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Hard- und Software | Veranstaltung | Elektrotechnik

Linux-Tag - erstmals in Berlin

ep7/2007, 1 Seite

Der Linux-Tag ist seit Jahren Europas führender Event für freie Software und Linux. Alljährlich treffen sich Anwender, Interessenten und Experten auf einer Kongressmesse zum Erfahrungsaustausch und zur Präsentation von Neuigkeiten. Die Großveranstaltung vereint Hersteller, Unterstützer, Projektbearbeiter und Communities aus Deutschland und ganz Europa.


10000 Fachbesucher Open Source ist eigentlich schon lange kein Geheimtipp mehr. Aber wenn es dennoch einer Begründung für diese Behauptung bedurft hätte, der diesjährige Linux-Tag vom 30. Mai bis 2. Juni 2007 lieferte diese in geradezu exemplarischer Weise. Da ist einerseits die Übernahme der Schirmherrschaft für diese Veranstaltung durch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und andererseits der Wechsel des Veranstaltungsortes von Wiesbaden nach Berlin. Die größere Nähe zu den Einrichtungen des Bundes führte zu einer deutlich regeren Beteiligung von Referenten verschiedener Ministerien und Bundeseinrichtungen an den Kongressveranstaltungen. Der Linux-Tag 2007 hat mit fast 10000 Fachbesuchern an vier Messetagen nicht nur die Erwartungen der Veranstalter erfüllt, sondern auch die in Wiesbaden begonnene Erfolgsgeschichte kontinuierlich fortgeführt. Neben 47 kommerziellen Ausstellern präsentierten rund 80 Entwickler- und Anwenderprojekte mit 350 Teilnehmern aus aller Welt ihre Arbeitsergebnisse. Das Kongressprogramm ist mit mehr als 200 Vorträgen in 30 Konferenzreihen im Vergleich zu den Vorjahren nochmals gewachsen. Die Vortragsreihen waren ausnahmslos gut besucht, und vielfach gab es im Anschluss an die Vorträge lebhafte Diskussionen. Freie Software im Fokus Der Linux-Tag ist vom Charakter her ein Ereignis, bei dem wie der Name schon ausdrückt, vor allem Linux, aber eben auch alle anderen Spielarten freier Software und Open Source sowie freie unixähnliche Betriebssysteme im Mittelpunkt des Interesses stehen. Der Schwerpunkt der Veranstaltung liegt dabei auf der systemnahen Software und der branchenübergreifenden Standardanwendersoftware. Distributionen Linux gibt es in einer nahezu unüberschaubaren Fülle von Distrubutionen. Viele Entwickler haben, wie z. B. das Fedora-Team, die Messe genutzt, um neue Versionen vorzustellen. Darüber hinaus wurde anhand einer Vielzahl von Exponaten deutlich, welche Flexibilität das modulare Konzept unixähnlicher Systeme dem Fachmann ermöglicht. Angefangen vom eingebetteten Mini-Linux in der Steuerungstechnik bis hin zum Betriebssystem für hochverfügbare Cluster in Serverfarmen - was mit Linux praktisch alles möglich ist - wurde auf der Messe an Ständen und in Vorträgen gezeigt. Virtualisierung Der Betrieb mehrerer voneinander unabhängiger Systeme auf einem Rechner ist unter dem Stichwort Virtualisierung derzeit ein, vielleicht sogar das Top-Thema der IT-Branche. Auf dem Linux-Tag wurden auch hierfür verschiedene Lösungen präsentiert. Die im Linux-Kern integrierte Virtualisierungstechnik KVM bietet die Möglichkeit, die hardwarebasierten Virtualisierungsfunktionen von AMD- und Intel-Prozessoren direkt unter Linux zu nutzen. Linux auf dem Client Als Betriebssystem für Server sind Linux und andere unixähnliche Systeme schon seit Jahren aus der IT-Architektur von Unternehmen und Verwaltungen nicht mehr wegzudenken. Inzwischen erobert das System auch die Schreibtische, wie anhand erfolgreich realisierter Projekte der Stadtverwaltungen in Wien (Wienux) und München (LiMux) gezeigt werden konnte. IBM präsentierte mit dem „Open Business Client“ ein speziell für die Mitarbeiter dieses weltweit agierenden Unternehmens konfiguriertes Desktop-Linux. Linux in der Schule Freie Software hat - nicht nur aus Kostengründen - in der Ausbildung eine festen Platz gefunden. Auf dem Linux-Tag konnten sich Interessenten in einem nachgestellten Computerkabinett über die Möglichkeiten der Nutzung freier Software im Bildungswesen informieren. Neben speziellen Linux-Distributionen für die Ausbildung, wie etwa Skole und Edubunte, wurden Programme für den Fachunterricht vorgestellt und Erfahrungen bei der Administration von Systemen in der Ausbildung vermittelt. Sicherheit Unixähnliche Systeme sind stabil und bieten vielfältigen Möglichkeiten zur Schaffung sicherer IT-Architekturen. Wer sich zum Thema IT-Sicherheit informieren wollte, hatte auf dem Linux-Tag alle Möglichkeiten, ob Firewall, Virensuche, Spam-Filter, Daten-Backup, spezielle Sicherheitsdistributionen oder Recovery-CDs - für jedes Problem wurde meist mehr als eine Lösung angeboten. Dabei ist das Neben- und Miteinander der freien Software der verschiedenen Entwickler-Teams und den kommerziellen Angeboten diverser Firmen besonders bemerkenswert. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) war auch hier mit einem repräsentativen Stand vertreten. Verwaltung als Zielgruppe Ob Kongress oder Messe, eine Vielzahl von Angeboten und Erfahrungsberichten beschäftigten sich mit dem Einsatz von Linux und freier Software in Verwaltungen und Behörden. Zwar steht dabei vielfach die Reduzierung von IT-Kosten im Mittelpunkt, aber eben nicht nur. Aspekte wie Sicherheit und Verfügbarkeit des Quellcodes gewinnen zunehmend an Bedeutung. Mehrfach wurde auch auf die Bedeutung freier international genormter Datenformate (z. B. odt-Format) für die langfristige Verfügbarkeit von Informationen hingewiesen. Auf die Verwaltung als Zielgruppe ist auch eine spezielle Vortragsveranstaltung - der Business- und Behördentag - ausgerichtet. 100-Dollar-Laptop Eher am Rande, aber von den Besuchern umso mehr mit Interesse bedacht, wurden einige Prototypen des 100-Dollar-Laptops präsentiert. Dieses, von einem MIT-Professor initiierte und nicht unumstrittene Entwicklungshilfeprojekt hat inzwischen einen beachtlichen Reifegrad erreicht. Zwar wird der angepeilte Preis von 100 Dollar mit ca. 175 Dollar doch deutlich überschritten, aber dafür erweist sich dieses Vorhaben geradezu als eine schier unerschöpfliche Quelle neuer Ideen für die Energiebereitstellung mobiler Geräte, die Hardwareentwicklung, die Gestaltung von intuitiven Benutzeroberflächen, die Reduzierung von Programmen auf wirklich benötigte Funktionen und vieles mehr. H. Möbus Elektropraktiker, Berlin 61 (2007) 7 556 BRANCHE AKTUELL Linux-Tag - erstmals in Berlin Kein Geheimtipp mehr Der Linux-Tag ist seit Jahren Europas führendes Event für freie Software und Linux. Alljährlich treffen sich Anwender, Interessenten und Experten auf einer Kongressmesse zum Erfahrungsaustausch und zur Präsentation von Neuigkeiten. Die Großveranstaltung vereint Hersteller, Unterstützer, Projektbearbeiter und Communities aus Deutschland und ganz Europa. 10000 Interessierte informierten sich auf dem Linux-Tag in Berlin Foto: S. Bergmann EP0707-552-562 21.06.2007 13:24 Uhr Seite 556

Autor
  • H. Möbus
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