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Rating - Gefahr oder Chance?

ep8/2002, 2 Seiten

Mit der Diskussion um die Kreditvergabereform nach „Basel II“, welche in ersten Entwürfen eine deutliche Verschärfung der Kreditvergabe-Richtlinien vorsieht, rückt das Rating zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses. Gerade Handwerksbetriebe fürchten nun, bei der Kreditvergabe in Zukunft schlecht abzuschneiden. Welche Chancen das Rating dennoch bietet, wird im Folgenden dargestellt.


Grundlagen Die zunehmende Globalisierung führt zu einer verstärkten Verzahnung der weltweiten Geld-,Kredit-und Kapitalmärkte.Investoren und Kreditgeber sind daher auf Informationsinstrumente angewiesen, die den Markt transparenter machen und international anerkannt sind. Rating ist ein solches Instrument, das eine Fülle von Informationen, Fakten und Daten zu einem knappen Urteil zusammenfasst und in eine internationale Sprache übersetzt. Dabei wird der Begriff Rating - der aus dem angloamerikanischen Sprachraum stammt - schon seit über 150 Jahren im Zusammenhang mit der Bonitätseinstufung von Schuldnern benutzt. Heute findet der Begriff in nahezu allen Lebensbereichen Anwendung, wobei das Grundprinzip sehr einfach ist: Es geht immer um eine „Bewertung“ oder eine „Klassifizierung“. Diese führt dann zu der Vergabe einer Zensur und damit verknüpft einer Einstufung hinsichtlich der Kreditwürdigkeit. Was versteht man unter Rating? Heute wird fast alles einem „Rating“ unterzogen: Länder, Hotels, Einschaltquoten, Sportler usw. Während man jedoch um die Qualität von Hotels oder Sportlern streiten kann, sind Ratings im Finanzbereich an strengere Merkmale geknüpft und werden nach Produkt-Rating, Rating für Aktien und Credit Rating unterschieden. Einem Credit Rating werden nach § 18 des Gesetzes über das Kreditwesen (KWG) grundsätzlich alle Unternehmen unterworfen, denen Kredite von insgesamt mehr als 250.000 Euro gewährt werden. Von den herkömmlichen Kreditwürdigkeitsprüfungen der Banken anhand des Jahresabschlusses der Kunden unterscheidet sich das Rating dadurch, dass neben quantitativen auch qualitative Aspekte in die Bewertung einfließen. Das Rating ergänzt somit die traditionelle Bonitätsbeurteilung und trägt zu einer Objektivierung der Kreditwürdigkeitsprüfung bei. Rating kann als eine Methode bezeich-Betriebsführung Elektropraktiker, Berlin 56 (2002) 8 642 Rating - Gefahr oder Chance? Mit der Diskussion um die Kreditvergabereform nach „Basel II“, welche in ersten Entwürfen eine deutliche Verschärfung der Kreditvergabe-Richtlinien vorsieht, rückt das Rating zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses. Gerade Handwerksbetriebe fürchten nun, bei der Kreditvergabe in Zukunft schlecht abzuschneiden. Welche Chancen das Rating dennoch bietet, wird im Folgenden dargestellt. Die anstehende Reform der Kreditunterlegung (Basel II) ist für 70 Prozent der deutschen Mittelständler ein gewohntes Thema. 31 Prozent haben sich bereits konkret mit dem Rating-Thema beschäftigt. Die Erwartungen sind zwiespältig: Einerseits wird nach positivem Ergebnis eine gestärkte Position gegenüber Kreditgebern gesehen, andererseits rechnen die Chefs mit zusätzlichen Kosten und höherem Arbeitsaufwand net werden, mit der ein Unternehmen zukunftsorientiert und umfassend hinsichtlich seiner Erfolgs- und Risikofaktoren bewertet wird. Diese Faktoren werden komplex beurteilt und zu einem einzigen, für jedermann verständlichen Wert zusammengefasst. Dieser Wert bringt die wirtschaftliche Fähigkeit, die rechtliche Bindung und die Bereitschaft eines Schuldners zum Ausdruck, seinen fälligen Zahlungsverpflichtungen vollständig und rechtzeitig nachzukommen. Anders ausgedrückt kann man auch sagen, dass ein Rating eine Bonitätsauskunft über den Schuldner gibt und damit signalisiert, wie hoch in einem bestimmten Fall die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Schuldner zum Zeitpunkt der Fälligkeit einer Verbindlichkeit seiner Verpflichtung zur Rückzahlung nicht oder nicht vollständig nachkommen kann. Wichtig für das Verständnis des Ratings und seiner Auswirkungen ist auch die Tatsache, dass sich nicht nur der mittelständische Kreditnehmer einem Rating unterziehen muss, sondern auch die kreditvergebende Bank einem Rating unterworfen ist. Folglich hat ein Kreditinstitut mit relativ vielen schlecht eingestuften Kunden seinerseits schlechtere Refinanzierungsmöglichkeiten. Rechtzeitig vorbereiten Der Vorschlag des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht empfiehlt, dass künftig jeder Kredit von den Banken je nach Risiko mit Eigenmitteln in unterschiedlicher Höhe unterlegt werden muss. Auch wenn diese Regelung erst im Jahr 2003 verabschiedet und im Jahr 2006 eingeführt werden soll, muss der verantwortungsbewusste und vorausschauende Unternehmer schon heute wissen, zu welchem Resultat ein für sein Unternehmen durchgeführtes Rating führt. Es ist blauäugig anzunehmen, dass ein nicht so positives Ergebnis eines Ratings in kurzer Zeit zu verbessern ist. Änderungen im gesamten betrieblichen Bereich brauchen ihre Zeit. Insofern ist die Spanne bis 2006 eher kurz. Außerdem - und nicht zuletzt - kann ein Rating zur Optimierung der betrieblichen Prozesse eingesetzt werden. Das Expertenwissen des Analysten und seine Bonitätsbeurteilung sind die beste Grundlage für eine Schwachstellenanalyse. Was wird hinterfragt? Von einer herkömmlichen Bilanzanalyse unterscheidet sich Rating wie gesagt dadurch, dass neben den Jahresabschlüssen der Vergangenheit auch zukünftige Entwicklungen und sog. qualitative Faktoren systematisch und einheitlich untersucht werden. Die bisher in der Diskussion auftauchenden Systeme unterscheiden sich zwar von Agentur zu Agentur (externes Rating) und von Kreditinstitut zu Kreditinstitut (bankinternes Rating). Trotzdem lassen sich bereits wichtige Themenbereiche und Schwerpunkte ausmachen. Es liegt auf der Hand, dass das Interesse der kreditgebenden Bank oder Sparkasse sich in erster Linie auf die Qualität der Unternehmensführung, auf Management und Organisation fokussiert. Ebenso wichtig für die zukünftige Fähigkeit des Betriebes, Kredite ordnungsgemäß zu verzinsen und zu tilgen, sind der Markt und die Aussichten der Branche. Möglicherweise gefährliche Abhängigkeiten eines Unternehmens von einem oder wenigen Lieferanten, vor allem aber von einem oder wenigen Kunden werden ebenfalls unter die Lupe genommen, da hierin ein nicht unerhebliches Risiko für die weitere Existenz zu sehen ist. Und dass die Qualität der Leistungsprozesse und Produkte ganz wesentlich den zukünftigen Unternehmenserfolg bestimmt, versteht sich fast von selbst. Ein für das Kreditinstitut (und für den wirtschaftlichen Erfolg des Betriebes) ganz wichtiger Aspekt der Managementqualität ist ein aktuelles und aussagefähiges Rechnungswesen mit einem Controlling, das diesen Namen verdient. Auch die bisherigen Erfahrungen mit der Kontoführung und der Beziehung zwischen Kunde und Bank (Transparenz, rechtzeitige Information) finden ihren Niederschlag in einer Bonitätsbeurteilung. Was sagen die Bilanzen? Die sog. hard facts werden bei der Bonitätsbeurteilung ihren Stellenwert behalten, der Analyst wird um die Errechnung und Interpretation von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen nicht herumkommen. Welchen Anteil diese Analyse der Finanzlage an der Einstufung des Unternehmens haben wird, darüber gehen die Einschätzungen noch auseinander. Es scheint aber bereits festzustehen, dass das Gewicht der „klassischen“ Bilanzanalyse bei mindestens 50 % liegen wird. Im Vordergrund steht dabei die Einschätzung der Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage des Betriebes. Am häufigsten tauchen in den Systemen die Eigenkapitalquote, der Cashflow, Kapitalrentabilitäten und die rechnerische Kapitaldienstfähigkeit auf. Man wird davon ausgehen können, dass in den unterschiedlichen Kreditinstituten der Kanon der beim Rating verwendeten quantitativen Indikatoren im Wesentlichen derselbe ist wie bei der bisher durchgeführten Jahresabschlussanalyse. A. Jürgensen Betriebsführung Elektropraktiker, Berlin 56 (2002) 8 643

Autor
  • A. Jürgensen
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