Veranstaltung
|
Elektrotechnik
Linuxtag 2008 - Linux, inzwischen ganz selbstverständlich
ep7/2008, 1 Seite
Erfolgsbilanz Der im Vorjahr vollzogene Wechsel des Veranstaltungsortes von Wiesbaden nach Berlin war auch von einigen kritischen Kommentaren begleitet. Eine erfolgreiche Veranstaltung gibt schließlich keiner gern her. Aber ein Besucherzuwachs von ca. 20 % dürfte auch den letzten Skeptiker überzeugt haben. Der Linuxtag ist in Berlin gut angekommen und in der Hauptstadt nicht zuletzt wegen der Nähe zu wichtigen Einrichtungen des Bundes auch gut aufgehoben. Bei den Schwerpunkten der Kongressmesse war durchaus eine inhaltliche Verschiebung spürbar. War im letzten Jahr noch eine Fokussierung auf Distributionen und Standardanwendungen unübersehbar, so wurde in diesem Jahr deutlich, dass freie Software für nahezu alle denkbaren Anwendungsfälle verfügbar ist und ein Umstieg keine unlösbaren Probleme mehr aufwirft. Rund 200 Aussteller waren diesmal dabei - ebenfalls eine Steigerung zum Vorjahr. Dabei ist insbesondere das ausgewogene Verhältnis zwischen Unternehmen und freien Projekten hervorzuheben. IBM und Sun waren als offizielle Sponsoren des Linuxtages mit repräsentativen Ständen vertreten. Mit 250 Vorträgen hatte auch das Kongressprogramm noch einmal deutlich zugelegt - und hier wurden nicht nur anspruchsvolle Themen behandelt, sondern auch nahezu durchweg hochkarätige Referenten aufgeboten. Mit Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier hatte der Linuxtag zudem einen engagierter Förderer freier Software als Schirmherrn. In seinem Grußwort führte er aus: „Linux ist weltweit ein Synonym für freie Software. Doch hinter dem Begriff `freie Software' verbirgt sich noch mehr. Es ist ein Zeichen für eine nach innen und nach außen offene Gemeinschaft. Ein Pluspunkt der freien Software ist, dass die Entwicklung nicht in der Hand von einzelnen Personen oder Unternehmen, sondern einer weltweiten Gemeinschaft vieler Programmierer liegt und damit eine weitaus größere geistige Kapazität nutzt... Linux, Open Source und offene Standards können vor allem auch Entwicklungsländern helfen, den Anschluss an die Industrieländer zu finden und die digitale Kluft zu überwinden. Denn Wissensdurst und Kreativität werden hier nicht durch Zugangsbarrieren wie Software-Patente oder restriktive Lizenzbestimmungen behindert. Der Entwicklung freier Software kommt dadurch eine zusätzliche strategische Bedeutung für Forschung, Innovation und Wachstum zu. Besonders erfreulich ist dabei, dass viele kleine und mittlere innovative Unternehmen aus Europa auf diesem Markt agieren. Linux und Open Source sind damit auch ein Standortfaktor für Europa.“ Öffentliche Verwaltung Der Einsatz freier Software ist heute nicht nur mehr in kostenbewussten Unternehmen auf der Tagesordnung, sondern wird in der öffentlichen Verwaltung mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit. Dabei ist die Tatsache, dass freie Software nachweisbar hilft, Kosten zu sparen, ein durchaus willkommener, aber manchmal nur zweitrangiger Effekt. Das Auswärtige Amt gehört beispielsweise seit Jahren zu den Vorreitern beim Einsatz freier Software, aber deutlicher als bisher wurde in diesem Jahr - trotz nachgewiesener Kostenvorteile - der Aspekt der höheren Sicherheit in den Mittelpunkt der Argumentation gerückt. Interessant war es auch zu erfahren, dass neben so spektakulären Projekten wie die Nutzung von Linux durch die Münchener Stadtverwaltung, fast „in aller Stille“ 13000 Internet-Recherche-Arbeitsplätze für Arbeitssuchende unter Linux an 900 Standorten durch die Bundesagentur für Arbeit betrieben werden. Aber Einrichtungen des Bundes partizipieren nicht nur von der freien Software, sondern leisten auch eigenständige Beiträge zu deren Weiterentwicklung. So unterstützt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationsverarbeitung (BSI) seit längerem die Entwicklung des zur KDE-Oberfläche gehörenden Personal Informations Managers (PIM) Kontact mit dem Ziel, einen freien Clienten für die Groupware-Lösung Kolab zu erhalten. In Berlin führte das BSI nun Portierungen dieser PIM-Software für Windows- und Mac-Rechner vor. Multimedia und Automation Unter dem Oberbegriff Multimedia sind über die Jahre eine Vielzahl von Projekten freier Software bekannt geworden, von denen Myth-TV, ein freies Multimediacenter mit einem Festplattenrecorder als Hauptbestandteil, und der Video Disk Recorder (VDR), eine Software für den Empfang, die Speicherung und die Wiedergabe digitalen Fernsehens, sicher die Bekanntesten, aber nicht einzigsten sind. Mit Linux-MCE wurde nun erstmalig in Europa eine weitere Multimediadistribution vorgestellt, die nicht nur die o. g. Projekte einschließlich der Open Source PBX Asterix unter einer gemeinsamen Oberfläche vereint, sondern zudem die Hausautomation mit einbindet. Von ähnlich gelagerten Projekten wie etwa Mister-House unterscheidet sich Linux-MCE vor allem durch die Tatsache, dass neben X-10 auch KNX/EIB, Insteon, Z-Wave und PLC-Bus-Komponenten bereits unterstützt werden. Der bei Linux-MCE zur Einbindung der Steuerungskomponenten praktizierte Lösungsansatz erscheint zudem recht leistungsfähig und unkompliziert, sodass davon ausgegangen werden kann, dass die Schnittstellen für andere Systeme in absehbarer Zeit verfügbar sein werden. Dieses Projekt hat das Potential, einerseits das Zusammenwachsen von Multimedia und Hausautomation zu beschleunigen, und andererseits könnte damit eine ideale Plattform für heterogene Systeme der Hausautomation entstehen. Sicheres Homebanking Homebanking ist eine beliebte, wenn auch aus Sicherheitsgründen nicht ganz unumstrittene Form der Abwicklung von Bankgeschäften über das Internet. Mit Money-Penny stellte ein Studententeam der Fachhochschule Südwestfalen unter der Leitung von Prof. Dr. Walter Roth die derzeit vermutlich sicherste Homebanking-Lösung vor. Money-Penny basiert auf dem deutschen HBCI-Standard und dem recht robusten Knoppix, einer aus Deutschland stammenden Linux-Distribution. Die Lösung kann von einer Live-CD oder als virtuelle Maschine unter Windows genutzt werden. H. Möbus Elektropraktiker, Berlin 62 (2008) 7 582 BRANCHE AKTUELL Linuxtag 2008 in Berlin Linux - inzwischen ganz selbstverständlich Die Verfügbarkeit freier Software hat in den letzten Jahren die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik entscheidend geprägt. Diese Tendenz wird sich auf Jahre hin fortsetzen und sicher noch manche Überraschung bereithalten. Der Linuxtag 2008 war einmal mehr Beleg dafür, wie selbstverständlich der Einsatz freier Software in vielen Bereichen von Technik, Wirtschaft und Gesellschaft inzwischen geworden ist. Allseits präsent: Das Linux-Maskottchen namens Tux Foto: linuxtag.org
Ähnliche Themen
Autor
- H. Möbus
Downloads
Laden Sie diesen Artikel herunterTop Fachartikel
In den letzten 7 Tagen:
Sie haben eine Fachfrage?
