KI in der Energiewirtschaft
4 Ansatzpunkte für den Einsatz von KI in der Energieberatung
Michael Kuil, Prokurist und Leiter Vertriebskooperationen bei Teleson, gibt Einblicke, wie die Dienstleistung der Energieberater mithilfe neuer Technologien optimiert werden kann.
Dabei identifiziert er vier Schlüsselaspekte, bei denen die traditionelle Expertise der Energieberater durch den strategischen Einsatz moderner Technologien wie künstliche Intelligenz gestärkt werden kann. Gleichzeitig hebt er hervor, worauf besonders geachtet werden sollte, wenn diese Technologien eingesetzt werden.
Energieberater arbeiten üblicherweise dezentral und greifen vermehrt auf digitale Tools zurück, die ihre Tätigkeit erleichtern. Bei Teleson haben sie beispielsweise über das firmeneigene Portal rund um die Uhr Zugang zu einer Vielzahl von Energieprodukten, darunter diverse Strom- und Gastarife, Angebote für PV-Anlagen sowie Informationen zu allen Partnern und Lieferanten. Diese Digitalisierung vereinfacht bereits erheblich den Vertrieb und die Vertragsabwicklung.
Darüber hinaus kommen heute KI-gesteuerte Assistenten zum Einsatz, die Energieberatern eine breite Palette von Möglichkeiten bieten, ihre Vertriebsprozesse zu optimieren, die Kundenberatung zu verbessern und letztlich ihren eigenen Erfolg zu steigern.
Der Einsatz von KI bzw. maschinellem Lernen (ML) im Energievertrieb bietet zahlreiche Vorteile. Die wichtigsten sind:
Optimierung administrativer Aufgaben: KI-gesteuerte Tools übernehmen wiederkehrende Aufgaben, wie beispielsweise das Ausfüllen von Formularen, was zu erheblicher Zeitersparnis für Energieberater führt und gleichzeitig Fehler vermeidet. Durch das automatische Auslesen der letzten Rechnung wird die manuelle Eingabe von Daten wie Adressen, Zählernummer oder Marktlokations-ID überflüssig. Dies führt nicht nur zu einer effizienten Zeiteinsparung, sondern senkt auch die Fehlerquote erheblich. Auf diese Weise können sich Vertriebsmitarbeiter vermehrt auf strategische Aufgaben und die Pflege von Kundenbeziehungen konzentrieren, anstatt sich mit administrativen Angelegenheiten befassen zu müssen.
Verbesserte Beratung durch KI: Unter der Voraussetzung, dass relevante Informationen wie Verbrauchsdaten verfügbar sind, kann künstliche Intelligenz aus diesen Daten Verhaltensmuster und Energieverbrauchsgewohnheiten des Kunden identifizieren. Bisher liegen solche Daten jedoch nur vor, wenn der Kunde anstelle eines analogen Stromzählers ein intelligentes Messsystem besitzt, das diese Informationen über eine Kommunikationsschnittstelle (Smart-Meter-Gateway) auslesen kann. Die durch diese Daten gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen den Energieberatern eine präzise Einschätzung der individuellen Anforderungen und Bedürfnisse, wodurch sie in der Lage sind, sehr schnell und genau maßgeschneiderte Angebote zu erstellen.
Personalisierte Verkaufsgespräche: Durch maschinelles Lernen kann KI lernen, die individuellen Bedürfnisse und Prioritäten der Kunden zu verstehen. Energieberater erhalten ein besseres Verständnis für relevante Themen, Produkte und Vorlieben ihrer Kunden. Sie können dadurch besser auf ihre Kunden eingehen. So gewinnen Energieberater mit dem KI-Service ein Instrument zur Vertriebsunterstützung.
Vermittlung von Fachwissen: Um stets über aktuelle Entwicklungen informiert zu sein, ist es für Energieberater wichtig, gut geschult zu sein. Online-Akademien bieten eine effektive Möglichkeit, Fachwissen gezielt zu vermitteln und auf dem neuesten Stand zu halten. Bisher war die Aktualisierung von Inhalten und die Anpassung an Entwicklungen im Energiesektor sehr zeitaufwendig. In diesem Zusammenhang unterstützt künstliche Intelligenz nun bei der Erstellung von Schulungsvideos und -texten, wodurch der Prozess effizienter gestaltet werden kann.
Obwohl der Einsatz von künstlicher Intelligenz im Energievertrieb zahlreiche Vorteile bietet, ist es wichtig, das Potential dieser Technologie realistisch einzuschätzen. Einige Anbieter haben die Digitalisierung bereits so weit vorangetrieben, dass Kunden durch Self-Service-Plattformen und Chatbots weitgehend auf sich allein gestellt sind. Dies kann nicht nur beim Abschluss von Neuverträgen, sondern insbesondere auch während des Wechselprozesses und im After-Sales-Bereich zu Frustration auf Seiten der Kunden führen. Oftmals erfahren Kunden lange Wartezeiten in der Service-Hotline und es gestaltet sich schwierig bis unmöglich, einen direkten Ansprechpartner zu erreichen, wenn Fragen auftreten oder Klärungsbedarf besteht. Laut einer aktuellen Studie spielt der Kundenservice nach wie vor für die Mehrheit der Befragten (ca. 85 %) eine entscheidende Rolle und ist ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl eines Anbieters.

