Innungen und Verbände
|
Elektrotechnik
ZVEH-Konjunkturbericht
ep3/2004, 1 Seite
Elektropraktiker, Berlin 58 (2004) 3 175 BRANCHE AKTUELL Elektrotechnik im Sog der Bauwirtschaft Vergleicht man die einzelnen Gewerke, so hat das Elektrotechniker-Handwerk, bezogen auf das äußerst umsatzschwache Jahr 2002 (mit einem Rekordminus von 6,6 %) in 2003 wieder ein Umsatzminus von 4,9 % zu verzeichnen. Es besteht eine deutliche Parallelität zur anhaltend schwachen Bauwirtschaft: Hauptursache für den Umsatzeinbruch ist die generelle Zurückhaltung bei Investitionen im gewerblich-industriellen Bereich und der öffentlichen Hand. Nachdem bereits 2002 ein Rückgang der Bauinvestitionen von 5,8 % zu verzeichnen war, ist die Investitionstätigkeit am Bau in 2003 nach vorläufigen Berechnungen um etwa 4 % (8,7 Mrd. Euro) gesunken. In diesem Jahr erwartet die Bauwirtschaft eine weitere Verringerung der Bauinvestitionen um rund 1 %. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Die Baugenehmigungen liegen derzeit um 3,2 % höher im Vergleich zum Vorjahresvolumen. Ausschlaggebend sind hierfür in erster Linie die Wohnungsbaugenehmigungen mit einem Zuwachs um 11,9 %. „Dies ist allerdings nicht überzubewerten, denn hier spielen Vorzieheffekte in Zusammenhang mit der Diskussion um die Eigenheimzulage eine nicht unerhebliche Rolle“, kommentiert ZVEH-Hauptgeschäftsführer Heinz-Werner Schult (Bild ). Dramatischer Einbruch im IT-Handwerk Beim Informationstechniker-Handwerk, das bereits in 2002 einen Rückgang von 14,8 % verkraften musste, sind die Umsätze im vergangenen Jahr erneut um 15,2 % gesunken. Dieser massive Umsatzeinbruch ist nach Auffassung des ZVEH auf weit reichende strukturelle Veränderungen zurückzuführen, die von der angespannten konjunkturellen Situation noch erheblich verstärkt werden. Zu nennen ist hier ein seit Jahren anhaltender Preisverfall im CE- und PC-Bereich sowie eine stetige Abwanderung der Kunden zu großvolumigen Billiganbietern ohne Service- und Beratungsleistungen. Das klassische Arbeitsfeld „Reparatur“ verlor in den vergangenen Jahren im Bereich CE und noch stärker im PC-Bereich an Bedeutung. Heinz-Werner Schult: „Bisher ist es dem Informationstechniker-Handwerk nicht in ausreichendem Maße gelungen, neue Märkte und Zielgruppen zu erschließen, die den Wegfall der klassischen Tätigkeitsbereiche kompensieren könnten.“ Betriebe beurteilen die Geschäftslage kritisch Bezieht man die Ergebnisse der ZVEH-Konjunkturumfrage vom Herbst 2003 in die Beurteilung der Wirtschaftslage mit ein, wird deutlich, dass sich gegenüber dem Vorjahr keine gravierenden Änderungen ergaben. Allerdings war dieser Konjunkturindikator seit Beginn der Erhebungen 1980 noch nie so schlecht wie in 2002. Die Beurteilung der gegenwärtigen und der künftigen Geschäftslage hat sich auf einem kritischen Niveau verfestigt (Bild ). Die aktuelle Geschäftslage wird von rund 48 % aller Befragten als schlecht eingeschätzt, nur 11,3 % beurteilen die Lage ihrer Betriebe als gut. Vorausblickend auf das kommende Jahr sehen nur 4,3 % positive Signale für eine Besserung der Geschäfte. Dagegen rechnen 40,5 % mit einer weiteren Verschlechterung. 55,2 % gehen davon aus, dass es bei der derzeitigen Lage bleiben wird. Weniger Betriebe, Arbeitsplätze und Lehrlinge Die Zahl der Betriebe hat sich zum Stichtag 1. Juli 2003 gegenüber dem Vorjahresstichtag um 1,2 % verringert. Im Verhältnis zum abermals deutlichen Umsatzeinbruch ist diese Quote eher als moderat zu bezeichnen. Mit 5,8 % deutlicher zurückgegangen ist in 2003 die Zahl der Beschäftigten in den elektro- und informationstechnischen Handwerken. Das bedeutet, dass erneut 21500 Arbeitsplätze weggefallen sind. „Dieses schlimme Signal vom elektrohandwerklichen Arbeitsmarkt ergänzt sich um teils sehr negative Entwicklungen hinsichtlich der Produktivität“, ergänzt Heinz-Werner Schult: „Bemisst man diese am Umsatz pro Beschäftigten so stellen wir beim Elektrotechniker-Handwerk praktisch Stagnation fest und beim Informationstechniker-Handwerk sogar einen Rückgang um ca. 6 %. Hier wird deutlich, dass die Betriebe über keine zusätzlichen Verteilungsspielräume verfügen oder gar die betriebswirtschaftliche Substanz durch abnehmende Produktivität ausgezehrt ist.“ Die Lehrlingszahlen sind seit Jahren tendenziell rückläufig. Allerdings hat sich mit 7 % der Rückgang gegenüber den Vorjahren mehr als verdoppelt. Damit wurden im Vergleich zu 2002 im Jahr 2003 annähernd 3800 Lehrlinge weniger ausgebildet. Als Hauptursache nennt der ZVEH auch hier die Wirtschaftslage. „Wenn die Umsätze innerhalb von zwei Jahren zwischen 11,5 % (im Elektrotechniker-Handwerk) und 30 % (im Informationstechniker-Handwerk) einbrechen, wird auch die Ausbildungsleistung in den Betrieben auf das Notwendigste heruntergefahren“, kommentiert der ZVEH-Hauptgeschäftsführer. Nach wie vor klagen viele Betriebe darüber, dass es insbesondere im Bereich der Hauptschulen sehr schwer geworden ist, auf ein für technisch anspruchsvolle Handwerke ausreichendes Bildungsniveau zu treffen. Keine guten Zahlen konnten ZVEH-Hauptgeschäftsführer Heinz-Werner Schult und Geschäftsführer Frank O. Baumeister präsentieren ZVEH-Konjunkturbericht Sinkende Umsätze in den Elektro- und IT-Handwerken Die wirtschaftliche Lage der elektro- und informationstechnischen Handwerke hat sich nach Angaben des ZVEH in 2003 gegenüber dem Vorjahr nochmals verschlechtert. Der Umsatz verringerte sich um 7,1 % von 32,6 Mrd. auf 30,3 Mrd. Euro. Einschätzung der aktuellen und der künftigen Geschäftsentwicklung in den Elektro- und IT-Handwerken
Downloads
Laden Sie diesen Artikel herunterTop Fachartikel
In den letzten 7 Tagen:
Sie haben eine Fachfrage?
