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Nutzfahrzeuge
Erdgasantrieb von Transportern bleibt attraktiv
ep5/2007, 4 Seiten
Umweltfreundlicher Antrieb Der Umstieg auf den Gasantrieb ist unter allen alternativen Konzepten derzeit am leichtesten realisierbar. Erd- und Flüssiggas belasten die Umwelt mit weniger Schadstoffen als Benzin oder Diesel. Dabei hat Erdgas das größte Potential zur Verminderung des derzeit heiß diskutierten Kohlendioxid (CO2)- Ausstoßes. Wenn ihm z. B. noch regenerativ erzeugtes Biogas beigemengt wird, kann die Umweltbelastung weiter reduziert werden. Deshalb konzentrieren Autohersteller wie Opel und VW ihre Forschung, Entwicklung und Produktion auf den Erdgasantrieb. Nur allein Ford unterstützt den Flüssiggasbetrieb. Dessen Anlage ist zwar leichter nachrüstbar, aber dem Erdgas in der Wirtschaftlichkeit unterlegen. Bei gasbetriebenen Fahrzeugen entstehen fast keine Rußpartikel, weshalb die Nutzer von Gasfahrzeugen keine Einschränkungen in den künftigen Umweltzonen der Städte befürchten müssen. Aktuelle Fahrzeug-Palette Das Angebot an Erdgas betriebenen Transportern (Kastenwagen) ist in Deutschland überschaubar: sechs Kleintransporter und zwei 3,5-Tonner (Tafel ). Wegen des gerade stattgefundenen Generationswechsels in der größeren Klasse sind Erdgasvarianten von Mercedes Sprinter, VW Crafter, Fiat Ducato, Peugeot Boxer und Citroën Jumper zur Zeit noch nicht zu haben. Nur Ford und Iveco sind damit präsent - Iveco sogar mit monovalentem Motor (Bild ). Beim Ford Transit ist ab Werk auch eine Umrüstung auf Autogas zum Mehrpreis von 2920 Euro netto möglich. Mit monovalentem Antrieb Energie sparen Marktführer bei den kleinen Erdgas-Transportern sind der VW Caddy Eco Fuel und der Opel Combo 1.6 CNG (Bilder und ), deren Motoren monovalent arbeiten - also für den Betrieb mit Erdgas optimiert sind. Im Gegensatz zum bivalenten Konzept, bei dem die ursprünglichen Benzinmotoren im Prinzip unverändert mit Erdgas betrieben werden, arbeiten monovalente Motoren mit höherer Verdichtung und besserem Wirkungsgrad. Hier wird die hohe Klopffestigkeit von Erdgas (130 Oktan im Vergleich zu 95 Oktan bei Superbenzin) für eine höhere Verdichtung genutzt, z. B. beim VW Caddy Eco Fuel mit 13,5 : 1 statt sonst 10,5 : 1. Mit dieser Optimierung steigt die Leistung, was die Fahrbarkeit verbessert und den Verbrauch deutlich vermindert. Während die in Tafel aufgeführten vier bivalenten Kleintransporter etwa 6,2 kg Erdgas je 100 km verbrauchen, kommen die monovalenten auf 5,4 kg - auf 13 % weniger. Dennoch verfügen auch sie über Reservetanks für 13 bzw. 14 l Benzin. Erdgasantrieb lohnt sich für Vielfahrer Aufgrund des ermäßigten Mineralölsteuersatzes bleiben die Kraftstoffkosten für ein Gasfahr-Elektropraktiker, Berlin 61 (2007) 5 BETRIEBSFÜHRUNG Erdgasantrieb von Transportern bleibt attraktiv Mit den Preisen für Benzin und Diesel haben auch die für Gas stark angezogen. Doch die Förderung des Gasantriebs durch Fiskus und Energieversorger bleibt erhalten. Zwei deutsche Hersteller machen ihre Fahrzeuge mit dem Übergang auf das monovalente Konzept zudem sparsamer und damit attraktiver für den Nutzer. Doch der Umstieg auf Erdgastransporter ist nicht nur ein reines Rechenexempel. EP0507-387-399 19.04.2007 8:41 Uhr Seite 396 zeug weiterhin konkurrenzlos niedrig. Allerdings sind in den vergangenen zwei Jahren die Gaspreise stärker gestiegen als die von Benzin und Diesel. Die Tankstellenpreise für flüssige Kraftstoffe haben seit 2005 um 1 % zugelegt, während Autogas um 18 % und Erdgas sogar um 27 % teurer wurden. Diesen Kostenanstieg haben Opel, VW und Iveco durch den Übergang zu monovalentem Erdgasantrieb mit geringerem Verbrauch teilweise ausgeglichen. Wann sich der Umstieg rechnet Am Beispiel der beiden Erdgas-Transporter VW Caddy Ecofuel und Opel Combo CNG zeigt die Wirtschaftlichkeits-Berechnung erheblich Vorteile gegenüber einem Benziner. Die Kraftstoffkosten betragen nur 53 bzw. 57 % (Tafel ). Selbst zum Diesel spart man noch 20 %. Weil die Erdgasmodelle um 2335 bzw. 3220 Euro teurer sind als die Benziner, amortisiert sich der VW Caddy nach rund 57000 km und der Opel Combo nach 111000 km. Beim Flüssiggas-Fahrzeug betragen die Kraftstoffkosten 71 % vom Benziner. Bei Mehrkosten von 2090 Euro für die Flüssiggasanlage amortisiert sich diese Umrüstung dennoch bereits nach rund 73000 km. Weitere Vorteile nutzen Zuschüsse. Der Erdgasantrieb wird allerdings auch anderweitig gefördert. Mehr als 200 lokale Energieversorger - im Internet unter www.erdgasfahrzeug.de - erleichtern den Umstieg durch einmalige Zuschüsse von bis zu 2500 Euro oder in Form von Tankgutscheinen. Zinsgünstige Kredite. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gewährt im Rahmen ihres Umweltprogramms zinsgünstige Kredite für Gewerbetreibende. Vorteile bei Steuer und Versicherung. Auch Versicherungstarife und Kfz-Steuer sind günstiger. Einige Versicherer bieten spezielle Öko-Tarife an, was bis zu 15 % spart. Bei der Kfz-Steuer bringt die günstige Schadstoffeinstufung Ersparnisse von 50 % und mehr im Vergleich zum Diesel, da Gasfahrzeuge wie Benziner versteuert werden. Tankstellennetz noch ausbaufähig Für den Betrieb von Gasfahrzeugen ist das verfügbare Tankstellennetz aus-BETRIEBSFÜHRUNG Tafel Ab Werk lieferbare Transporter (Kastenwagen) mit Erdgasantrieb, geordnet nach Laderaum Hersteller Typ Laderaum Leistung Motorkonzept Gastankeinbau Reichweite Grundpreis m3 Gasbetrieb Gasbetrieb netto kW (PS) km Euro Renault Kangoo Rapid 2,75 60 (82) bivalent Laderaum 220 13950 Opel Combo 2,8-3,2 69 (94) monovalent Unterflur 370 15457 Citroen Berlingo 3,0 50 (68) bivalent Laderaum 200 13990 Peugeot Partner 3,0 50 (68) bivalent Laderaum 190 15150 VW Caddy 3,2 80 (109) monovalent Unterflur 430 15975 Fiat Doblo Cargo 3,2-3,8 68 (92) bivalent Unterflur 300 13580 Ford Transit 5,8-11,0 100 (130) bivalent Laderaum1) 330 27725 Unterflur2) Iveco Daily 12,0-15,6 78 (106) monovalent Unterflur 270 30100 1) bei kurzem Radstand 2) bei mittlerem und langem Radstand Nettopreis ohne Mehrwertsteuer, Stand Februar 2007 EP0507-387-399 19.04.2007 8:41 Uhr Seite 397 Elektropraktiker, Berlin 61 (2007) 5 BETRIEBSFÜHRUNG schlaggebend. In Deutschland gibt es zwar schon 2100 Tankstellen für Autogas, aber erst 736 für Erdgas. Um Gas-Tankstellen anzukündigen (Bild ), werden gerade einheitliche Verkehrszeichen eingeführt. TIPP: Die Erdgastankstellen sind auch im Internet unter www.erdgasfahrzeuge.de oder www.autogastanken.de zu finden. Zwei Gassorten Zu beachten ist, dass territorial zwei Erdgassorten angeboten werden: H-Gas (High-Gas) und L-Gas (Low-Gas). Die Angaben der Autohersteller zu Motorleistung und Verbrauch beziehen sich auf H-Gas. L-Gas ist zwar billiger, bringt aber Einbußen bei Leistung und Reichweite verbunden mit höherem Verbrauch. Das H-Gasnetz ist nahezu bundesweit aus- VW Caddy-Röntgenbild a Erdgasbehälter unter dem Fahrzeugboden Opel Combo im Röntgenbild a Erdgastanks unter Flur Werkfotos Tafel Wirtschaftlichkeitsrechnung für zwei Kleintransporter mit monovalentem Erdgasantrieb Fahrzeug Motor Leistung Verbrauch Kraftstoffpreis Kraftstoff- Kraftstoff- Fahrzeug- Mehrpreis Amortisation kW (PS) l/100km Euro/l und kosten Euro/ kosten Grundpreis in Euro km kg/100 km /kg brutto 100 km netto % netto in Euro VW Caddy Benziner 75 (102) 8,3 1,259 8,78 100 13640 0 - Diesel 77 (105) 6,3 1,099 5,82 66 15705 2065 69764 Erdgas 80 (109) 5,9 (kg) 0,939 4,66 53 15975 2335,- 56675 Opel Benziner 66 (90) 6,4 1,259 6,77 100 12237 0 - Combo Diesel 55 (75) 5,2 1,099 4,80 71 13250 1013 51421 Erdgas 69 (94) 4,9 (kg) 0,939 3,87 57 15457 3220 111034 Berechnungsgrundlagen: Kraftstoffpreise Stand 20. Februar 2007 in Berlin. Kraftstoffverbrauch nach Europäischem Fahrzyklus, Angaben der Hersteller. Amortisation aus den Hauptkostenfaktoren „Kraftstoffkosten“ und „Mehrpreis“ berechnet. EP0507-387-399 19.04.2007 8:41 Uhr Seite 398 gebaut, L-Gas ist überwiegend in Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen verfügbar. Der „Fuelmaker“ Die Unabhängigkeit vom Tankstellennetz verspricht dagegen der „Fuelmaker“. Das in Kanada hergestellte Gerät (Preis 1000 bis 1500 Euro) erlaubt die Betankung zu Hause, wenn eine hauseigene Erdgasleitung, etwa für die Heizung, vorhanden ist. Das Tanken erfolgt am besten über Nacht, da die komplette Tankbefüllung wegen des geringen Leitungsdrucks bis zu acht Stunden dauern kann. Zehn Geräte werden derzeit in Deutschland erprobt, um über den Import entscheiden zu können. Sicherheit wird großgeschrieben Von Erdgasautos geht keine erhöhte Gefahr aus. Die stabilste Komponente des Fahrzeugs ist der Kraftstofftank, der für einen Betriebsdruck von 200 bar ausgelegt ist. Die Sicherheitsprüfung des TÜV schreibt sogar einen Berstdruck von 600 bar für die Gastanks vor. Sicherheitsventile sorgen außerdem im extremen Schadensfall für gezieltes Abblasen oder Abbrennen des Erdgases und verhindern damit die Gefahr von Explosionen. Laut Dekra werden an Fahrzeugen mit Gasantrieb seit diesem Jahr bei der Hauptuntersuchung zusätzlich die Funktion der Ventile und die Dichtheit des Gasbehälters geprüft. Das Parken von Gasautos ist in Parkhäusern und Tiefgaragen nach den Bauordnungen in allen Bundesländern erlaubt. Doch das Hausrecht stellt dem Parkhausbesitzer frei, welchen Fahrzeugen er Einfahrt gewährt und welchen nicht. Betriebserfahrungen Sowohl beim VW Caddy Eco Fuel (Bilder und a) als auch beim Opel Combo CGN (Bilder und a) sind die Erdgasbehälter unter dem Fahrzeugboden untergebracht, sodass keine Einschränkung des Laderaums entsteht. Allerdings bringt die Erdgasanlage zusätzliches Gewicht. Beim VW Caddy erhöht sich das Leergewicht um 180 kg, beim Combo um 132 kg. Auch deshalb haben Opel und VW die Leistungen ihrer Erdgasmotoren erhöht. Bei niedrigen Drehzahlen verfügen sie jedoch nicht über die starken Drehmomente von Dieselmotoren. Das Tanken (Bild ) dauert nur wenig länger als bei Benzin oder Diesel. Die Zapfpistolen für Erdgas sind mit einer hermetisch dichten Füllkupplung ausgestattet. Bei einigen Fahrzeugen kam es zu Störungen an den Einspritzdüsen durch Ölrückstände im Erdgas, das aus dem Tankstellensystem stammte. Opel stattet deshalb seine Erdgasfahrzeuge generell mit einem speziellen Ölfilter aus. Fazit Der Erdgasantrieb ist trotz gestiegener Preise weiterhin attraktiv. Die Kraftstoffkosten betragen nur etwas mehr als die Hälfte gegenüber Benzin, zum Diesel spart man noch 20 %. Neben dem bis 2018 verminderten Steuersatz kommen dem Fahrzeughalter noch eine Reihe weiterer Förderungen zugute. Trotzdem muss man mindestens 50000 Kilometer fahren, ehe sich die Mehrkosten für die Anschaffung lohnen. Die ab Werk lieferbaren Fahrzeuge sind ausgereift, alltagstauglich und sicher, wobei monovalente Motoren den bivalenten vorzuziehen sind. Im Grunde ist der Erdgas-Transporter das ideale Handwerkerauto, wenn sich eine Erdgastankstelle in der Nähe befindet. Flüssiggas (Autogas) ist nur die zweitbeste Lösung. Aufgrund der geringeren Umweltbelastung werden aber die Nutzer beider Antriebsarten in ihren Fahrzeugen mit grüner Plakette alle geplanten Umweltzonen befahren dürfen. J. Sachse, K. Böttcher Elektropraktiker, Berlin 61 (2007) 5 Einfaches Betanken des Opel Combo Werkfoto EP0507-387-399 19.04.2007 8:41 Uhr Seite 399
Autoren
- J. Sachse
- K. Böttcher
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