
Eskalation im Großhandel
Onlineshop von Sonepar ist offline
Großhändler Sonepar hat seinen Onlineshop www.elektrogrosshandel.de abgeschaltet. Das Unternehmen bekennt sich zum dreistufigen Vertrieb. Doch die Probleme im Elektrogroßhandel werden nur vertagt.
Sonepar schließt eine seiner Plattformen für den Onlineversandhandel. Der firmeneigene Onlineshop elektrogrosshandel.de ist deaktiviert. Wer die Seite aufruft, wird mit Werbung für drei andere Sonepar-Websites begrüßt.
Warum schaltete Sonepar den Onlineshop ab?
In seiner Pressemitteilung schreibt der Elektrogroßhändler:
"Zu zahlreichen positiven Beiträgen aus dem Elektro-Handwerk gab es auch kritische Stimmen, welche die Chancen und Risiken eines solchen Internet-Auftritts unterschiedlich bewerten. Sonepar hat sich daher dazu entschlossen, die Internetadresse www.elektrogrosshandel.de auf eine sogenannte Landing-Page zu routen […]
Damit sind alle Diskussionen über Preise, Artikel und Sortimente obsolet und wir unterstreichen einmal mehr das klare Bekenntnis zum dreistufigen Vertriebsweg."
Offenbar kam die Kritik nicht hauptsächlich aus dem Elektrohandwerk. Wer den Onlinevertrieb kritisiert hat, teilt Sonepar nicht mit. Der Großhändler nennt aber die Kritikpunkte: Preise, Artikel und Sortimente.
Was bedeutet dreistufiger Vertrieb?
Im deutschen Handwerk hat sich seit über 100 Jahren eine Dreiteilung etabliert:
- Der Hersteller liefert seine Produkte an den Großhändler
- Der Großhändler liefert die Produkte an den Handwerker
- Der Handwerker verkauft die Produkte an seinen Kunden
Dieser Vertriebsweg funktioniert bis heute – mit einigen Einschränkungen.
Welche Probleme gibt es beim dreistufigen Vertrieb?
Nicht wenige Produkte tauchen auf verschlungenen Wegen im Angebot von großen Online-Verkaufsplattformen wie Amazon oder eBay auf. Welcher Großhändler seine Ware über Amazon & Co. vertreibt, kann man nur vermuten. Die Branche schweigt.
Die Kunden können sich bei Amazon mit Elektromaterial versorgen, das eigentlich zum Sortiment des Großhändlers gehört. Der Auftrag an den Elektrobetrieb würde sich im Extremfall auf die pure Arbeitsleistung beschränken. Dem Elektriker bliebe nur der Arbeitslohn, denn der Weiterverkauf des Materials an den Kunden würde entfallen – und damit auch die Handelsmarge.
Ob die Kunden wirklich massenhaft Elektromaterial online kaufen würden, ist allerdings fraglich. Wer nicht FI von FU unterscheiden kann und bei AFDD eher an eine Partei denkt, wird die Finger von Geräten lassen, durch die Strom fließt.
