Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Tücken der Netzberechnung
In diesem Beitrag wird ein Projekt aus der Praxis besprochen, bei dem eine alte Sprinkleranlage eines größeren Verwaltungsgebäudes gegen eine neue, leistungsstärkere ausgetauscht wurde – leider mit vorherigen Fehlern bei der Netzberechnung mit einer Software. Es wird auf einige Planungsversäumnisse und -fehler aufmerksam gemacht und die Planungsaspekte zum Anschlusspunkt einer Sprinkleranlage im Netz werden diskutiert.
In einem Verwaltungsgebäude wurde innerhalb des bestehenden SV-Netzes die alte Sprinkleranlage gegen eine neue und leistungsfähigere ersetzt. Das SV-Netz wird gemäß dem skizzierten Übersichtsschaltbild (Bild) im AV-Betrieb (bei der ungestörten allgemeinen Stromversorgung) aus dem Transformator und im SV-Betrieb (bei der gestörten/ausgefallenen allgemeinen Stromversorgung) aus dem Stromerzeugungsaggregat (Sicherheitsstromquelle) versorgt.
Die MS-Schaltanlage, der Transformator, das Stromerzeugungsaggregat, die NS-Schaltanlagen, die Kabelanlagen sowie die Stromschienenverteiler blieben bei dem Austausch der Sprinkleranlage unverändert.
Seitens der Elektrofachplanung wurde entschieden, die neue Sprinkleranlage dem neuen Sprinklerversorgungskonzept entsprechend von der Unterverteilung UV-SV-2 einzuspeisen. In der UV-SV-2 war der Leistungsschalter Q9 als Reserve vorhanden.
In dem Zusammenhang berechnete und betrachtete die Elektrofachplanung die Zuleitung der neuen Sprinkleranlage sowie den genannten freien Leistungsschalter Q9. Hierfür wurde eine der besten Berechnungssoftwaren für die Netzberechnung angewendet und die Ergebnisse dokumentiert.
Überprüfung zeigt ernste Probleme auf
Nachdem, den Ergebnissen der durchgeführten Netzberechnung entsprechend, die Zuleitung der neuen Sprinkleranlage verlegt wurde, verlangte der TÜV im Rahmen der technischen Abnahme und zur Einstellung des Leistungsschalters Q9 eine abschließende Netzberechnung. Dafür wurde ein Spezialist für die Netzberechnung engagiert.
Die neue Netzberechnung wurde für folgende Betriebsarten erstellt:
SV-Netz mit Speisung aus dem Transformator und
SV-Netz im Generatorinselbetrieb mit Speisung aus dem Stromerzeugungsaggregat.
Im SV-Netz sollen unter anderem folgende Kriterien gleichzeitig erfüllt sein:
der Netzschutz muss erfüllt sein;
der Netzschutz muss dabei den Anlauf der Sprinkleranlage ermöglichen;
die selektive Fehler- bzw. Kurzschlussabschaltung soll ebenso gewährleistet sein.
Die Kriterien a), b) und c) müssen für die beiden genannten Netzbetriebsarten erfüllt sein.
Im Generatorinselbetrieb soll auch der dynamische Spannungsfall während des Anlaufs der Sprinkleranlage an den Ausgangsklemmen des Generators moderat sein und die anderen SV-berechtigten Verbraucher nicht stören.
Dabei wurden zwei Kaskaden der Überstromschutzeinrichtungen betrachtet. Die erste Kaskade stellt die Reihenschaltung aller Überstromschutzeinrichtungen ausgehend von der MS-Schaltanlage bis zur Sprinklerzentrale dar.
Die zweite Kaskade enthält alle in Reihe geschalteten Überstromschutzeinrichtungen, ausgehend vom Generatorschaltschrank bis zur Sprinklerzentrale.
Autor: Dipl.-Ing. (Univ.) Dragan Sofic

