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Entwicklung Wasserstoffwirtschaft

Die Rolle des Wasserstoffs für die Energiewende

05.06.2025

Wasserstoff gilt als zentraler Baustein der Energiewende. Doch der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft kommt nur schleppend voran – hohe Kosten und unklare Rahmenbedingungen bremsen die Entwicklung. Im VDI-Interview erläutert Prof. Dr. Karsten Pinkwart, Mitglied im Nationalen Wasserstoffrat der Bundesregierung, warum Tempo jetzt entscheidend ist und welche Maßnahmen dringend erforderlich sind.

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VDI: Warum ist Wasserstoff ein zentrales Thema für die Energiewende?

Karsten Pinkwart: Um den Klimawandel aufzuhalten, haben wir keine Alternative zu nachhaltigen Energieträgern. Wasserstoff ist dabei unverzichtbar, da er mit erneuerbaren Energien erzeugt und vielseitig genutzt werden kann. Wir können grüne Energie, also Elektrizität aus Wind und Sonne, nur begrenzt speichern. Wasserstoff bietet hier im Vergleich zum Elektron eine Lösung, da er als stofflicher Energieträger leichter speicherbar und transportierbar ist.

Zusätzlich können wir ihn in verschiedenen Sektoren einsetzen: in der Industrie, im Energie- und Wärmesektor sowie in der Mobilität. Besonders in Bereichen, die sich nicht direkt elektrifizieren lassen, wie Stahl- oder Chemieproduktion sowie Luft- und Schifffahrt, ist Wasserstoff essenziell. Außerdem werden fossile Energieträger wie Erdöl in den kommenden Jahrzehnten knapper, was den Umstieg auf alternative Energien umso dringender macht.

Status quo in Deutschland 

VDI: Wie weit ist Deutschland aktuell mit dem Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur?

Karsten Pinkwart: Deutschland hat 2020 die Nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet und 2023 aktualisiert. Ziel ist es, bis 2030 eine Elektrolysekapazität von 10 GW aufzubauen. Derzeit sind jedoch nur etwa 9 % dieses Ziels erreicht. Investitionsentscheidungen für weitere Anlagen wurden getroffen, aber die Umsetzung erfolgt zu langsam und auch nicht in der Größenordnung von 10 GW. Diese sind auch erstmal nur ein Start und müssen immer ergänzt werden durch Importe aus benachbarten Ländern.

Wir brauchen also mehr Tempo. Die Wasserstoffproduktion in Deutschland allein reicht ohnehin nicht aus. Deshalb sind wir auf Importe angewiesen, um unseren Energiebedarf zu decken und die Transformation unserer Gesellschaft voranzutreiben. Allerdings verläuft dieser Prozess nicht so reibungslos, wie erhofft. Darum müssen wir unsere Anstrengungen nochmals fokussieren und überlegen, inwieweit die jetzigen vor allen Dingen mehrheitlich auf der Investitionsseite verankerten Förderinstrumente die richtigen sind. Denn wir stehen mit unserer Transformation weltweit im Fokus.

VDI: Woran liegt es, dass Deutschland sein selbst gestecktes Ziel nicht erreicht?

Karsten Pinkwart: Es gibt mehrere Hürden: Unsichere regulatorische Rahmenbedingungen, fehlende Zertifizierungsstandards und hohe Investitionskosten bremsen den Markt. Außerdem ist das "Henne-Ei-Problem" entscheidend: Unternehmen sind zögerlich, da sie nicht wissen, ob es ausreichend Abnehmer gibt. Gleichzeitig warten potentielle Abnehmer darauf, dass das Angebot stabil und zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar ist.

Ein weiteres Problem sind die hohen Kosten für Wasserstoff gegenüber fossilen Energieträgern. Hohe Anfangsinvestitionen und unklare staatliche Fördermechanismen machen die Lage noch schwieriger. Deutschland hat zwar zahlreiche Förderprogramme aufgelegt, aber die Umsetzung verläuft oft zu langsam oder ist mit administrativen Hürden verbunden. Denn am Ende geht es um die Frage, wie ich den Preis für das erzeugte Wasserstoffmolekül auf ein Niveau bekomme, sodass es attraktiv ist gegenüber dem heutigen vorhandenen Energieträger Erdgas oder Erdöl.

Andere Länder, andere Wege

VDI: Was könnte man besser machen? Können wir von anderen Ländern lernen?

Karsten Pinkwart: Deutschland steht international im Fokus, weil wir als Industrienation eine Vorreiterrolle spielen. Andere Länder, wie Frankreich oder skandinavische Staaten, setzen innerhalb ihres Weges stärker auf Kernenergie zur Wasserstoffproduktion oder haben günstigere regulatorische Bedingungen.

Ein gutes Beispiel ist Großbritannien: Dort werden nicht nur Investitionen in Wasserstoffanlagen gefördert, sondern auch die Produktionskosten subventioniert, um Wasserstoff für die Industrie erschwinglicher zu machen. Deutschland könnte von diesem Modell lernen.

VDI: Wie könnte Europa gemeinsam die Wasserstoffwirtschaft vorantreiben?


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