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Elektrotechnik | Messen und Prüfen

Wiederholungsprüfung in Form einzelner Stichproben

ep4/2010, 3 Seiten

Laut der DIN VDE 0105-100 ist es gestattet, die Wiederholungsprüfung in Form von Stichproben vorzunehmen. Gibt es Vorgaben oder Erfahrungen zum Umfang, den diese Stichproben haben müssen? Ist es zulässig, dass z. B. der Elektromeister meines Betriebs mir als Prüfer vorgibt, dass ich in jedem Raum an einer Steckdose den Schleifenwiderstand zu messen und für einen Stromkreis den Zustand der Klemmen und der Leitungen in einer Abzweigdose zu überprüfen habe? Diese Prüfhandlungen seien – so seine Argumentation – Grundlagen der Preisgestaltung.


Diese Anfrage bezieht sich auf die Festlegung in DIN VDE 0105-100 [1], nach der:
„Der Umfang wiederkehrender Prüfungen ... auf Stichproben sowohl in Bezug auf den örtlichen Bereich (Anlagenteile) als auch auf die durchzuführenden Maßnahmen beschränkt werden (darf), soweit dadurch eine Beurteilung des ... Zustandes möglich ist.“
Hierbei ist zu beachten, dass im Punkt 5.3.3.1 von [1] zunächst einmal als Zielstellung oder Prüfaufgabe – gewissermaßen als Überschrift der gesamten Prüfung – gefordert wird, dass
„... durch die wiederkehrende Prüfung Mängel aufzudecken sind, die den Betrieb behindern oder Gefährdungen aufdecken können.“
Wie eine für diese Prüfung verantwortliche Elektrofachkraft dieses Ziel erreichen will, hat sie selbst zu entscheiden. Sie kann dies gemäß Punkt 5.3.3.2 in [1] durch Prüfschritte (Besichtigen, Messen oder Erproben) auf beliebige Weise erreichen.
Die vom Anfragenden angeführte Festlegung, nach der das Prüfen auch in Form von Stichproben erfolgen kann, informiert den Prüfer gewissermaßen darüber, dass er seine Prüfaufgabe nicht nur durch eine hundertprozentige Prüfung aller Teile, Funktionen, Schutzmaßnahmen usw. erfüllen kann, sondern bei dem Verzicht auf eine umfangreiche vollständige Prüfung auch durch das Prüfen ausgewählter Teile in Form von Stichproben.
Mit dieser Festlegung wird dem Prüfer gezeigt, dass die Normensetzer sehr wohl wissen, dass eine vollständige Prüfung nicht rationell und in der Regel auch nicht nötig ist, um ein ausreichend gesichertes Ergebnis über den Zustand der Anlage abgeben zu können. Dem Prüfer wird damit die Gewissheit vermittelt, dass man ihm als Elektrofachkraft zutraut, die richtigen Stichproben-Prüfungen an Stellen vorzunehmen, die für das Treffen seiner Aussage zum Anlagenzustand geeigneten sind. Es ist aber auch zu beachten, dass in dieser Festlegung ausdrücklich darauf verwiesen wird, dass dieses Beschränken der Prüfung auf Stichproben keine Verminderung der Qualität der Prüfung gestattet. Von dem Prüfer wird trotzdem – auf diese oder auf andere Weise – eine ordnungsgemäße und umfassende Beurteilung der Anlage erwartet.
Eine Definition der Stichproben-Prüfung in elektrischen Anlage gibt es nicht. Ebenso wird auch nicht konkretisiert, wie umfangreich eine Stichprobe zu sein hat, wieviel Prozent ihrer Bauteile usw. zu prüfen sind. Derartiges kann auch gar nicht vorgegeben werden, weil nur der Prüfer selbst bei oder nach der ersten Besichtigen der zu prüfenden Anlage und sicherlich auch erst nach den ersten Stichproben entscheiden kann,
  • wie die Prüfung erfolgen muss,
  • ob eine Stichprobenprüfung sinnvoll ist und wenn dies der Fall ist, welche Prüfungen wo vorgenommen werden müssen.
Konkret zu den Fragen:
  1. Es gibt keine allgemeingültigen Vorgaben für den Umfang oder die Anzahl der Stichproben, die zum Erfüllen der Prüfaufgabe einer Wiederholungsprüfung erforderlich sind. Jede zu prüfende Anlage hat ihre Besonderheiten, die bei einer solchen Entscheidung zu beachten sind.
  2. Verantwortlich für den Umfang einer derartigen Wiederholungsprüfung, d. h. für die Anzahl der Stichproben, die Art, den Ort und die Intensität der einzelnen Prüfungen, ist einzig und allein der Prüfer, der mit dieser Prüfung betraut wurde. Er ist weisungsfrei (Betriebssicherheitsverordnung [2] und DIN VDE 1000-10 [3]) und nicht an formale Vorgaben seines Vorgesetzten gebunden. Selbstverständlich kann eine andere Elektrofachkraft, die als verantwortlicher Prüfer dann ebenfalls das Prüfprotokoll unterschreibt, aufgrund ihrer Kenntnis der Anlage unterstellte Mitarbeiter mit solch konkreten Prüfaufgaben betrauen.
  3. So verständlich es auch ist, dass bei einem solchen Auftrag die Prüfhandlungen und die Angebotspreise in möglichst große Übereinstimmung gebracht werden müssen, kann natürlich der dem Kunden genannte Preis nicht Grundlage der Entscheidung über die nötigen Prüfschritte sein. Es wäre doch sehr eigenartig, wenn ein Prüfer seinen Prüfaufwand und damit auch die dem Kunden zu liefernde Sicherheit nicht nach jeweiligen technischen Erfordernissen sondern in Abhängigkeit von einer Zeitvorgabe bestimmt. Erfahrungsgemäß lassen sich die später entstehenden Prüfkosten vor der Kostenkalkulation durch eine kurze, von einer erfahrenen Elektrofachkraft durchgeführte „Vorabbesichtigung“ ausreichend exakt bestimmen. Natürlich ist eine solche Vorgabe des Meisters in der Regel auch als Hinweis auf bereits gewonnenen Erfahrungen zu werten. Auf alle Fälle sollte der Anfragende die hier gestellte Frage auch mit seinem Meister besprechen.

Quellen

DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100):2009-10 Betrieb von elektrischen Anlagen – Teil 100: Allgemeine Festlegungen.

Betriebssicherheitsverordnung – BetrSichV vom 27. September 2002; zuletzt geändert durch Artikel 8 der Verordnung vom 18. Dezember 2008.

DIN VDE 1000-10 (VDE 1000-10):2009-01 Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen.


Autor
  • K. Bödeker
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