Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Querschnitt von Leitern – elektrisch oder geometrisch?
Im ep Sonderheft „Messen und Prüfen“ sind Widerstandswerte von Kupferleitern enthalten. Einem aufmerksamen Leser fiel auf, dass die darin enthaltenen Werte nicht den Werten entsprechen, die sich bei der Berechnung nach der klassischen Formel ergeben. Leider wird in der Aus- und Weiterbildung sehr oft davon ausgegangen, dass der Leiterquerschnitt dem geometrischen Querschnitt des Kupfers entspricht.
Aktuell kann Kupfer mit einem Reinheitsgrad von > 99,9 % hergestellt werden. Besonders reine und veredelte Kupfersorten kommen damit auf eine normierte Leitfähigkeit von κ= 58,6 m/(Ω ∙ mm2) – so etwa sauerstofffreies Kupfer (OF-Cu; oxigen free). Üblicherweise wird für Kupfer in Kabeln und Leitungen jedoch höchstens Kupfer mit einem κ = 58 m/(Ω ∙ mm2) eingesetzt.
Die Hersteller von Kabeln und Leitungen haben natürlich das Bestreben, möglichst wenig Material einsetzen zu müssen. Wird nun besonders reines (leitfähiges) Kupfer verwendet, so lässt sich auch mit weniger Kupfer die geforderte Leitfähigkeit erzielen. Entsprechend weniger Isoliermaterial ist notwendig, da der Leiterdurchmesser auch kleiner wird. Zusätzlich lässt sich auch noch Material einsparen, wenn die Leiter „verdichtet“ oder „hochverdichtet“ werden, sodass sich der Leiterdurchmesser um bis zu 15 % verringert. Dadurch wird eine Querschnittsbestimmung gerade bei größeren Querschnitten nur durch Besichtigen fast unmöglich. Selbst bei kleineren Querschnitten wie 4 oder 6 m2 geraten auch gestandene Fachkräfte in den Bereich der Spekulation, welcher Querschnitt vorliegt.
Autor: M. Lochthofen
Literatur:
[1] Rohlof, K.: Berechnung des Leiterwiderstands; Leseranfragen, Elektropraktiker Berlin 74 (2020) 6, S. 444.
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