Auch in Australien kommt der Strom aus der Steckdose
Auch in Australien ist das TN-C-S-Netz die übliche Netzform mit einer Netzspannung von 230 V (früher 240 V). Allerdings gibt es neben dem bekannten Spannungssystem mit 3 Außenleitern + Neutralleiter + PE mit 230/400 V gerade in entlegenen Gebieten Systeme, die dem deutschen Elektriker eher exotisch vorkommen dürften: 2 Außenleiter + Mittelpunktleiter (M) + PE mit 230/460 V und 240/480 V. Hierbei wird das Spannungssystem aus einer einphasigen Mittelspannung gewonnen. Diese Form der Netzverteilung nennt sich SWER (Single Wire Earth Return) – Bild 5. Das für uns Ungewöhnliche daran ist, dass die Versorgungsleitung tatsächlich nur aus einer einzigen Leitung besteht und die Rückleitung über die Erde erfolgt. Die Mast- bzw. Trafoerdung ist extrem wichtig für das System und deswegen mit auffälligen Warnhinweisen (Bild 6) gekennzeichnet. Auf der Niederspannungsseite gibt es nur eine Wicklung mit Mittelanzapfung. Es entstehen zwei Phasen, die um 180 Grad versetzt sind; die Mittelanzapfung wird der Mittelpunktleiter (M). Als Spannungsversorgung für den Kunden können 230 V (L gegen M) aber auch 460 V (L1 gegen L2) verwendet werden. Folglich gibt es in diesen Anlagen auch keinen PEN, sondern genau genommen einen PEM (kombinierter Schutzleiter und Mittelpunktleiter). In entlegenen Gegenden, die nur mittels SWER versorgt werden, erhält der Stromkunde einen eigenen Transformator. Oft hat dieser nur eine Nennleistung von 10 kVA.
Erst- und Wiederholungsprüfung von Geräten und Anlagen
Die regelmäßige Prüfung von gewerblich genutzten Geräten ist in Australien sehr weitreichend durch die Bundesstaaten vorgeschrieben. Sowohl für die Prüffristen als auch für die Qualifikation der Prüfer gibt es strenge staatliche Vorgaben – vgl. dazu Kasten: Geräteprüfung und Dokumentation.
Obskure Gründe für Kundenbesuche
Die Anlässe, aus denen ein Elektriker in Australien hauptsächlich zum Kunden fährt, unterschieden sich zum Teil sehr von den Gründen hiesiger Kundenbesuche.
Eine der häufigsten Anlässe für einen „Notfall“-Einsatz sind RCD-Auslösungen durch recht ungewöhnliche Ursachen:
Ameisen, Termiten oder Kakerlaken in der Steckdose, Verkabelungen, die durch Geckos angeknabbert wurden u. a. m. Hinzu kommen das feuchte Klima verbunden mit großer Hitze – und Elektroinstallationen, die eindeutig nicht für die Ewigkeit gemacht wurden.
So ist es Hans auch schon passiert, dass er sich auf einem unausgebauten Dachboden einer großen Schlange gegenüber sah. Glücklicherweise befand sich das Reptil nicht zwischen ihm und der Leiter und es war möglich, sehr vorsichtig den Rückzug anzutreten. Dem Kunden empfahl er daher, sich zuerst Hilfe von einem Schädlingsbekämpfer zu holen, bevor er als Elektriker ans Werk gehen könne.
Fachkräfte sind gefragt
Hans und Petra bilden zwar selbst aus. Allerdings ist es aufgrund der fehlenden finanziellen Anreize und der Ausbildungsdauer relativ schwierig, vor Ort überhaupt interessierte Jugendliche oder auch ausgebildete Elektriker zu finden. Daher nehmen Hans und Petra auch hin und wieder Kontakt mit ihrer deutschen Heimat auf. Sie bieten jungen ausgebildeten Elektroinstallateuren die Möglichkeit, ihren Australienurlaub mit interessanter praktischer Arbeit zu verbinden (ep-Tipp). Gerade für junge Elektriker ist es eine Chance, beruflich mal „über den Tellerrand hinauszublicken“ und das Land Australien nicht nur aus der Urlaubsperspektive kennenzulernen, sondern auch bei der Arbeit – um zudem ganz nebenbei noch die Urlaubskasse aufzubessern – Kontakt unter:
www.hanselectrical.com.au
Weitere Bilder
Beispiel f
Zeitungsausschnitt
Cassandra Denison (Auszubildende) und Hans Krumbholz, Ausbilder Hans Electrical Service (Quelle: MBRIT)
- M. Lochthofen
- K. Rohlof
Downloads
Laden Sie diesen Artikel herunter