
Krach um Sonepar
Das sagen ZVEI, ZVEH und ep-Leser zum Fall Sonepar
Zur Schließung des Sonepar-Onlineshops www.elektrogroßhandel.de baten wir Fachverbände und ep-Leser um ihre Kommentare. Die Meinungen sind differenziert – vor allem mit Blick auf Service und Kosten der Großhändler.
Wer meint, unbedingt an alten Zöpfen festhalten zu müssen, wird das Nachsehen haben. Die Innungen, das Elektrohandwerk und der Elektrogroßhandel waren selten Vorreiter, wenn es um neue Technologien und zukunftsweisende Gestaltung ging. Da wird mit aller Macht versucht, alte Besitzstände zu erhalten. Erinnert ein wenig an "Mediamarkt".
Ich will nichts bagatellisieren. Mir sind Beweggründe der Beteiligten schon bewusst. Die Entwicklung ist aber nicht zu verhindern. Darum heißt es, das Beste daraus zu machen und zu versuchen den Prozess mit zu gestalten. (Harald Hipel
Ich bin in der LED Branche tätig. Hier handelt es sich um erklärungsbedürftige Produkte, die im größeren Projekt mit viel Aufwand an den Kunden gebracht werden müssen. Der Großhandel selbst ist mit dieser Aufgabe oftmals überfordert, z.B.
- Erstellung einer Wirtschaftlichkeitsberechnung anhand des effektiven Lumen/Watt Pakets des Produkts
- Herausstellung der Qualität eines Produkts im Vergleich zu gleich aussehenden Produkten, die im Internet zu kaufen sind und die der Kunde als Preismaßstab definiert
Der EGH bittet hier den Hersteller selbst um Hilfe, und Hilfe kann dieser nur vor Ort leisten. Die zu erzielenden Margen sind aber viel zu gering, um allen Beteiligten gerecht zu werden.
Der EGH hat nur eine Überlebenschance in diesem Bereich, wenn er sich schulen lässt, um eigene Kompetenz zu erlangen und darüber hinaus bereit ist, auch ein eigenes Mindestlager zu führen für Piloten.
Bei Serienprodukte, z.B. für den privaten Bereich, erlebe ich es ständig, dass Elektriker sich diese Produkte über das Internet beschaffen. (A.Z., Name ist der Redaktion bekannt)
Ich bin der Überzeugung, dass der 3-Stufige Vertriebsweg auch in Zukunft funktioniert und gebraucht wird. Unsere Kunden verlangen von uns höchste Flexibilität und schnelle Reaktionszeiten. Was wiederum bedeutet, dass wir das Material auch dementsprechend schnell und in den richtigen Mengen benötigen. Das kann die Industrie und das Internet nicht leisten.
Allerdings habe ich in den letzten Jahren feststellen müssen, dass der Großhandel zum Teil sein Lager immer weiter verkleinert und somit diesen Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Wenn man dann mal was benötigt, was nicht zu den Renner-Artikeln gehört, kommt es immer wieder vor, dass man Verpackungseinheiten abnehmen muss oder/und wochenlange Lieferzeiten hat. Der Großhandel sollte sich eher überlegen, wie er dieses Problem in den Griff bekommt, anstatt seine Energie in neue Vertriebswege zu verschwenden. Sonst treibt er seine Kunden selbst zu den besagten Vertriebsformen, die ihm Kopfzerbrechen bereiteten. (Andreas Leibfarth)
