen Kernphysik zu. Er baute Linear- und Ringbeschleuniger zur Isotopentrennung. Den bei ihm beschäftigten Theoretiker Fritz Houtermans beauftragte er, die Isotopentrennung von Uran mit einer Ultrazentrifuge durchzurechnen.
Der Houtermans-Bericht zeigte, dass ein Element mit der Massenzahl 239 (später bekannt als Plutonium) als Brennstoff und Explosivstoff genutzt werden könne. Ardenne stufte den Bericht, der eine Auslösung von Kern-Kettenreaktionen beschrieb, als geheim ein. Er wurde nur einem ausgewählten Kreis deutscher Kernphysiker vorgelegt.
Aufgrund des Berichtes bezweifelten die Alliierten Siegermächte nach Ende des Zweiten Weltkriegs, dass Ardennes Kernforschung ausschließlich friedlichen Zielen dienen sollte.
Etwa zeitgleich mit Ardennes Bericht meldete der theoretische Physiker Carl Friedrich von Weizäcker (Bruder des späteren Bürgermeisters Westberlins und Bundespräsidenten Richard von Weizäcker) eine Plutoniumbombe zum Patent an.
Die Familie von Ardenne hegte keine Sympathie für den Nationalsozialismus. Sein Vater lehnte die Aufforderung Hermann Görings, eine leitende Position in der NSDAP einzunehmen, entschieden ab.

