Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
LED-Licht: Von der Innovation zum Stand der Technik (6)
Die Effizienz-Debatte ist „durch“. Nachdem wir es geschafft haben, dass sich nur noch effiziente Leuchtmittel und Beleuchtungstechniken auf dem Markt befinden – ob nun durch Mode, auf Grund von EU-Verordnungen oder doch tatsächlich aus Vernunft – kann man sich endlich den anderen (grundlegenden) Eigenschaften des Lichts zuwenden.
Effizienz ist nicht alles
So ist die Effizienz des LED-Lichts seit 2016 auf dem jährlichen LED-Forum in Lausanne [29] kein Thema mehr. Vielmehr beschäftigt man sich dort nun mit „human centric lighting“, also menschengerechter Beleuchtung, mit circadianer Beleuchtung, die (hinsichtlich der Lichtfarbe) den Rhythmus des Tageslichts nachmacht, und dergleichen Eigenschaften mehr. Diese lassen sich mittels LED bedeutend einfacher umsetzen als mit allen älteren Techniken oder werden durch die LED erst möglich.
Derweil zeigt die LED weiterhin, dass sie mehr kann als „nur“ Energie sparen: Nie wieder Möbel zerlegen, weil man eine äußerst versteckt eingebaute T5-Lampe wechseln muss; nie wieder sich beim Tauschen der in Zierleisten eingebauten GU4-Birnchen die Finger brechen oder verbrennen!
Langlebige Produkte auf kurzlebigen Märkten
Die Bilanz zeigt deutlich, dass es am wirtschaftlichsten ist, alte oder auch gar nicht so alte Glühlampen dem Hausmüll zu überantworten, selbst wenn sie noch funktionstüchtig sind.
Doch was ist denn nun mit den angebrauchten und zum Teil sogar noch ungebrauchten KLL? Angeschafft wurden sie vor noch gar nicht langer Zeit, weil man etwas Besseres, etwas „Zukunftsfähiges“ haben wollte – und nun (Bild)? Entsorgen? Letztlich wird es wohl genau darauf hinauslaufen.
Kurz nach der Umrüstung der im ersten Teil (ep 12-2019 ab S. 1034) in Bild 2 abgebildeten Leuchte mit einer dimmbaren LED-Lampe wurde die komplette Leuchte ersetzt (vgl. Teil 3 in ep 02-2019, S. 121). Mit etwa 50 000 h Lebensdauer wird sie dort noch etwa 20 Jahre Dienst tun. Wird man sie danach überhaupt noch an dieser Stelle betreiben wollen, selbst wenn sie noch funktionstüchtig ist?
Wird man sie anderenfalls – Zhaga [12] sei Dank – wieder in einen funktionstüchtigen Zustand zurück versetzen wollen?
Ihre Vorgängerin landete nach etwa 25 Dienstjahren funktionstüchtig auf dem städtischen Entsorgungshof – allerdings ohne das noch fast nagelneue dimmbare LED-Leuchtmittel. Dieses tut jetzt in einer anderen Leuchte (sehr sporadischen) Dienst, die äußerst selten genutzt wird und wo die Glühlampe deswegen die nächsten 20 Jahre hätte verbleiben können, aber diese landete im Müll, denn die LED-Lampe war nun mal vorhanden – und in jeder Hinsicht viel besser.
So lässt die Praxis an der Sinnhaftigkeit langer Lebensdauern auf von starker Innovationskraft geprägten Märkten Zweifel aufkommen. Vielleicht aber beruhigt sich dieser Trend auch wieder, denn der Weg der LED von der Innovation zum Standard ist praktisch abgeschlossen.
Bald sagt niemand mehr „LED-Leuchtmittel“ oder „LED-Lampe“, sondern nur noch „Lampe“. Wir sagen doch auch nicht mehr: „Mach‘ mal das elektrische Licht an“, wie die Oma eines Kollegen noch zu sagen pflegte, sondern „Mach‘ mal das Licht an“.
Und in Lausanne [29] dürfte es bald „nur“ noch ein „Lichtforum“ geben.
Autor: S. Fassbinder

