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Elektrotechnik
Verbandstage des LIV Berlin/Brandenburg - Mit dem Markt muss sich auch das Handwerk ändern
ep10/1999, 1 Seite
Wirtschaftliche Situation Das Elektrohandwerk der Region Berlin-Brandenburg befindet sich nach wie vor in einer miserablen Lage: · Die Preise haben ein ruinöses Niveau erreicht. · Das Auftragsvolumen ist nach wie vor rückläufig. · Die Zahlungsmoral ist unbefriedigend. Bagatellhafte Mängel und Gaunerei tragen dazu bei, daß die Ausbauhandwerker vielfach in ihrer Existenz gefährdet sind. Diese Situation ist unverständlich, da in Berlin sehr viel gebaut wird. Nutznießer sind jedoch vorrangig auswärtige Unternehmen. Verbesserung der Rahmenbedingungen Mit großem Nachdruck mahnt der LIV die Verbesserung der Rahmenbedingungen an, um endlich die Situation des Handwerks zu verbessern. In diesem Jahr wird eine Steigerung der Insolvenzen um 30 % vorausgesagt. Deshalb sind umgehend durch die Landesregierungen folgende Forderungen zu erfüllen: Gewerbezulassung. Die Zahl der Gewerbezulassungen ist zu begrenzen. Zu viele Handwerksbetriebe bieten ihre Leistungen an. Im Kammerbezirk Frankfurt/O. z. B. waren zur Wendezeit ca. 2000 Handwerker registriert, jetzt sind es schon fast 9000. Zahlungsfristen sind gesetzlich zu regeln, denn der Handwerker ist für seine Kunden der beste Kreditgeber - und das zinslos. Dieses wird sowohl vom Kunden als auch von der öffentlichen Hand schamlos ausgenutzt. Elektroenergieeinsatz. Nach wie vor besteht in Berlin ein Verbot, zusätzliche Nachtstrom-Speicherheizungsanlagen zu installieren. In Brandenburg ist das Gesetz zwar durch Initiative des LIV abgeschafft worden, Fördergelder erhalten aber nur solche Projekte, welche die Nachtstrom-Speicherheizung nicht beinhalten. Auch der Einsatz der Wärmepumpentechnik wird behindert. Das Setzen von Erdspießen z. B. erfordert ein Gutachten (Kostenaufwand von über 5.000,- DM). Auftragsvergabe. Insbesondere aufgrund fehlender Mittel erhält fast immer der billigste Anbieter den Zuschlag (auch von der öffentlichen Hand). Gefordert wird, daß trotz knapper Mittel die Aufträge korrekt und vorbildlich - wenn irgend möglich kleinteilig nach Fachlosen aufgeteilt und bevorzugt an ortsansässige Betriebe - vergeben werden. Außerdem ist ein Vergaberaster notwendig, nach dem von vornherein sowohl der billigste als auch der teuerste Anbieter ausgeschlossen werden. Zusätzlich ist ein Zuschlagssystem einzuführen, welches den Leistungsanbietern keinen Anreiz mehr schafft, Lohndumping und fragliche Handwerkskunst anzubieten. Anbieten neuer Techniken und Leistungen Die Elektrohandwerke bieten aufgrund der hohen Innovationsfähigkeit der Elektroindustrie ständig neue technische Lösungen an. Diese werden durch die Kunden jedoch viel zu wenig genutzt. Gründe hierfür sind: · Der Anschaffungspreis neuer Techniken ist meist höher, als der vergleichbarer konventioneller Methoden. · Das Handwerk versteht es noch nicht genügend, den Kunden von den Vorteilen zu überzeugen. Gebäudesystemtechnik. Beim Vergleich der für ein Gebäude über einen längeren Zeitraum aufzubringenden Kosten zeigt sich, daß die Berücksichtigung moderner Gebäudesystemtechniken beim Erstellen eines Gebäudes die mittel- und langfristigen Kosten überproportional senkt. Wer heute ein Verwaltungsgebäude plant, ohne z. B. in den Fluren nutzerabhängige Lichtsteuerungselemente zu installieren, übergibt seinem Bauherren bei Fertigstellung bereits ein veraltetes Gebäude. Energie-Contracting. Durch den Einsatz moderner Gebäude-Management-Systeme sind Einsparungen in Milliardenhöhe erreichbar (Energiekosten, externe ökologische Kosten). Hier bestehen für das Elektrohandwerk noch große Möglichkeiten, z. B. bei der Einzelraumregelung der Heizung in Schulen. Die Elektrohandwerke sind dafür prädestiniert, diese Steuerungsanlagen zu planen, zu berechnen und zu installieren. Dem Elektrohandwerks-Fachbetrieb wird deshalb unbedingt geraten, an Schulungen für Gebäudetechnik teilzunehmen. Sie müssen insbesondere in die benachbarten Gewerke hineingehen, um die gesamte Haustechnik steuerungstechnisch zu übernehmen. Bündelung der Kräfte. Um im härter werdenden Markt zu bestehen ist es außerdem notwendig, die Potentiale des Handwerks territorial zusammenzuführen. Nur so ist es möglich, größere Aufträge zu übernehmen. Ein hervorragendes Beispiel bildet die Gründung der efbb - der elektrofacilities berlinbrandenburg. Die der Elektro-Innung Berlin nahestehende Gesellschaft hat in den letzten Monaten erfolgreich für Klein- und Mittelbetriebe Aufträge akquiriert. Zwischenzeitlich hat sich die efbb auch erfolgreich mit anderen handwerklichen Innungen um die Gründung der Facility Management AG des Berliner Handwerks (FMB) verdient gemacht. Die Aufträge werden in Form von Einzelaufträgen zu fairen Preisen unter den beteiligten Unternehmen aufgeteilt. Gemeinsame Fachtagung Einen ersten Ansatzpunkt, die genannten Qualifikationsdefizite zu beseitigen, bildete eine gemeinsame Vortragsveranstaltung der Elektroinstallateure, -maschinenbauer, -mechaniker und Fernmeldeanlagenelektroniker. Das breite Themenspektrum entsprach der Neuordnung der Gewerke und fand großes Interesse. Über den TV-Manager zum EIB-System referierte U. Isenbügel (ZVEH), die neuesten Systeme zur Hauskommunikation stellte M. Gries (Siedle & Söhne) vor und L. Albrecht (Fachgruppe Elektromaschinenbauer) begeisterte mit seinem Beitrag zum handwerklichen Engagement bei der Magnetschwebebahn Berlin-Hamburg. Ergänzt durch Ausführungen von L. Kaiser (Schupa) zum praxisgerechten Einsatz von LS-Schaltern und RCD gestaltet H.-J. Slischka, Landesbeauftragte für Technik, ein Seminar zur fachgerechten Installation sowie der Erst- und Wiederholungsprüfung. Insbesondere die juristische Aufarbeitung des Prüferfordernisses und der Nachweisführung sowie Dokumentierung wurde von den Teilnehmern aufmerksam verfolgt. Eine gelungene Veranstaltung im Rahmen der Verbandstage. H. Elster Elektropraktiker, Berlin 53 (1999) 10 880 Branche aktuell Verbandstage des LIV Berlin-Brandenburg Mit dem Markt muß sich auch das Handwerk ändern Die Verbandstage am 2. und 3. September 1999 im Seehotel in Zeuthen boten den 2.032 im LIV Berlin-Brandenburg organisierten Betrieben die Gelegenheit einer Stanortbestimmung. Die Diskussionen ergaben die Notwendigkeit, kreativ an neue Lösungen und Märkte heranzugehen sowie Nischen zu besetzen, um die eigene Existenz und die des E-Handwerks zu sichern. Landesinnungsmeister M. Schmeltz forderte in seinen Ausführungen während der öffentlichen Hauptversammlung: Handwerk und Politik müssen sich an einen Tisch setzen und über die Probleme, die das Handwerk betreffen, diskutieren und vernünftige Lösungen finden. In seinem Grußwort ging Staatssekretär D. Ernst nur sehr allgemein auf die Forderungen des Handwerks ein: Nicht der billigste Anbieter darf den Auftrag erhalten (kurzsichtig), die Elektroenergie darf nicht benachteiligt werden; aber ansonsten regelt aus seiner Sicht der Markt die vorhandenen Probleme.
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Autor
- H. Elster
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