Anzeige

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Erneuerung alter Elektro-Installationen

Ist der Tausch oder die Erneuerung von Steckdosen in alten Elektroinstallationen ohne Einbau einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung zulässig?

Elektroinstallation, Sicherung alt (Foto: Spectral-Design /stock.adobe.com)

Elektroinstallation, Sicherung alt (Foto: Spectral-Design/stock.adobe.com)

Frage: Immer wieder haben wir Probleme, Baugesellschaften und öffentliche Wohnbauträger davon zu überzeugen, dass wir auch bei der Erneuerung, dem Austausch und der Ergänzung von Steckvorrichtungen verpflichtet sind, nach den neuesten, anerkannten Regeln der Technik zu installieren. Können in alten Elektroinstallationen heute wirklich noch Steckdosen getauscht oder erneuert werden, ohne diese mit einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung zu versehen?

Antwort: Vorweg: Das Thema Bestandsschutz ist immer wieder ein Problem, insbesondere weil es den Begriff Bestandsschutz in den Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100) nicht gibt. Aber es gibt auch keine Forderung, ältere elektrische Anlagen, die zum Zeitpunkt ihrer Errichtung den damals gültigen Normen entsprachen, an neuere Normen anzupassen. Dies trifft auch dann zu, wenn es um das Auswechseln von Betriebsmitteln, z. B. Auswechseln von Kabel/Leitungen, Zähleranlagen, Verteilern und anderen elektrischen Betriebsmitteln geht, d. h. es besteht normativ keine Forderung, in solchen Fällen die vorhandene elektrische Anlage vollständig an neuere Normen anzupassen. In wenigen Fällen kann eine gewisse teilweise Anpassung notwendig sein.

Wenn die elektrische Anlage bestehen bleiben soll, muss vorausgesetzt werden, dass von der vorhandenen elektrischen Anlage – z. B. weil sich die elektrische Anlage in einem desolaten Zustand befindet – eine Gefahr für den Menschen nicht ausgeht. So muss z. B. der Mindestisolationswiderstand nach VDE 0105-100 (VDE 0105-100) [1] noch erfüllt sein.

Fakt ist, dass neue Normen immer nur für neue elektrische Anlagen, für neue elektrische Anlagenteile und für neue Stromkreise zutreffend sind. Im Abschnitt 11.2 von DIN VDE 0100-100 (VDE 0100-100) [2]:2009-06 ist hierzu Folgendes festgelegt: „Diese Norm gilt für [...] f) die Erweiterung oder Änderung von Anlagen und ebenso von Teilen bestehender Anlagen, die von einer Erweiterung oder Änderung beeinflusst sind.“

Eine Beeinflussung wäre z. B. gegeben, wenn von einer Steckdose im Innenbereich eine Verbindung zu einer neu hinzugefügten Steckdose im Freien hergestellt werden soll. Da Stromkreise (nicht nur die Steckdose selbst) für Steckdosen im Freien mit Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA geschützt sein müssen, muss auch der gesamte Stromkreis bis zur vorhandenen Streckdose, von der aus weiter zur Außensteckdose gefahren werden soll, geschützt sein. Bei Stromkreisen, die noch mit klassischer Nullung (Zweidrahtnullung) ausgeführt sind, wäre ein Auswechseln der gesamten Leitung notwendig.

Soweit das Allgemeine. Nun zu der konkreten Frage. Wie oben angeführt, gibt es keine Forderung, beim Auswechseln von elektrischen Betriebsmitteln, die gesamte elektrische Anlage an neuere Normen „anzupassen“. Das gilt auch dann, wenn das nur einzelne Stromkreise betrifft.

Allerdings – die Empfehlung aus meiner Sicht – sollte der Stromkreis, soweit das ohne größere Umbauarbeiten möglich ist, zumindest mit einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA geschützt werden.

Zumindest würde ich in besonders kritischen Bereichen eine RCCB in einer Baueinheit mit einer Steckdose oder eine RCCB, die ausschließlich zum örtlichen Zusammenbau mit einer Steckdose in derselben Einbaudose konstruiert ist, vorsehen.

Daher halte ich die Überzeugungsarbeit und Überlegungen des Anfragenden für löblich, jedoch wird es immer ein Problem geben, wenn es um die Bezahlung geht. Da es keine zwingende Forderung gibt, bleibt nur der Versuch, durch Beratung zu überzeugen.

Literatur: [1] DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100):2015-10 Betrieb von elektrischen Anlagen – Teil 100: Allgemeine Festlegungen.
[2] DIN VDE 0100-100 (VDE 0100-100):2009-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 1: Allgemeine Grundsätze, Bestimmungen allgemeiner Merkmale, Begriffe.

Autor: W. Hörmann

Der Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

Kommentare

botMessage_toctoc_comments_926
Anzeige

Nachrichten zum Thema

Der codierte Sicherheitsschalter PSENcode low profile actuator bietet mit einer Einbauhöhe von 3 mm Manipulationsschutz auf kleinem Raum und eignet sich für platzkritische Anwendungen.

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Schutztrennung anstelle von RCDs

Wie werden Winkelschleifer (SKII) betrieben? Wie genau sieht dabei der Einsatz von Trenntransformatoren mit Isolationsüberwachung aus?

Weiter lesen

Das Verkabelungssystem Preconnect-Sedecim ist für die strukturiert paralleloptische Datenübertragungs-Verkabelung und für die Übertragungstechnik 400GBASE-SR8 optimiert.

Weiter lesen

Die Novec-High-Tech-Flüssigkeit unterstützt eine gründliche Elektro-Nassreinigung ohne elektrische Anlagen oder Maschinen abschalten zu müssen.

Weiter lesen

Neue Produkte Kurzer Blindbereich

Die Ultraschallsensoren U500/UR18 mit IO-Link bringen die Anforderung eines extrem kurzen Blindbereichs bei hoher Reichweite auf ein neues Niveau.

Weiter lesen
Anzeige