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Flüssiggas-Studie

LNG-Import mit Umweltbelastungen verbunden

10.07.2023

Das Ifeu-Institut hat in einer Studie herausgefunden, dass Flüssiggas (LNG) im Vergleich zu gasförmigem Erdgas eine klimaschädlichere Vorkette besitzt. Die Studie enthüllt aktuelle Daten, untersucht die Gründe für dieses Phänomen und zeigt mögliche Lösungsansätze auf.

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Im Auftrag der Wissenschaftsplattform Klimaschutz untersuchte das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH (Ifeu) die Treibhausgas-Emissionen, die mit dem Import von Flüssigerdgas (Liquified Natural Gas, LNG) nach Deutschland einhergehen, bevor es verfeuert wird.

Der Import von Flüssiggas (LNG) aus verschiedenen Ländern in Deutschland ist mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden, insbesondere entlang der Vorkette, die die Förderung, Aufbereitung, Verflüssigung und den Transport umfasst. Im Vergleich zur späteren Verbrennung in Kraftwerken und Heizungen führt dies zu einer zusätzlichen Erzeugung von Klimaemissionen von bis zu 50 %. Eine der Ursachen dafür sind Methanemissionen, die bislang nicht ausreichend berücksichtigt wurden und schädlich für die Umwelt sind. Das zeigt die aktuelle ifeu-Studie.

„Deutschland und die EU sollten dringend eine saubere und emissionsarme Erdgasförderung in Ländern wie Algerien, Katar, Nigeria und den USA einfordern“, erklärt Studienleiter Daniel Münter die Ergebnisse.

Deutschland muss auf saubere Förderung pochen

Der veröffentlichte Bericht „Analyse der Treibhausgasintensitäten von LNG-Importen nach Deutschland“ zeigt, dass es vor allem die Emissionen des extrem potenten Klimagases Methan sind, die LNG vergleichsweise klimaschädlich machen. Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas, das bei der Förderung und dem Transport von LNG freigesetzt wird.

„Die Vorkette – also Förderung, Aufbereitung und Transport – sind schon immer Teil der Umweltwirkung von Erdgas gewesen. Beim LNG schneidet dieser Abschnitt aber deutlich schlechter ab als bei Pipelinegas aus vielen anderen Ländern,“ erklärt Münter.

Die Verbrennung von Gas, sei es in Kraftwerken oder Heizungen, verursacht ungefähr 56 gCO2e/MJ an Emissionen. Beim Erdgas aus Algerien, das als Flüssiggas nach Deutschland importiert werden könnte, belaufen sich die zusätzlichen Emissionen entlang der Vorkette auf etwa 27 gCO2e/MJ. Flüssiggas (LNG) aus den USA weist eine Vorkettenbelastung von etwa 23 gCO2e/MJ auf, während Katar knapp 18 gCO2e/MJ aufweist. Zum Vergleich: Die Vorkette für Pipelinegas aus Norwegen trägt nur etwa 3 gCO2e/MJ bei.

Der Hauptteil der Emissionen entsteht während der eigentlichen Produktion von Erdgas, einschließlich der Förderung und Aufbereitung an den jeweiligen Standorten. In Algerien beläuft sich der Ausstoß von Klimagasen während dieser Vorkettenprozesse auf über 19 gCO2e/MJ, während er in Katar "nur" etwa 7 gCO2e/MJ beträgt. Das bedeutet, dass die Emissionen entlang der Vorkette in Algerien ungefähr zweieinhalbmal so hoch sind wie in Katar.

In allen Förderländern tritt bei der Produktion von Erdgas aus undichten Leitungen und Anlagen Methan aus. Es gibt jedoch eine Faustregel: Je älter die Fördertechnik ist und je lückenhafter die Kontrolle durch die Behörden erfolgt, desto wahrscheinlicher ist es, dass mehr Erdgas freigesetzt wird. Dieser Umstand erklärt den Großteil der Unterschiede zwischen den untersuchten Lieferländern. Darüber hinaus kommt es gelegentlich vor, dass absichtlich Gas abgelassen wird, wenn Ausrüstung oder Bohrlöcher gewartet werden müssen. Eine besondere Situation besteht in den USA. Da dort hauptsächlich "unkonventionelles" Erdgas durch Fracking gewonnen wird, ist die Anzahl der Bohrlöcher viel höher als zum Beispiel in Katar. Dadurch ist auch die Anzahl potentiell undichter Anlagen deutlich größer.

Methanproblem ließe sich lösen

Die zusätzlichen klimarelevanten Emissionen aufgrund der Verflüssigung vor Ort und der Regasifizierung in Deutschland sind für alle Länder ähnlich (zwischen 6,3 und 8 gCO2e/MJ). Im Vergleich dazu spielt der Transport von der Produktionsstätte zum Verladehafen eine untergeordnete Rolle und verursacht nur geringe Emissionen (0,1 bis 1 gCO2e/MJ).

Wegen der Verflüssigung und des Transports würde LNG auch im besten Fall eine schlechtere Klimabilanz aufweisen als Erdgas, das in Europa produziert wird. Doch zumindest die Methanemissionen wären weitgehend vermeidbar – worauf auch ein aktueller Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) hinweist. Die Förderländer könnten die Investitionen in eine bessere Technik sogar schnell wieder einspielen, da sie weniger Erdgas verlieren und in der Folge mehr Erdgas verkaufen könnten.

Die EU erarbeitet in einer „Methanstrategie“ zwar inzwischen technische Regeln für die Gasförderung innerhalb Europas. „Der Löwenanteil der Methanemissionen des von uns genutzten Erdgases entsteht jedoch außerhalb Europas und da ist die EU gerade in der jetzigen Importabhängigkeit noch sehr zaghaft“, so Münter.


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