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Dominique Saile, Bild: Dominique Saile/VDI
Betriebsorganisation | Innungen und Verbände

KI im Personalwesen

Praxis-Tipps: KI im Bewerbungsprozess

01.04.2026

Der Arbeitsmarkt ist im Umbruch, künstliche Intelligenz verändert dabei aber nicht Joballtag und Geschäftsmodelle, sondern auch Bewerbungsprozesse. Klug eingesetzt, können KI-Tools Zeit sparen, Texte auf den Punkt bringen und bei einer strukturierteren Vorbereitung helfen. Doch wie sorge ich dafür, dass meine Bewerbung nicht „von der KI-Stange“ ist, sondern maßgeschneidert? KI-Berater Dominique Saile gibt im Gespräch mit dem VDI praktische Tipps und warnt vor typischen Fehlerquellen.

VDI: Viele nutzen KI bereits für Texte. Wo sehen Sie im Bewerbungsprozess den größten konkreten Mehrwert von KI-Tools?

Dominique Saile: Im Bewerbungsprozess gibt es viele sinnvolle Einsatzmöglichkeiten für KI – vom Korrekturlesen über Ideensammlung bis hin zur Recherche. Der größte Mehrwert liegt aus meiner Sicht aber in der Simulation des gesamten Prozesses. Man kann der KI zum Beispiel die Stellenbeschreibung und das eigene Anschreiben geben und anschließend ein realistisches Bewerbungsgespräch simulieren lassen. Dadurch bereitet man sich nicht nur inhaltlich besser vor, sondern reflektiert auch die eigene Position: Warum bin ich wirklich die passende Person für diese Stelle? Diese Art der Vorbereitung hilft enorm, Sicherheit zu gewinnen. Es geht nicht darum, Antworten auswendig zu lernen, sondern darum, die eigene Argumentation zu schärfen und selbstbewusst ins Gespräch zu gehen.

VDI: Gute Ergebnisse hängen stark von der Eingabe ab. Was hilft, damit KI-Tools präzise und fachlich belastbare Ergebnisse liefern?

Dominique Saile: Entscheidend ist ein Wort: Kontext. Viele sprechen von „Prompt Engineering“, aber eigentlich geht es um „Kontext Engineering“. Die Qualität der Ergebnisse hängt maßgeblich davon ab, wie gut die KI versteht, wer ich bin, was ich erreichen möchte und in welchem Rahmen sie antworten soll. Wenn ich nur schreibe: „Verfasse mir ein Anschreiben“, bekomme ich ein generisches Ergebnis und viele andere erhalten ein sehr ähnliches. Wenn ich hingegen die Stellenbeschreibung, meine Ziele, meine Erfahrungen und meine Alleinstellungsmerkmale mitliefere, entsteht ein deutlich individuelleres und belastbareres Resultat. Ein zusätzlicher Tipp: Man kann die KI auch selbst reflektieren lassen. Wenn das Ergebnis nicht überzeugt, einfach fragen: „Welche Informationen hätten dir gefehlt?“ oder „Wie müsste mein Prompt besser formuliert sein?“ Das macht die Zusammenarbeit deutlich effektiver.

VDI: Was sind die Top-Tipps, mit denen ich sofort die KI sinnvoll für Bewerbungen einsetzen kann?

Dominique Saile:

  • die Simulation eines Bewerbungsgesprächs
  • ein weiterer Klassiker: das eigene Anschreiben analysieren lassen

Fragen wie „Wo klingt es noch unklar?“, „Was würdest du verbessern?“ oder „Wo fehlt noch Substanz?“ liefern oft wertvolle Hinweise. Wichtig ist dabei, mit einem vorhandenen Entwurf zu arbeiten und nicht alles komplett generieren zu lassen. Wichtig ist jedoch: Man bleibt selbst im Driver’s Seat. Die KI ist Sparringspartner, nicht Entscheidungsträger.

VDI: Wo liegen die größten Risiken bei der Nutzung von KI im Bewerbungs- und Arbeitsalltag – etwa in Bezug auf Datenschutz, inhaltliche Qualität oder Authentizität?

Dominique Saile: Das ist eine typische Frage, die zum Glück recht einfach zu beantworten ist. Beim Datenschutz gilt: In öffentliche KI-Modelle sollte man nur Inhalte eingeben, die einem selbst gehören oder die man bewusst teilen möchte. Wer seinen eigenen Lebenslauf oder sein Anschreiben hochlädt, trifft eine persönliche Entscheidung. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass man damit sensible Daten verarbeitet. Kritisch wird es, wenn fremde oder vertrauliche Informationen eingegeben werden, die so noch nicht im Netz sind. Das sollte unbedingt vermieden werden. Inhaltlich ist es wichtig zu sehen, dass KI den Prozess deutlich beschleunigen kann, aber sie nicht das das eigene Denken ersetzt. Wer hohe Qualität möchte, muss Zeit investieren, vor allem in guten Kontext und sorgfältige Nachbearbeitung. KI verkürzt Prozesse, aber sie macht aus 1 Stunde Arbeit nicht 1 Minute, sondern eher 15, wenn das Ergebnis wirklich überzeugen soll. Und schließlich das Thema Authentizität: Recruiter erkennen mittlerweile sehr schnell generische KI-Texte.

VDI: Was sind besondere Schwierigkeiten für Bewerber und Bewerberinnen, die KI nutzen, da sie sich nicht in ihrer Muttersprache bewerben?

Dominique Saile: Ich würde das weniger als Schwierigkeit, sondern vielmehr als große Chance sehen. KI ist ein hervorragendes Übersetzungs- und Sprachunterstützungstool. Bewerberinnen und Bewerber können in ihrer Muttersprache formulieren, was sie sagen möchten, und die KI darum bitten, den Text professionell in der Zielsprache auszuarbeiten. Das kann sprachliche Hürden deutlich reduzieren, gerade bei komplexen Formulierungen oder Fachbegriffen. Wichtig ist jedoch, dass man die Zielsprache zumindest so gut beherrscht, dass man das Ergebnis prüfen und einordnen kann. Man sollte verstehen, was dort steht, und nicht blind vertrauen. Auch hier gilt: nicht den einfachen Weg gehen und alles komplett generieren lassen, sondern mitdenken, anpassen und verfeinern.

Interview: Gudrun Huneke

Quelle: VDI