Anzeige

Betriebsführung
Rückkehr zur Meisterpflicht – Koalition will Meisterbrief stärken

Im Jahr 2004 fiel in mehr als 50 Gewerken die Meisterpflicht. Seitdem hat sich der Wettbewerb verzerrt, mehr Pfusch am Bau wird beklagt sowie ein Imageschaden durch die Reform der Handwerksordnung.

Fliesenleger

Fliesenleger gehören zu den zulassungsfreien Gewerken (Foto: Pixabay)

Kürzlich forderte selbst der Präsident des Handwerksverbandes (ZDH), Hans Peter Wollseier, eine Rückkehr zur Meisterpflicht. Nun kommt Bewegung in die Sache.

Die Politik hat offenbar die Zeichen der Zeit erkannt. Die Koalitionsfraktionen Union und SPD wollen den Meisterbrief stärken und streben eine Rückkehr zum Meisterbrief in vielen Handwerksberufen an. Eine Arbeitsgruppe verständigte sich auf neue Eckpunkte zur Änderung der Handwerksordnung.

Qualität hat ihren Preis

Der Meisterbrief gilt als Qualitätsmerkmal, Verbraucherschutz und Leistungsfähigkeit. Alle Gewerke und deren Sozialverbände, für die im Jahr 2004 die Meisterpflicht wegfiel, erhalten die Möglichkeit der Stellungnahme. In der Sommerpause soll ein entsprechender Gesetzesentwurf erarbeitet werden, der im Herbst im Bundestag beraten werden soll. Zum 01. Februar 2020 soll das neue Gesetz in Kraft treten.

Mit der Wiedereinführung der Meisterpflicht in den Handwerksberufen will man vor allem die Qualität der ausgeführten Arbeiten und die Wettbewerbsfähigkeit seriöser Handwerksbetriebe im EU-Binnenmarkt stärken. Eine Wiedereinführung des Meisterbriefs soll zu faireren Marktbedingungen und mehr Wettbewerbsgerechtigkeit führen. Außerdem müssen sowohl die Ausbildungsqualität gewährleistet als auch die Innovationsfähigkeit gesichert sein.

Tarifbindung und Fachkräftemangel

Kritik an dem Vorhaben kommt von der Monopolkommission. Die warnt bei einer erneuten Meisterpflicht in den seit 2004 zulassungsfreien Gewerken davor, dass die Betriebsneugründungen zurückgehen könnten. Kunden hätten zudem nicht mehr die freie Wahl, ob sie für einen Auftrag einen teuren Meisterbetrieb oder einen günstigeren Anbieter verpflichten wollen.

DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell äußerte der dpa gegenüber, dass das Handwerk nur zusammen mit seinen Beschäftigten gestärkt werden kann. Derzeit sind nur etwa 30 Prozent der Beschäftigten im Handwerk tarifgebunden. Hier müsse man ansetzen, um die Arbeitsbedingungen für alle zu verbessern, denn derzeit fehlen 250.000 Fachkräfte.

In welchen Berufen die Meisterpflicht wieder eingeführt werden soll, steht noch nicht fest.

Kommentare

botMessage_toctoc_comments_926
Anzeige

Nachrichten zum Thema

Aus dem Facharchiv: Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit, Betriebsführung Haftungsrisiko absichern - Betriebshaftpflichtpolice für Handwerksunternehmer lebenswichtig

Aus dem Urlaub zurück – Knallgeräusche im Haus, Brandrauch im Keller aus Richtung Zählerschrank – die Hauseigentümerin rettet sich zu den Nachbarn und ruft die Feuerwehr.

Weiter lesen

Was muss bei der Überprüfung von Mess- und Prüfgeräten in Kläranlagen insbesondere auch in Hinblick auf den Ex-Schutz beachtet werden?

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften Mit Zange am Gusskasten Lichtbogen ausgelöst

An einem unter Spannung stehenden gusseisernen Hausanschlusskasten sollten wegen des hohen Unfallrisikos keine Wartungsarbeiten durchgeführt werden.

Weiter lesen

Der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. (VDE) veranstaltet am 13. Juni 2019 in Berlin den Workshop "Stromunfälle begutachten".

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften Körperdurchströmung bei der Leitungsverlegung in einer Zwischendecke

Zum Unfall kam es, als die Elektrofachkraft mehrere Deckenplatten entfernte und mit der rechten Hand die metallene Unterkonstruktion der Zwischendecke berührte.

Weiter lesen
Anzeige