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Schaltanlagen

Nachgefragt bei ep-Autor Friedemann Schmidt: Warum Schalthandlungen in Starkstromanlagen so anspruchsvoll sind

ep7/2016, 1 Seite

Um Schalthandlungen an elektrischen Anlagen sicher ausführen zu können, reicht allein der Erwerb der Schaltberechtigung in einer speziellen Ausbildung nicht aus. Warum in der Praxis die jährliche Wiederholungsunterweisung für die Elektrofachkraft so wichtig ist, erläutert der langjährige ep-Autor Friedemann Schmidt. Er verfügt über umfangreiche Erfahrungen auf diesem Gebiet. In Teil 2 finden Sie eine Arbeitsunterweisung zum Thema Schalthandlungen.


531 Ganz Vorne Elektropraktiker, Berlin 70 (2016) 7 | www.elektropraktiker.de Sicher schalten üben Warum Schalthandlungen in Starkstromanlagen so anspruchsvoll sind Um Schalthandlungen an elektrischen Anlagen sicher ausführen zu können, reicht allein der Erwerb der Schaltberechtigung in einer speziellen Ausbildung nicht aus. Warum in der Praxis die jährliche Wiederholungsunterweisung für die Elektrofachkraft so wichtig ist, erläutert der langjährige ep-Autor Friedemann Schmidt. Er verfügt über umfangreiche Erfahrungen auf diesem Gebiet. Herr Schmidt, warum halten Sie als langjähriger Praktiker gerade die regelmäßige Wiederholungsunterweisung der Elektrofachkraft für sichere Schalthandlungen an elektrischen Anlagen für so wichtig und worum geht es vor allem dabei? F. Schmidt: Meist schalten die Elektrofach kräfte eines Unternehmens relativ selten. Da verliert sich schon einmal im Laufe der Zeit die notwendige Nähe zur Anlage. Auch trotz immer besserer Technik des integrierten Schaltfehlerschutzes bei fabrikfertigen Anla gen sind dabei Fehlhandlungen infolge von Zeitdruck und Stress nicht ausgeschlossen. Dagegen hilft nur solides Wissen und Praxis. Der Umfang einer Wiederholungsunterwei sung ist meist abhängig davon, wie häufig ein Arbeitsmittel benutzt wird, auch von seinem Kompliziertheitsgrad und nicht zuletzt vom Intellekt des Arbeitnehmers. Ist dafür der regelmäßige Besuch von Weiterbildungsveranstaltungen ausreichend? F. Schmidt: Meine langjährige Erfahrung be sagt, dass es nicht genügt, den Arbeitnehmer dafür nur zu einem externen Seminar zu schi cken. Das geht zumindest bei der Schaltbe rechtigung am Sinn einer Wiederholungsun terweisung deshalb weit vorbei, weil sie nach dem Arbeitsschutzgesetz (Arb Sch G) aus drücklich auf den Arbeits bereich des Arbeit nehmers ausgerichtet sein muss. Das Schalten will geübt sein - die Schaltpra xis ist das Wichtige daran. Hilfreicher wäre daher vielmehr das Unterweisen an oder vor der eigenen Anlage mit praktischen Tätig keiten, wie zum Beispiel das Freischalten eines Transformators mit dem Anwenden der fünf Sicherheitsregeln und der Erteilung einer Freigabe. Neben soliden Fachkenntnissen ist auch eine besondere Ausbildung für den Erwerb der Schaltberechtigung nötig. F. Schmidt: Ja, das ist richtig. Obgleich dieses Thema einen solch hohen Stellenwert hat, wird es häufig in der Berufsausbildung eines Elektrikers noch unzureichend behandelt. Ausnahmen gibt es vereinzelt - meist bei den Energieversorgern. Aber nach wie vor wird es auch in Zukunft bei einer speziellen Ausbil dung für Schaltberechtigte bleiben müssen. Was ist zu tun, um die Elektrofachkräfte noch besser auf diese anspruchsvolle Aufgabe vorzubereiten? F. Schmidt: Wünschenswert wäre eine zen trale einheitliche Vorgabe, was deren persön liche und gesundheitliche Eignung anbetrifft - aber auch hinsichtlich der beruflichen Qua lifikation, der Dauer sowie des Abschlusses einer solchen Ausbildung. Dabei muss die Arbeitssicherheit immer an erster Stelle stehen. Was machen denn die Grundsätze und die besondere Spezifik von sicheren Schalthandlungen aus? Warum ist deren Beherrschung so wichtig? F. Schmidt: Obwohl nirgendwo so explizit formuliert, beruhen die Grundsätze zum si cheren Schalten auf elementaren Regeln der Elektrotechnik, auf einem über ein Jahrhun dert gewachsenen Sicherheitsverständnis und auf Praktiken der Kommunikation sowie auf der Kenntnis über die Wirkungsweise von Schaltgeräten und Schutzsystemen - aber vor allem auf dem Wissen um ihre Grenzen. Darüber sind sich die Experten einig: Je höher die Spannungsebene, desto größer die Auswirkungen von Fehlhandlungen. Eine Fehlschaltung kann nicht nur verheerende gesundheitliche Folgen für die Elektrofachkraft haben, sondern auch ein Unternehmen sehr schnell an die Existenzgrenze bringen. Vielen Dank für diese Einblicke. Lesen Sie dazu die ep-Arbeits schutz-Unterweisung Nr. 41 zum Thema: „Schalthandlungen - Wiederholungsunterweisung“ nach der S. 610 Friedemann Schmidt erläutert ep-Redakteurin Marion Buchheister aus seinen Erfahrungen als anerkannter Sachverständiger beim TÜV Nord, warum die Praxis bei Schalthandlungen so wichtig ist Quelle:

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Dieser Artikel ist Teil einer Serie.
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