Elektrotechnik
|
Schutzmaßnahmen
|
Installationstechnik
Notstromaggregat am TT-Netz
ep4/2000, 1 Seite
Leseranfragen Notstromaggregat am TT-Netz ? Ein Bekannter wohnt außerhalb eines abgelegenen Dorfes. Er möchte seine Heizung im Falle einer Energieabschaltung über ein Notstromaggregat weiter betreiben. Die Hausanlage ist im TT-Netz aufgebaut. Die Heizungsrohre sind in den Potentialausgleich einbezogen. Ist es möglich, die Heizungsanlage mit dem Notstromaggregat zu betreiben, z. B. über eine Steckvorrichtung, die bei Bedarf umgesteckt wird? Was ist im Hinblick auf die Schutzmaßnahme und den Potentialausgleich zu beachten? Sollte ein RCD zusätzlich zwischen Notstromaggregat und Heizungsanlage eingebaut werden? ! Selbstverständlich ist der geschilderte Betrieb der Heizungsanlage mit einem Notstromaggregat möglich. Die Ausführung mittels Steckvorrichtung ist ohne weiteres zulässig. Diese „Umschaltmöglichkeit“ erfüllt die Forderung der Verteilungsnetzbetreiber (VNB, früher Elektrizitätsversorgungsunternehmen - EVU) nach einer zwangsläufigen allpoligen Trennung bei Umschaltung vom Netz des VNB auf das Notstromaggregat. Bezüglich der Schutzmaßnahme nach DIN VDE 0100 und des Potentialausgleiches muss nach Art des Notstromaggregates unterschieden werden. Mobile Notstromaggregate ohne geerdeten Sternpunkt des Generators sind nur für den Betrieb im IT-System (also nicht TT-System) oder für die Schutzmaßnahme Schutztrennung geeignet. Mobile Notstromaggregate mit geerdetem Sternpunkt müssen unter Beachtung der bereits angewendeten Schutzmaßnahme angeschlossen werden. Im TT-System wird dies üblicherweise ein RCD ohne Hilfsspannungsquelle (Fehlerstrom-Schutzeinrichtung) sein. Sollte sich der vorhandene Fehlerstrom-Schutzschalter nach Abtrennen der Heizungsanlage von der festen Installation nicht mehr im Leitungskreis der Heizung befinden, so ist eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung im neuen, über das Notstromaggregat betriebenen Stromkreis vorzusehen. Der Sternpunkt des Generators (Gehäuse) muss mit der Hauptpotentialausgleichsschiene (Haupterdungsschiene) verbunden sein. Dies dient der Spannungsbegrenzung bei Erdschluss eines Außenleiters. Voraussetzung hierfür ist die (von Ihnen bereits bestätigte) Einbeziehung der Heizungsanlage in den Potentialausgleich. Weitere Details zu diesem Thema sind unter anderem in der von der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW e. V.) herausgegebenen „Richtlinie Notstromaggregate“ zu finden. Diese Richtlinie enthält auch einige Schaltungsvarianten, die hier in leicht modifizierter Form angewendet werden können. Erhältlich ist diese Richtlinie entweder beim zuständigen VNB oder direkt bei der VDEW. J. Pietsch Austausch defekter Steckdosen ohne Schutzkontakt ? In einem 1960 mit Ofenheizung erbauten Wohnhaus wurden ursprünglich die Steckdosen im Bad und in der Küche mit Schutzkontakt im TN-C-System („klassische Nullung“) sowie in den Wohnräumen ohne Schutzkontakt ausgeführt. Die Öfen wurden 1991 durch eine Zentralheizung mit Kupferrohren ersetzt. In der Küche und im Bad wurden die elektrischen Anlagen erneuert, wobei das TN-S-System („stromlose Nullung“) angewendet und für das Bad zusätzlich ein Fl-Schutzschalter eingesetzt wurde. Der Steckdosenring mit zweiadrigen Leitungen in den Wohnräumen wurde nicht verändert. Wie soll man sich jetzt bei Reparaturen defekter Steckdosen ohne Schutzkontakt in den Wohnräumen verhalten? Die isolierende Eigenschaft der Räume ist durch die Zentralheizung aufgehoben. Steckdosen ohne Schutzkontakt sind nicht beschaffbar. Wie sind die folgenden Lösungen zu beurteilen? a)Schutzkontakt-Steckdosen installieren, ohne den Schutzkontakt anzuklemmen. b)Bei den Schutzkontakt-Steckdosen den Schutzkontakt entfernen. c)Den Steckdosenstromkreis mit einem Fl-Schutzschalter versehen und gemäß b) verfahren. d)In den Schalterdosen den PEN-Leiter in PE und N auftrennen und die Schutzkontakt-Steckdosen dreiadrig anklemmen. e)Die Schutzkontakt-Steckdosen im TN-C-System („klassische Nullung“) anschließen, also mit Brücke vom Schutzleiteranschluss zu einem Buchsenanschluss. f) Die Steckdosen entfernen und die Schalterdosen mit einem Deckel verschließen. g)Die Reparatur ablehnen und darauf verweisen, dass die Anlage nach VDE erneuert werden muss. ! Die Anfrage betrifft zwei Aufgaben, nämlich die Reparatur defekter Steckdosen ohne Schutzkontakt und das Nachrüsten einer Schutzmaßnahme wegen des Verlustes der isolierenden Eigenschaft der Wohnräume. Obwohl sie in diesem Fall zusammenhängen, werden sie nachstehend einzeln behandelt. 1 Reparatur einer Steckdose ohne Schutzkontakt in einem Raum mit isolierender Eigenschaft Die Lösungen a) und b) kommen nur dann in Betracht, wenn in einer vorschriftsmäßig errichteten Anlage in einem Raum, der seine isolierende Eigenschaft nicht verloren hat, eine defekte Steckdose ohne Schutzkontakt repariert werden soll. Dieser Fall liegt beim beschriebenen Haus jedoch nicht vor, weil durch den Einbau der Zentralheizung mit Kupferrohren die isolierende Eigenschaft der Wohnräume verloren gegangen ist. Dennoch wird kurz auf diesen Fall eingegangen. In einem Raum mit isolierender Eigenschaft können Sie die defekte Steckdose ohne Schutzkontakt wie folgt zu ersetzen: 1.1 Verwendung einer Steckdose ohne Schutzkontakt Solche Steckdosen werden von einigen Firmen noch hergestellt. 1.2 Verwendung einer Schutzkontakt-Steckdose ohne Anschluss des Schutzkontaktes Gegen diese Lösung bestehen in Fachkreisen Bedenken, weil damit eine Schutzmaßnahme vorgetäuscht werden könnte. Im Grunde genommen ist nur das Fehlen und nicht das Vortäuschen einer Schutzmaßnahme gefährlich. Dennoch haben die Bedenken eine gewisse Berechtigung. Die Vortäuschung einer Schutzmaßnahme kann evtl. dazu führen, dass ein ortsveränderliches Verbrauchsmittel der Schutz-Leseranfragen Elektropraktiker, Berlin 54 (2000) 4 301 Liebe Elektrotechniker/-innen! Wenn Sie mit einem schwierigen technischen Problem kämpfen, wenn Sie Widersprüche entdecken, Meinungsverschiedenheiten klären wollen oder eine Information brauchen, dann richten Sie Ihre Fragen an die Redaktion: ep-Leserservice 10400 Berlin oder Fax: (030) 42 151-251 oder e-mail: elster@elektropraktiker.de oder Internet: www.elektropraktiker.de Wir beraten Sie umgehend. Ist die Lösung von allgemeinem Interesse, veröffentlichen wir Frage und Antwort hier in dieser Rubrik. Beachten Sie bitte: Die Antwort gibt die persönliche Interpretation einer erfahrenen Elektrofachkraft wieder. Für die Umsetzung sind Sie verantwortlich. Ihre ep-Redaktion Eine Sammlung von über 200 Fragen und Antworten finden Sie auf unseren Internetseiten. Fragen an ELEKTRO PRAKTIKER
Ähnliche Themen
Autor
- J. Pietsch
Downloads
Laden Sie diesen Artikel herunterTop Fachartikel
In den letzten 7 Tagen:
Sie haben eine Fachfrage?
