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Linux-Tag 2010 in Berlin - Linux und Open Source: Stimmung ungetrübt
ep8/2010, 1 Seite
Konstante Besucherzahlen Der Linuxtag ist nun schon seit Jahren eine feste Größe im Messekalender der Hauptstadt. 1996 an der Universität Kaiserslautern als Initiative einiger Linux-Fans entstanden, hat die Veranstaltung über Zwischenstationen in Stuttgart, Wiesbaden und Karlsruhe in Berlin einen Standort gefunden, dessen entscheidender Vorteil vor allem in der Nähe zu Bundesbehörden besteht. Im Unterschied zu den Vorjahren war die Distanz zur „großen“ Politik diesmal allerdings fühlbar größer. Während im letzten Jahr das Auswärtige Amt auf einem repräsentativen Stand über die Linux-Migration berichtete und der Außenminister die Schirmherrschaft über die Veranstaltung übernommen hatte, waren in diesem Jahr mit dem BSI und der BIT lediglich zwei zentrale Bundesbehörden vertreten. Schirmherrin war darüber hinaus eine Staatssekretärin, deren Grußworte man wohl am ehesten als freundlich-distanziert und leidenschaftslos beschreiben kann. Aber Veranstalter und Aussteller haben trotz alledem wieder einen Linuxtag organisiert, der weit über die nationalen Grenzen hinaus von Bedeutung ist. Dem Trend der letzten Jahre folgend hat er sich von einer Messe mit Vortragsprogramm zu einer Vortragsveranstaltung mit begleitender Ausstellung entwickelt. Als Referenten konnten erneut hochkarätige Spezialisten und Verantwortliche aus IT-Unternehmen gewonnen werden. Der Umfang der Kongressveranstaltung wird schon anhand der Zahlen deutlich: mehr als 300 Vorträge zu 35 Schwerpunktthemen. Dagegen nimmt sich die Zahl der Aussteller mit 43 Firmen und 75 freien Projekten geradezu bescheiden aus. Die Zahl der Besucher ist mit mehr als 11000 im Vergleich zu den Vorjahren nahezu konstant geblieben. Schule und Ausbildung Der Einsatz freier Software in Ausbildung und Schule bildete auch diesmal wieder einen Schwerpunkt der Messe und der Vorträge. Skolelinux. Als Basis wird vielfach Skolelinux, eine auf Debian basierende kompakte Distribution verwendet, die sich durch einfache Installier- und Administrierbarkeit auszeichnet. Ursprünglich in Skandinavien entstanden, erfreut sich Skolelinux auch an deutschen Schulen zunehmender Beliebtheit. X2go. Hierbei handelt es sich um ein freies Terminal-Server-Projekt, welches Clients für alle gängigen Plattformen wie Linux, Windows und Mac OS bietet. Der Datenverkehr zwischen Client und Server wird komprimiert, sodass das System auch bei geringer Bandbreite verwendbar ist. Nach Angaben der Entwickler zeichnet sich X2go durch Übersichtlichkeit, Performance und Skalierbarkeit aus. Sugar. Das Sugar-Interface wurde im Rahmen des OLPC-Projektes (One Laptop Per Child) entwickelt und ist inzwischen auch auf anderen Computern verwendbar. Mittels einer für den USB-Stick konzipierten Variante kann das System auf Netbooks ausprobiert werden, ohne das auf dem Gerät bereits installierte System zu gefährden. Squeak Etoys. Diese Sammlung wurde geschaffen, um Kindern die Aneignung mathematischer und naturwissenschaftlicher Kenntnisse zu erleichtern. Die Squeak Etoys enthalten neben einer visuellen Programmierumgebung ein multimediales Autorensystem und sind auf allen gängigen Plattformen lauffähig. Seminarix. Das am Studienseminar Neuss realisierte Projekt stellt auf einer Live-DVD eine Sammlung freier linuxbasierter Software bereit, die insbesondere für den Einsatz in der Ausbildung geeignet ist. Mit dieser DVD können sich Interessierte zunächst einen Überblick über die vorhandenen Angebote verschaffen. Gleichzeitig lässt sich die DVD zur Installation eines Produktivsystems nutzen. Neue Schwerpunkte In den letzten Jahren stand insbesondere der Einsatz von Linux und freier Software im Bereich der klassischen Büro-IT im Mittelpunkt des Interesses. Hier war in diesem Jahr eine deutliche Verschiebung der Schwerpunkte erkennbar. Mobiles Internet. Der Boom des mobilen Internets hält nach wie vor an. Wegen seiner modularen Architektur bietet Linux auch hier eine geeignete Plattform. Eine Vielzahl von Exponaten und Vorträgen beschäftigten sich daher mit dem von Nokia und Intel geförderten System Mee Go sowie mit Android, Googles Betriebssystem für Mobiltelefone. WeTab. Die Vorstellung eines „offenen“ Tablet-Computers war eine der Höhepunkte des Linuxtages. Das von einem Berliner Unternehmen entwickelte WeTab nutzt Android als Betriebssystem, ist für Erweiterungen offen und soll ab September erhältlich sein. WeTab ist eine interessante Alternative zu Angeboten wie Apples iPad. Embedded Linux. Ob Router, Netzwerkspeicher oder Roboter, in vielen Geräten findet Linux als eingebettetes System Anwendung. Hierzu gab es auch in diesem Jahr diverse Exponate und Vorträge. Eine neue innovative Anwendung wurde durch eine Arbeitsgruppe des Instituts für Berufliche Bildung und Arbeitslehre der TU Berlin vorgestellt. Das entwickelte MSR-System basiert auf Standard-PC-Hardware, wird über das Jack Audio Connection Kit verwaltet und kann zur aktiven Schall- und Schwingungsminderung genutzt werden. Auf der Basis der Client-Server-Architektur ermöglicht Linux die Entwicklung verteilter Messsysteme von hoher Flexibilität. Automatisierungstechnik. Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung ist es schade, dass der Linuxtag seitens der für die Automatisierungstechnik bedeutenden Initiativen wie dem OSADL (Open Source Automation Development Lab) und der OSCAT (Open Source Community for Automation Technology) bisher keine Beachtung gefunden hat. Eine Beteiligung wäre sicher von beiderseitigem Vorteil. Fazit Der Linuxtag 2010 hat einmal mehr gezeigt, dass das Interesse an Linux und freier Software ungebrochen ist und deren Bedeutung kontinuierlich zunimmt. Anhand der seit Jahren konstanten Aussteller- und Besucherzahlen wird deutlich, dass es den Veranstaltern sehr gut gelingt, das inhaltliche Konzept der Messe Schritt für Schritt weiter zu entwickeln. Wie in den Vorjahren fand auch diesmal parallel zum Linuxtag die regionale IT-Messe IT-Profits statt. Der Besuch des Linuxtages ist kein Muss für den Elektrofachmann, aber wer sich stärker im Bereich der Netzwerk-oder MSR-Technik engagiert, findet hier sicher manche Anregung. H. Möbus BRANCHE AKTUELL Elektropraktiker, Berlin 64 (2010) 8 630 Linuxtag 2010 in Berlin Linux und Open Source - Stimmung ungetrübt Ob Finanzkrise oder Euroschwäche, am Linuxtag gehen weltbewegende Ereignisse scheinbar spurlos vorüber. Das Interesse an freier Software ist bei IT-Fachleuten nach wie vor ungebrochen, und eine weltweite Entwicklergemeinde arbeitet engagiert an der Vervollkommnung einer geradezu unübersehbaren Anzahl von Projekten. Allseits präsent: das Linux-Maskottchen Tux - hier einmal als Zauberer Foto: K. Zimmermann/ Messe Berlin
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- H. Möbus
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