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Elektrotechnik

12. Verbandstage des LIV Berlin/Brandenburg - SOS-Ruf des Elektrohandwerks

ep11/2002, 1 Seite

Am 6. und 7. September veranstaltete der LIV Berlin-Brandenburg seine 12. Verbandstage. Erwartungsgemäß standen wirtschaftliche Fragen im Vordergrund und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Handwerk. Der zweite Tag war ganz der Weiterbildung im Rahmen einer interessanten Fachtagung gewidmet.


Elektropraktiker, Berlin 56 (2002) 11 888 Branche aktuell Solidarität mit Hochwassergeschädigten In Anbetracht der Flutkatastrophe wurde darüber nachgedacht, ob die Verbandstage nicht ausfallen sollten, um die dadurch eingesparten Mittel den betroffenen Betrieben zu spenden. Der LIV entschloss sich jedoch, beides zu tun: Helfen - die betroffenen Kollegen aktiv unterstützen, direkte Kontakte mit Betroffenen bestehen bereits - und die eigenen, nicht gerade kleinen Probleme zu lösen sowie die Politiker auf die Belange des Handwerks aufmerksam zu machen (Bild ). Wirtschaftliche Situation Die wirtschaftliche Lage des Elektrohandwerks in Berlin und Brandenburg ist miserabel. Dieses ergab eine Konjunkturumfrage vom Mai 2002. Besonders schlecht ist die Situation in Berlin. Kein Betrieb bezeichnete seine Geschäftslage als „gut“ (2001 noch 14 %) und nur 21,6 % mit „befriedigend“ (2001 noch 41,9 %). Brandenburgs Elektrohandwerksbetriebe hatten schon2001einsehrschlechtes Jahr. Von diesen bezeichnen 4,8 % (2001 noch 8,7 %) ihre wirtschaftliche Lage mit „gut“ und 41,3 % mit „befriedigend“ (2001 nur 33,8 %). Diese Entwicklung wird auch durch den Auftragsbestand bestätigt. Die Betriebe leben im Prinzip nur noch „von der Hand in den Mund“ - 74,2 % der Betriebe in Berlin und 52,5 % der Betrieb in Brandenburg haben einen Auftragsbestand von „bis zu 2 Wochen“. Bezüglich der künftigen Geschäftslage gehen knapp 60 % der Betriebe in Berlin und knapp 50 % der Betriebe in Brandenburg davon aus, dass sich diese noch weiter verschlechtern wird. Das den Betrieben das Wasser bis zum Hals steht, ergibt sich aus den Antworten zur Veränderung der Beschäftigtenanzahl in den nächsten Monaten. Die Betriebe Berlins geben eine sinkende Beschäftigung im Durchschnitt von 27 % und Brandenburgs von 46,8 % an. Gerade die Betriebe der neuen Bundesländer waren in den letzten zehn Jahren nicht in der Lage, genügend Ertrag für die Alterssicherung zu erwirtschaften, so dass die Unternehmer „auf Teufel komm raus“ verurteilt sind, ihre Betriebe weiterzuführen. Im Ergebnis zeigt sich - wie auch schon im Vorjahr - dass die absolute Zahl der Betriebe nur leicht rückläufig, die Zahl der Beschäftigten aber drastisch abnehmen wird. Die dargelegten Verhältnisse wirken sich sehr ungünstig auf die Ausbildungsbereitschaft aus. Waren im Frühjahr 2001 noch 48 % der Betriebe in Brandenburg bereit, Lehrlinge auszubilden, so sind es jetzt nur noch 20,5 %. Dies ist ein Warnsignal für die Zukunft. Wer heute nicht ausbildet, sichert die künftige Existenz des Betriebes nicht. Podiumsdiskussion Unter dem Titel „Wer rettet am 22. September das Handwerk?“ veranstaltete der LIV eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der wichtigsten Parteien (Bild ). Den Politikern sollte nahe gebracht werden, welche Probleme das Handwerk bedrücken und was kurzfristig geändert werden muss. Kurz und knapp: „Die Rahmenbedingungen für das Handwerk stimmen nicht mehr“. Steuern, Abgaben, Kündigungsschutzgesetze, Kosten bei Krankheit, zusätzliche Kosten für Urlaub, Sonderzahlungen wie das 13. Monatsgehalt, zusätzliche Altersversorgung Marke Riester usw. bedingen zu hohe Preise. Diese Situation fördert verheerende Ergebnisse ans Tageslicht. Die Schwarzarbeit floriert mit zweistelligen Zuwachsraten. Die Insolvenzrate und die Arbeitslosenzahlen steigen. Mehr oder weniger Wortgewand beteuerten alle Politiker, die Problem des Handwerks gut zu kennen und sich dafür einzusetzen, bessere Bedingungen für das Handwerk zu schaffen. H.-J. Slischka fasste das Ergebnis der Diskussion in einem Satz zusammen: „Alle Politiker sind unsere Freunde und wollen uns helfen, doch keiner sagt wann“. Es ist zu hoffen, dass baldmöglichst etwas für das Handwerk getan wird! Fachschulung Nunmehr schon traditionsgemäß fand während der Verbandstage eine gut besuchte Fachschulung statt. H.-J. Slischka ging auf die Sicherheitsvorschriften (Brandschutz, Sprinkleranlage, Sicherheitsbeleuchtung usw.) ein. Diese sind nicht in den Normen, sondern in den Bauvorschriften enthalten. Somit ist der Architekt dafür zuständig. Der Handwerker ist aber verpflichtet zu überprüfen, ob sie eingehalten wurden und muss, wenn nötig, seine Bedenken anmelden. W. Scholz (Hager/Tehalit) behandelte die Notwendigkeit des Brandschutzes. Allein im Jahre 2000 starben 400 Pesonen durch Brände. Ursache für Brände sind nach Brandstiftung vor allem Elektroanlagen. Zum Brandschutz gehört nicht nur das Verhindern eines Brandes und dessen Ausbreitung, sondern auch das Ermöglichen von Rettungsmaßnahmen und die Brandbekämpfung. Dazu ist es notwendig, die Funktion bestimmter Leitungen über einen gewissen Zeitraum aufrecht zu erhalten. M. Hertramft (E.DIS) erläuterte die künftige Zusammenarbeit zwischen Energieversorgern und Elektrohandwerkern am Beispiel der E.DIS. Diese soll wie bisher partnerschaftlich erfolgen, wobei der Handwerker als Energieanbieter, Auftragnehmer und Vertriebspartner auftritt. Wichtige Gesichtspunkte bei der Auswahl und Installation von elektrischen Betriebsmittteln behandelte K. Kelch (envia), H. Zander (ABB) sprach über die Auswahl und Dimensionierung von Geräten für den Personen-, Sach-und Überspannungsschutz. Auszeichnungen Für ihr Engagement und ihr uneigennütziges Eintreten für die Belange des Elektrohandwerks wurden Hans-Jürgen Blank, Reinhard Neumann und Manfred Schmeltz mit der Ehrennadel des Landesinnungsverbandes in Gold ausgezeichnet (Bild ). H. Elster 12. Verbandstage des LIV Berlin-Brandenburg in Fürstenwalde SOS-Ruf des Elektrohandwerks Am 6. und 7. September veranstaltete der LIV Berlin-Brandenburg seine 12. Verbandstage. Erwartungsgemäß standen wirtschaftliche Fragen im Vordergrund und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Handwerk. Der zweite Tag war ganz der Weiterbildung im Rahmen einer interessanten Fachtagung gewidmet. Podiumsdiskussion mit Politikern zur Frage „Wer rettet das Handwerk“ (v.l.n.r. A. Voßhoff, CDU; R. Kutzmutz, PDS; W.-B. Wenkel, Moderation; C. Behm, B 90/Grüne; J. Türk, FDP; H.-J. Slischka, LIV) Landesinnungsmeister Günter Hermann forderte von den Politikern bessere Rahmenbedingungen für das Handwerk Mit der goldenen Ehrennadel des LIV ausgezeichnet wurden die Gründungsmitglieder R. Neumann, r. mit Gattin; H.-J. Blank und M. Schmeltz, l. mit Gattin

Autor
  • H. Elster
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