Photovoltaik
Zweite PV-Anlage: Ist das sinnvoll?
Martin Brandis, Energieexperte von der Energieberatung der Verbraucherzentrale, erklärt, unter welchen Bedingungen eine zweite Photovoltaik-Anlage sinnvoll ist, und bewertet mögliche Optionen.
Wer sich einmal für eine Photovoltaik-Anlage entschieden hat, blickt meist auf gute Erfahrungen zurück. Ist es sinnvoll, zusätzlich zu einer bereits installierten 10-kWp-Anlage auf dem Dach eines Einfamilienhauses eine weitere Anlage zu errichten? Zunächst erzeugen 10-kWp-Anlagen in den meisten Einfamilienhäusern bereits ohne Erweiterung mehr Strom, als im Haus verbraucht wird. „Dennoch ist eine zweite Anlage ein Schritt auf dem Weg zu mehr Autarkie“, sagt Martin Brandis. Mehr Photovoltaik sorgt dafür, dass auch mehr Strom aus eigener Erzeugung verbraucht werden kann.
Jedoch bedeutet eine zusätzliche Anlage auch einen höheren Anteil an eingespeistem Strom ins Netz. Obwohl der eingespeiste Strom mit bis zu 8,11 Cent pro kWh vergütet wird, spart eine selbst erzeugte und genutzte kWh je nach individuellem Strompreis etwa 30 Cent Strombezug ein. Wenn also anteilig mehr Strom eingespeist als selbst genutzt wird, verschlechtert sich die Wirtschaftlichkeit der PV-Anlage.
Darüber hinaus spielt auch der Standort einer weiteren Anlage eine wichtige Rolle bei der Entscheidung. Ideal ist es, wenn auf nach Süden ausgerichteten Flächen noch Platz ist, da dort der Stromertrag am höchsten ist. Allerdings können zusätzliche Anlagen auf Ost- und Westdächern ebenfalls sinnvoll sein. Obwohl der Maximalertrag nicht erreicht wird wie bei Süddächern, ermöglicht die Verteilung der Stromerzeugung über den Tag von morgens bis abends einen höheren Anteil an selbst verbrauchtem Strom. Unvorteilhaft sind Flächen, die ganz oder teilweise durch Bäume oder benachbarte Gebäude verschattet werden.
Wenn ein Elektroauto angeschafft wird oder die Beheizung auf eine elektrisch betriebene Wärmepumpe umgestellt wird, steigt der Strombedarf. Dies kann ebenfalls ein Grund für die Anschaffung einer zweiten Photovoltaikanlage sein. Außerdem kann der Anteil des selbst verbrauchten Stroms durch einen Batteriespeicher erhöht werden. In Haushalten ohne Speicher liegt die Eigenerzeugung selten über 30 % des jährlich verbrauchten Stroms. Mit einem Speicher ist eine Erhöhung auf 50 % möglich. Eine zweite PV-Anlage kann diesen Anteil weiter steigern. Die Erweiterung eines bereits vorhandenen Speichers ist in der Regel nicht erforderlich.
Wird der Einspeisepreis bei einer weiteren Anlage geringer?
Die Vergütung für den erzeugten Strom wird gemäß den Bestimmungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) festgelegt. Aufgrund unterschiedlicher Zeitpunkte der Inbetriebnahme können beide Photovoltaikanlagen unterschiedliche Vergütungssätze haben. Grundsätzlich können Strom aus zwei Anlagen behandelt werden wie Strom aus einer Anlage, wenn sie auf demselben Gebäude installiert sind. In diesem Fall kann auch ein gemeinsamer Stromzähler verwendet werden, um den Strom zu messen, und es wird ein durchschnittlicher Vergütungssatz entsprechend den Leistungen der jeweiligen Anlagen ermittelt.
Lohnt sich eine zweite PV-Anlage, wenn sich der Eigenverbrauch nicht nennenswert erhöht?
Selbst ohne die Anschaffung eines neuen Elektroautos oder einer Wärmepumpe kann eine zusätzliche PV-Anlage attraktiv sein, insbesondere wenn die zweite Anlage für die "Volleinspeisung" vorgesehen ist. Das bedeutet, dass der gesamte erzeugte Strom der zweiten Anlage in das Stromnetz eingespeist wird und nicht selbst verbraucht oder gespeichert wird.
In diesem Szenario ist die Einspeisevergütung für den Strom aus der zweiten Anlage höher und liegt derzeit bei Anlagen bis zu zehn kWp bei 12,87 Cent pro kWh. In diesem Fall handelt es sich um zwei Anlagen mit separaten Stromzählern.
Gibt es kleine Speicher, die nachts nur den Haushaltsgrundverbrauch liefern und sich lohnen?
Ein Batteriespeicher ermöglicht es, den tagsüber erzeugten Strom zu speichern, um ihn später zu nutzen. Nachts oder in der Dämmerung, wenn die PV-Anlage nicht genug Strom liefert, kann der gespeicherte Strom entladen werden, um den Bedarf zu decken.
Jedoch werden oft Batteriespeicher installiert, die zu groß sind. Als Richtlinie für die Speichergröße empfiehlt Martin Brandis eine Kilowattstunde Batteriekapazität pro 1.000 kWh Jahresstromverbrauch. Das bedeutet: Für einen Haushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 5.000 kWh wäre ein Speicher mit 5 kWh Kapazität eine angemessene Orientierung.

