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Smart Meter (Symbolbild)
Energietechnik

Energietechnik: Messfehler bei Smart Metern

Falscher Messwert – genau nach Vorschrift [Update]

17.03.2017

Niederländische Forscher stellten bei Smart Metern Messwertabweichungen von über 500 Prozent fest (ep berichtete). Inzwischen liegen offizielle Stellungnahmen vom VDE und den Herstellern vor. 

VDE FNN zur Zuverlässigkeit intelligenter Stromzähler

Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN) erarbeitet für Deutschland die technischen Spezifikationen für sogenannte Smart Meter und bezieht Stellung zur Studie der Universität Twente Enschede. Laut FNN ist die Problematik um Störeffekte, die zu Fehlmessungen führen können, bekannt. Störeffekte können durch die zunehmende Verbreitung von LEDs und die dezentrale Einspeisung erneuerbarer Energien auftreten. Ursache dafür sind hochfrequente Ströme im Frequenzbereich von 2 kHz bis 150 kHz, die z. B. ein Solar-Wechselrichter erzeugen kann, wenn eingebaute Filter nicht ausreichend dimensioniert sind. Vor diesem Hintergrund führte das FNN schon 2010 zusammen mit der VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut GmbH umfangreiche Untersuchungen durch. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen sind in einen FNN-Hinweis eingeflossen ("Leitfaden zur Bewertung der Zuverlässigkeit und Messbeständigkeit von Elektrizitätszählern und Zusatzeinrichtungen"). Darin werden erweiterte Anforderungen an Prüfverfahren beschrieben, die eine systematische Bewertung der Zuverlässigkeit von Stromzählern ermöglichen.  Konkret werden Methoden beschrieben, die nachweisen, dass die Zähler auch im kritischen Bereich richtig messen. Seit 2011 erleichtert dieser Leitfaden die Entwicklung von Geräten, die im Betrieb resistent gegenüber Störeinflüssen sind. Das FNN hat für den anstehenden Rollout moderner Messeinrichtungen und intelligenter Messsysteme in Deutschland einen Basiszähler definiert und dabei Bezug auf den o. g. Leitfaden genommen. Bisher sind keine Fehlmessungen an Geräten, die nach FNN-Lastenheften entwickelt wurden, bekannt. Zähler, die gemäß des Leitfadens zur Zuverlässigkeitsprüfung von 2011 geprüft wurden, haben ihre Festigkeit gegenüber den genannten Störgrößen nachgewiesen. Entwicklung und Test der Geräte ist Sache der Hersteller. Die aktuelle Studie aus den Niederlanden wird jetzt auf neue Erkenntnisse und Störphänomene untersucht. Weiterhin wird die Übertragbarkeit auf Deutschland und den deutschen Strommarkt geprüft. Das FNN stimmt sich hierbei eng mit der Bundesnetzagentur und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt ab. Sollten neue Erkenntnisse z. B. zu bisher unbekannten Störphänomenen gewonnen werden, fließen diese in die Entwicklung des Basiszählers ein.

Hersteller schalten sich ein

Auch bei den Herstellern von digitalen Stromzählern schlug die Studie hohe Wellen und veranlasste sie zu offiziellen Reaktionen. So veröffentlichte der Hersteller Easymeter aus Bielefeld eine Stellungnahme, in der darauf hingewiesen wird, dass man freiwillige Frequenztests durchführt und das sogenannten Shunt-Messprinzip verwendet, welches sich "äußerst robust" gegenüber Fehlmessungen zeigt. Mit einem selbst entwickelten Mess-Chip wird eine "höchst mögliche" Messgenauigkeit erreicht. Das Unternehmen gibt Endverbrauchern den Tipp, das Messergebnis mit einer handelsüblichen LED-Leuchte aufgrund der Leistungsangabe des LED-Herstellers zu testen. Eine Leistungsaufnahme von z. B. 4 Watt sollte auf dem Zähler gut zu erkennen sein. Bei Zählern, die bereits online ausgelesen werden – wie z. B. Discovergy oder Getfresh.Energy – kann der Endverbraucher Leistungsaufnahmen in Echtzeit erkennen. 

Autor
Name: Lana Geißler