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Bild: W. Kuttler
Klimatisierung | Energietechnik/-Anwendungen | Energieverteilung | Innungen und Verbände

Klimatisierung in der Stadtplanung

Kühle Luft im urbanen Raum

12.06.2024

Der Klimawandel führt zu häufigeren, stärkeren und länger anhaltenden Hitzewellen. In städtischen Gebieten verschärft sich dieses Problem, da Gebäude und versiegelte Flächen tagsüber Wärme speichern und diese nachts nur langsam abgeben. Dies führt dazu, dass sich Städte während sommerlicher Hitzewellen von Tag zu Tag immer weiter aufheizen. Eine mögliche Lösung wäre das Einströmen kühlerer Luft aus dem Umland. Doch wie kann diese in die Städte gelangen?

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Die kühlere Luft aus dem Umland könnte dazu beitragen, die Städte zu kühlen. Doch wie gelangt sie dorthin? In hügeligen Landschaften strömt sie oft als Kaltluftabfluss aus den umliegenden Tälern in die Stadt. Alternativ saugt die städtische Wärmeinsel als lokales Tiefdruckgebiet kühlere Luft von außerhalb als Flurwind an. Dieser Transport von Kaltluft erfolgt bodennah und ist daher äußerst empfindlich gegenüber Hindernissen wie Dämmen, Mauern, Häuserzeilen, Baumhecken, Gehölzen oder Wäldern, die die Kaltluftströme abschwächen oder blockieren können.

Kaltluftströme sollen nicht behindert werden

Baum- und siedlungsfreie Täler sowie Ventilationsbahnen im urbanen Umfeld, wie Grünzüge oder Bahntrassen, fördern den Transport von Kaltluft. Dieser Aspekt sollte bei der Stadtplanung berücksichtigt werden, um sicherzustellen, dass Kaltluft von außerhalb möglichst weit in die Stadt gelangen kann. Zusätzlich zu diesen Durchlässen sind mehr urbane Freiflächen erforderlich, wie Grünstreifen und Parks, um die Temperaturen zu senken und die Luftqualität in der Stadt zu verbessern.

Sogar in Parks, Gärten und Brachflächen innerhalb von städtischen Gebieten entsteht lokale Kaltluft, die zur Abkühlung beiträgt. Selbst kleine Flächen von wenigen Hektar Größe haben bereits einen spürbaren kühlenden Effekt. Laut einer Studie des Umweltbundesamts kann die Bepflanzung von Bäumen und die Schaffung von Grünflächen in städtischen Gebieten die örtlichen Temperaturen um bis zu vier Grad senken und die Luftqualität verbessern.

„Die lokale Kaltluft spielt nicht nur in der Stadtplanung, sondern auch in der Landwirtschaft, der Straßenplanung und beim Emissionsschutz eine wichtige Rolle. Auch hier hoffen wir mit unserer Arbeit Entscheidungshilfen geben zu können.“ so Dirk Dütemeyer, Mitglied im Fachausschuss " Klima" des Fachbereiches II Umweltmeteorologie der Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) und Vorsitzender der Kaltluftrichtlinie (VDI 3787 Blatt 5 Umweltmeteorologie – Lokale Kaltluft).

In Bezug auf den Gesundheitsschutz wird dies künftig eine zentrale Rolle spielen, da neben einer Zunahme von heißen Tagen auch die Anzahl der sogenannten Tropennächte deutlich steigt, Nächte also, in denen die Temperaturen nicht unter 20 °C fallen. Aufgrund des Klimawandels werden diese weiter zunehmen, und aufgrund der Versiegelung und der dichten Bebauung treten Tropennächte in städtischen Gebieten deutlich häufiger auf als im Umland. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit, da diese Überhitzung Dauerstress für den Körper bedeutet, insbesondere für vulnerable Gruppen wie ältere Menschen und Kinder. Aus diesem Grund arbeiten immer mehr Regionen an entsprechenden Hitzeaktionsplänen. Aktuell wird in der KRdL die VDI EE 3787-13 "Hitzeaktionsplanung" erarbeitet. Daher ist die Zufuhr von kühlerer Luft in überhitze Städte eine wichtige stadtplanerische Maßnahme, um dem Klimawandel entgegenzuwirken.


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