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Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Elektrische Anlagen für 
Baustellen

Immer, wenn der technische Stand sich verändert, muss die Normenlage 
angepasst werden. Gerade auf Baustellen trifft dies in den letzten Jahren mehr und mehr zu. Die DIN VDE 0100-704 wurde nach langer Ankündigung neu veröffentlicht und enthält tiefgreifende Änderungen.

Umfangreiche Änderungen in der neuen Norm machen zukünftig den Einsatz alter Baustromverteiler nahezu unmöglich (Quelle: Geller/Lochthofen)

Bereits mit der Herausgabe der DIN VDE 0100-704 (VDE 0100-704):2001-05 [1] wurde zur Erhöhung der Sicherheit festgelegt, dass nicht nur Stromkreise im 1-Phasenbetrieb sondern alle Stromkreise mit Steckdosen bis 32 A nicht mehr mit 0,5 A sondern mit RCDs ≤ 30 mA zu schützen sind. Dies erforderte schon damals einen immensen Aufwand an Nachrüstung, Erneuerung und Neukauf von Baustromverteilern (Bild).

Rückblick

Forderung allstromsensitiver RCDs

Die ersten Geräte auf Baustellen, die mit Frequenzumrichtern betrieben wurden, waren Kräne, Lüftungsanlagen und Pumpen. Diese Geräte mussten schon seit 2005 an einen entsprechenden Baustromverteiler mit einer allstromsensitiven Fehlerstrom-Schutzeinrichtung angeschlossen werden. So hieß es im Abschnitt 531.3.2 von DIN VDE 0100-530 (VDE 0100-530):2005-06 [2]: „Wenn Teile elektrischer Betriebsmittel, die auf der Lastseite einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung fest errichtet werden, reine Gleich-Fehlerströme erzeugen können, muss die Fehlerstrom-Schutzeinrichtung vom Typ B sein.“

Die damalige BGI 608 kannte dazu noch ein paar Sonderlösungen mit Trenntransformatoren oder Ausnahmen, in denen noch ein RCD Typ A verwendet werden durfte, aber grundsätzlich war damit der RCD Typ B auf Baustellen schon eingeführt.

Ob Geräte wie Inverter-Schweißgeräte, elektronische Umformer für Betonrüttelflaschen, Bauaufzüge, Ladegeräte für Stapler, Siloantriebe oder gesteuerte Pumpen usw. einen vorgeschalteten RCD Typ B erfordern, war in der Vergangenheit für Laien nicht möglich und für Elektrofachkräfte kaum erkennbar.

Selbst wenn auf der Baustelle erkannt wurde, dass es sich um ein frequenzgesteuertes Gerät handelt, bestand ein Problem darin, eine geeignete Steckdose zu finden. Meist konnte dies nur die Elektrofachkraft erkennen!

Ständig steigende Anzahl 
elektrischer Geräte

Die ständig steigende Anzahl an Geräten (zum Beispiel mit Frequenzumrichtern), die auch glatte Leck-/Gleichfehlerströme erzeugen können und somit RCDs vom Typ A beeinflussen können, erforderte nun neue Schutzmaßnahmen. Mit der neuen DIN VDE 0100-704 (VDE 0100-704) vom Oktober 2018 [3] wird diesem Problem nun entgegengewirkt. Im Abschnitt 704.531.3 von DIN VDE 0100-704 (VDE 0100-704) [3] ist festgelegt, dass Drehstrom-Steckdosen bis einschließlich 63 A mit einem allstromsensitiven RCD vom Typ B zu schützen sind.

Nur wenn man über Baustromverteiler Bereiche versorgt, die nicht direkt zur Baustelle gehören, kann man argumentieren, dass dort kein RCD Typ B erforderlich ist. Denkbar und sinnvoll wäre dies eigentlich nur für eine separat aufgestellte Containeranlage.

Hauptschalter bei
 Baustromverteilern

Im Abschnitt 704.537.2.101 von DIN VDE 0100-704 (VDE 0100-704) [3] wurde folgendes festgelegt: „Fest angeschlossene Baustromverteiler (BV) mit Steckdosen müssen Einrichtungen zum Trennen der Einspeisung, die gegen Einschalten abschließbar und für Laien (BA1) benutzbar sind, enthalten. Eine verschließbare Umhüllung ist nicht ausreichend.“ Ein Vorhängeschloss am Baustromverteiler genügt somit nicht mehr.

Bisher wurde ein Hauptschalter explizit nur für Anschlussschränke vorgeschrieben, um im Bedarfsfall die gesamte Stromversorgung der Baustelle abschalten zu können. Die neue Forderung bedeutet tatsächlich in den meisten Fällen eine Neubeschaffung des Baustromverteilers. Die „Notlösung“, an einen Baustromverteiler für den Festanschluss eine kurze Leitung mit Stecker zu montieren, mag bei 63-A-Baustromverteilern noch praxistauglich sein, bei allen größeren Typen jedoch nicht mehr.

Leider ist eine Nachrüstung oft nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch aus Sicht der Regelwerke schwierig. Da Baustromverteiler nach ihrer Norm DIN EN 61439-4 (VDE 0660-600-4) [4] typgeprüft sein müssen, kann nur der eigentliche Hersteller des Baustromverteilers einen Umbausatz inklusive neuer technischer Dokumentation bereitstellen. Durch einen Umbau „auf eigene Faust“ sind dann umfangreiche Prüfungen und Berechnungen erforderlich.

Autoren: M. Lochthofen, M. Geller

Literatur:

[1] DIN VDE 0100-704 (VDE 0100-704):2001-05 (zurückgezogen) Errichten von Niederspannungsanlagen – Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Baustellen.

[2] DIN VDE 0100-530 (VDE 0100-530):2005-06 (zurückgezogen) Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 530: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Schalt- und Steuergeräte.

[3] DIN VDE 0100-704 (VDE 0100-704):2018-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 7-704: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Baustellen.

[4] DIN EN 61439-4 (VDE 0660-600-4):2013-09 Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen – Teil 4: Besondere Anforderungen für Baustromverteiler (BV).

Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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