
Rechtliche Grundlagen und Organisation
Prüfen nach DIN VDE 0701-0702
Das Thema „Prüfen der elektrischen Sicherheit“ wird immer wichtiger im täglichen Arbeitsbereich einer Elektrofachkraft. Für viele Elektrofachkräfte ist es jedoch nicht alltäglich, Prüfungen durchzuführen. Um Prüfungen vollständig, richtig und sicher durchführen zu können, werden Kenntnisse und Erfahrungen benötigt. Prüfen ist keine Magie, doch wenn man sich nicht mit dem Thema auseinandergesetzt hat, kann es fast so aussehen. Mit dieser Serie sollen die bereits erworbenen Kenntnisse vertieft und erweitert werden.
um die Sicherheit von Arbeitsmitteln bestätigen zu können.
Nun gibt es nicht „die“ befähigte Person, sondern es gibt ganz viele verschiedene. Oftmals ist für ein komplexes Arbeitsmittel mehr als nur eine befähigte Person nötig, um eine komplette Prüfung durchzuführen. Bei der Baukreissäge im Bild 2 ist es nicht nur wichtig die Messungen nach DIN VDE 0701-0702 [6] durchzuführen, sondern auch Dinge, die eher ein Mechaniker besser kann. So gilt auch in dem Bereich die Definition der befähigten Person – nur dass diese befähigte Person eben nicht elektrische Parameter prüft.
Auch innerhalb der elektrischen Sicherheit kann es kaum eine befähigte Person für alle elektrischen Geräte geben. Um die Sicherheit richtig zu bewerten und – vor allem – die richtigen Prüfungen durchzuführen, ist es wichtig, sich mit dem Prüfling auszukennen – nicht nur in der Bedienung und Funktion des Gerätes, sondern auch mit dem inneren Aufbau.
Ebenso wichtig ist es für die befähigte Person, dass sie sich mit ihren Prüfgeräten auskennt. Sie muss wissen, wie diese funktionieren und wo deren Grenzen und Schwächen sind. Wenn sie nicht weiß, wie das Prüfgerät seine Messungen durchführt, wird sie nicht bewerten können, woran es liegt, wenn ein Ergebnis von den erwarteten Werten abweicht. Aber genau diese Bewertung ist es, was eine befähigte Person von einer unterwiesenen Person unterscheidet.
Regelmäßige Weiterbildung ist nicht nur bei der „normalen“ Elektrofachkraft vorgeschrieben, auch die befähigte Person muss sich immer auf dem Stand der Technik halten – in ihrem Fachbereich. Dazu gehört auch, dass das gelernte regelmäßig und mehrfach im Jahr angewendet wird. Praxiserfahrung ist vorgeschrieben.
Eigentlich könnte man den Inhalt der TRBS 1203 ganz einfach ausdrücken: Der Prüfer muss es können. Allumfänglich. Dazu hat er den theoretischen Hintergrund, um zu verstehen, was er dort eigentlich tut („sind 250 mΩ viel oder wenig?). Er weiß, wie sein Messgerät arbeitet. Er kennt die Geräte, die er durchprüft („geht diese Pumpe jetzt kaputt wenn ich sie trocken einschalte?“, „Prüfe ich mit dieser Messung das gesamte Gerät durch, oder nur die Anschlussleitung bis zum Schalter?“). Er weiß, wie die Anforderungen an die Geräte sind (Stichwort Wiederanlaufschutz). Er steht mitten im Thema drin und bekommt mit, wenn es Änderungen in den Anforderungen gibt.
Man darf nicht vergessen, dass man durchaus auch mit einem Gerätetester die zu prüfenden Geräte zerstören, oder auch sich selbst und andere gefährden kann.
Neben den Anforderungen der BetrSichV und der TRBS gibt es eine Definition nach VDI-Richtlinie 4068 Blatt 4 [7], die in vielen Punkten noch strenger ist als die TRBS 1203. Allerdings gelten VDI-Richtlinien nur, wenn sie zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer vereinbart werden. Zusammengefasst muss jemand, der elektrische Geräte prüfen möchte, nach dem Willen des VDI:
- eine abgeschlossene elektrotechnische Berufsausbildung haben,
- mindestens ein Jahr – in Bezug auf die Prüfaufgabe – berufstätig gewesen sein,
- ausreichend durch andere befähigte Personen in die Prüfaufgabe eingewiesen sein,
- eine Schulung zu dem Thema besucht haben (mindestens 2 Tage), und diese mit einer theoretischen und praktischen Prüfung abgeschlossen haben sowie
- spätestens alle drei Jahre an einer Weiterbildung zu diesem Thema teilnehmen.
Die Anforderungen sind also allgemein sehr hoch – aber jemand der eine elektrotechnische Ausbildung hat, bringt das grundlegende Wissen eigentlich schon mit. Diese Person kann sich das geforderte Können und die Erfahrung aneignen. Wer sonst sollte denn elektrische Gefährdungen beurteilen können? Der Gärtner sicherlich nicht.
Geltungsbereich der DIN VDE 0701-0702




