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Betriebsführung und -Ausstattung

Eskalation im Großhandel

Onlineshop von Sonepar ist offline

19.08.2016

Großhändler Sonepar hat seinen Onlineshop www.elektrogrosshandel.de abgeschaltet. Das Unternehmen bekennt sich zum dreistufigen Vertrieb. Doch die Probleme im Elektrogroßhandel werden nur vertagt.

Sonepar schließt eine seiner Plattformen für den Onlineversandhandel. Der firmeneigene Onlineshop elektrogrosshandel.de ist deaktiviert. Wer die Seite aufruft, wird mit Werbung für drei andere Sonepar-Websites begrüßt. Warum schaltete Sonepar den Onlineshop ab? In seiner Pressemitteilung schreibt der Elektrogroßhändler: "Zu zahlreichen positiven Beiträgen aus dem Elektro-Handwerk gab es auch kritische Stimmen, welche die Chancen und Risiken eines solchen Internet-Auftritts unterschiedlich bewerten. Sonepar hat sich daher dazu entschlossen, die Internetadresse www.elektrogrosshandel.de auf eine sogenannte Landing-Page zu routen […]   Damit sind alle Diskussionen über Preise, Artikel und Sortimente obsolet und wir unterstreichen einmal mehr das klare Bekenntnis zum dreistufigen Vertriebsweg." Offenbar kam die Kritik nicht hauptsächlich aus dem Elektrohandwerk. Wer den Onlinevertrieb kritisiert hat, teilt Sonepar nicht mit. Der Großhändler nennt aber die Kritikpunkte: Preise, Artikel und Sortimente. Was bedeutet dreistufiger Vertrieb? Im deutschen Handwerk hat sich seit über 100 Jahren eine Dreiteilung etabliert:
  • Der Hersteller liefert seine Produkte an den Großhändler
  • Der Großhändler liefert die Produkte an den Handwerker 
  • Der Handwerker verkauft die Produkte an seinen Kunden
Dieser Vertriebsweg funktioniert bis heute – mit einigen Einschränkungen. Welche Probleme gibt es beim dreistufigen Vertrieb? Nicht wenige Produkte tauchen auf verschlungenen Wegen im Angebot von großen Online-Verkaufsplattformen wie Amazon oder eBay auf. Welcher Großhändler seine Ware über Amazon & Co. vertreibt, kann man nur vermuten. Die Branche schweigt. Die Kunden können sich bei Amazon mit Elektromaterial versorgen, das eigentlich zum Sortiment des Großhändlers gehört. Der Auftrag an den Elektrobetrieb würde sich im Extremfall auf die pure Arbeitsleistung beschränken. Dem Elektriker bliebe nur der Arbeitslohn, denn der Weiterverkauf des Materials an den Kunden würde entfallen – und damit auch die Handelsmarge. Ob die Kunden wirklich massenhaft Elektromaterial online kaufen würden, ist allerdings fraglich. Wer nicht FI von FU unterscheiden kann und bei AFDD eher an eine Partei denkt, wird die Finger von Geräten lassen, durch die Strom fließt. Hat der dreistufige Vertrieb eine Zukunft? Wie sehr der traditionelle Vertriebsweg im deutschen Handwerk zu kämpfen hat, lässt sich in der SHK-Branche (Sanitär, Heizung, Klima) beobachten. Dort beziehen immer mehr Handwerksbetriebe ihr Material und Handwerkszeug über den Baumarkt oder direkt vom Hersteller. In Umfragen wenden sie sich ganz offen vom dreistufigen Vertrieb ab – zu Lasten der Großhändler und des Baustofffachhandels.  Das bedeutet nicht das Ende des dreistufigen Vertriebs allgemein oder speziell im Elektrogewerbe. Allerdings lässt sich die Macht des Onlineversandhandels weder bekämpfen noch ignorieren. Dafür sorgen schon die Kundenwanderungen. Mit der Schließung des Sonepar-Onlineshops www.elektrogrosshandel.de hat sich eine starke Fraktion Ruhe erkauft. Wenn sich aber der Widerstand gegen die Onlineshops der Großhändler im Dagegensein erschöpft, wird der jetzige Burgfrieden zur Friedhofsruhe für den dreistufigen Vertrieb. Dann lacht nur einer: Jeff Bezos. 

Amazon verkauft schon jetzt viele Elektroartikel, die eigentlich über den Großhandel vertrieben werden sollten. Das macht Jeff Bezos Spaß und gute Laune (Video: Mike Strobino)


Autor
Name: Jürgen Winkler